Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 171
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Nr. 9.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

171

Warum mag ein früherer Besitzer den
rechten und unteren Rand verstümmelt
haben? Hat es ihn gestört, daß die
Massenverteilung so asymmetrisch war?
Er dachte wohl nicht daran, daß er
kein komponiertes Stück, sondern eine
Helldunkelstudie vor sich habe. Oder
waren die Ränder rechts und unten
schadhaft geworden? Das ist nicht mit
Sicherheit zu beantworten, ebensowenig
als die Frage, ob im unverstümmelten
Bilde rechts oben an der Stelle, wo in
der Radierung Rembrandts Monogramm
steht, auch im Vorbild das Handzeichen
des jungen Malers und vielleicht eine
Jahreszahl gestanden haben. War das
Bild an der Seite beschädigt, so ent-
schloß man sich wohl, um das Übrige
zu erhalten und sauber zur Geltung zu
bringen, den schadhaften Randstreifen
trotz des Monogramms und einer etwa
vorhandenen Jahreszahl abzusägen. Da
versagt die Bestimmtheit der Antworten.
So mußten wir uns denn die Mühe
geben, nach anderen Merkmalen, als
nach Monogramm und Jahreszahl, den
Urheber und die Entstehungszeit des
Bildchens zu ergründen. Alles spricht
für Rembrandt, der das Bildchen etwa
im 20. oder 21. Lebensjahr gemalt haben
dürfte. Zu Lievens oder gar zu anderen
Künstlern paßt es nicht. Nichts deutet
auf eine Kopie. Eine Fälschung konnte
nach den äußeren Merkmalen aus-
geschlossen werden. Eine solche ist auch
deshalb unwahrscheinlich, weil frühe
Rembrandts zu fälschen noch vor 30
bis 40 Jahren ein albernes Unternehmen
gewesen wäre, das keinen Gewinn ver-
sprach. Man weiß aber um das Bildchen
schon, als es vor 1873 bei Dr. Gotthelf
Meyer in Wien gewesen. Bei eingehen-
der Prüfung der Sache werden mir, so
hoffe ich, unparteiische Fachgenossen
gerne zugestehen, daß mit dem Bildchen
der Versteigerung Goldschmidt ein echtes
Eigenbildnis des jungen Rembrandt auf-
gefunden ist, und zwar eines, das man

in der zeitlichen Reihe an erste Stelle
setzen muß, auch wenn es sonst, bei
aller Keckheit der Mache, die Anfänger-
hand verrät.

Das Bildchen mißt 2i-8 X I7'5 cm
ohne die zu ergänzenden zwei Ränder.
Eichenholz dient als Unterlage. Eine
größere Nachbildung, als sie heute zu
geben möglich war, wird für eines der
nächsten Hefte der „Blätter für Gemälde-
kunde“ vorbereitet. *

AUS DER LITERATUR.

Arthur L. Jellinek: Internationale
Bibliographie der Kunstwissenschaft. Dritter
Band. Jahr 1904. Berlin, B. Behrs Verlag,
1907. 8'.

Die von Jellinek begonnene und von
Dr. Fröhlich fortgesetzte Arbeit dürfte sich
zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel aller
Kunst forschung gestalten, wenn die bisherige
Genauigkeit der Angaben beibehalten und das
Tempo des Erscheinens beschleunigt wird.
Die bisher ausgegebenen drei Bände sind mit
großer Sorgfalt gearbeitet und gewähren eine
nahezu erschöpfende Übersicht über die kunst-
wissenschaftliche Literatur der Jahre 1902,
1903 und 1904. Nun ein Aber! Man benötigt
zum Arbeiten gewöhnlich auch die neuere und
neueste Literatur. Diese von Fall zu Fall zu er-
mitteln und sich zu verschaffen, kann durch
nachhinkende Bände nicht ermöglicht werden.
Wer selbst arbeitet, muß eben auch selbst
Hunderte von Zeitschriften und Zeitungen
durchsuchen, wie sie eben erschienen sind.
Diesem Bedürfnis kommt wenigstens die Ab-
sicht der Verlagshandlung entgegen. Im Vor-
wort wird mitgeteilt, daß Band IV im nächsten
Sommer und Band V im Winter erscheinen
sollen. Dann wären ja die Bände den neuesten
Kunsterscheinungen hart auf den Fersen und
damit kann der ohnedies unverkennbare Wert
des ganzen Unternehmens nur gewinnen. Dem
ersten Herausgeber Jellinek ist vor kurzem
am 9. März durch den unerbittlichen Tod
sein bibliographisches Wirken abgeschnitten
worden. Möge die überlebenden Förderer des
nützlichen Werkes viel mehr Glück bei der
Fortführung begleiten, als es dem Gründer
zuteil geworden.

„Monatshefte der kunstwissen-
schaftlichen Literatur“, herausgegeben
von Dr. Ernst Jaffe und Dr. Curt Sachs.
Diese bibliographische Übersicht sorgt für

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