Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 179
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Nr. 9.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

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gens kaufte Marenzeller vieles im Auslande. In
Wien ist er als Käufer alter Bilder spätestens
1879 nachweisbar. Bei der Auktion Fruwirt
erwarb er einen Egbert v. d. Poel, der wohl
noch in der Sammlung vorhanden sein dürfte.
Ebenfalls 1879 wurden bei der Versteigerung
Strache Bilder erworben. Ein vorzüglicher
Jac. van Ruisdal Isaksz von 1660 soll aus
einer englischen Sammlung stammen, ein
kleiner Wynants aus einer französischen.
Mehrere ausgezeichnete C. Bega, ein kleiner,
monogrammierter Pieter Codde, einN.Maes
von 1655, ein A. v. Ostade, C. Dusart, zwei
Brekelenkam, ein J. M. Molenaer, Van
Goyen, Craesbeek, zwei Wynants bildeten
den Hauptstock der mit Geschmack und Kunst'
Verständnis zusammengetragenen Sammlung.
Wie ich während der Korrektur erfahre, ist
ein Teil der Sammlung schon heute verkauft.
— Am 28. Februar der Pariser Gelehrte
Matthias Duval, der Autor des „Precis de
l'anatomie k l’usage des artistes“, die große
Verbreitung gefunden hat. — Am 6. März
starb zu Cambridge der ehedem so beliebte
Tiermaler J. F. Herring. (The Daily News vom
7. März 1907.) — Am 9. März verschied im
32. Lebensjahre der Kunstschriftsteller Arthur
L. Jellinek, auf dessen Bibliographie der
Kunstwissenschaft in diesen Blättern wieder'
holt hingewiesen worden ist. — In jüngster
Zeit starben zu Paris der Maler Theodore
Weber (geb. 1838 zu Leipzig), ferner der
Großindustrielle M. Mühlbacher in Paris,
der Gemälde und Stiche gesammelt hat, zu
Reims der Sammler Henri Vasnier (L. j.
d. a. 6. März 1906), zu München am 14. März
der Maler Julius Naue im Alter von 72 Jahren.
(M. N. N. und Neue Freie Presse.)

DIE SAMMLUNG SALOMON
BENEDIKT GOLDSCHMIDT IN
FRANKFURT AM MAIN.

(Ein Nachruf.)

Die alte Kunststadt am Main hat in der
Geschichte des mitteleuropäischen Bilderhan-
dels ein Wörtchen mitzureden. Frankfurt gab
allerdings niemals den Ton an im Gemäldefach,
aber man weiß um ganze Reihen von nennens'
werten Sammlungen, die sich dort seit dem
17. Jahrhundert gebildet haben. Die älteren
darunter sind längst aufgelöst, wie die alte
Meriansche, später Jacob Heldewir gehörige
Sammlung, die im ersten Viertel des 18. Jahr'
hunderts verkauft worden ist.* *) In der Zeit

*) Der Katalog ist mitgeteilt in Hoets Sammlung,
II, S. 344 ff. Sie enthielt meist Bilder von Meistern

von 1663 auf 1664 war Monconys in Frank-
furt gewesen, wo er allerlei Gemälde gesehen
hat und eine Sammlung Chelekens und die
Neuvillesche erwähnt.*) In jüngeren Quellen
werden die Sammlungen Uffenbach, von
Loen, Carl von der Burg, von Uchell ge-
nannt**). Hüsgens Nachrichten von Frank-
furter Künstlern und Kunstsachen (1780) zählen
eine Menge von Frankfurter Gemäldebesitzern
auf, unterdenen auchEttling.Chandelle und
Goethe Vorkommen.***) Hüsgen selbst besaß
eine wertvolle Kunstsammlung.f) Goethes
Vater beschäftigte die Frankfurter Künstler,
wovon der Dichter selbst wiederholt erzählt
hat,-j-f) und in Goethes Hause stellte sich der
Königsleutnant Thoranc einen netten Ge-
mäldebesitz zusammen, fff)

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts machen
die Sammlungen Silberberg und Städel
von sich reden.$) „Herr Städel hat etliche
Zimmer, die mit Gemälden behängen sind,
worunter sich viel Gutes findet. Sehr sehens-
wert sind ein paar Zimmer, die Schütz der
Vater nach Zeichnungen seines Sohnes Franz
gemalt hat. Mir" (so schreibt Küttner) „waren
sie vorzüglich interessant, weil ich auf der
Stelle war, als Franz Schütz diese Zeichnungen
von dem Rheinfalle, den Borromäischen Inseln
etc. aufnahm.“ Ohne diesmal im mindesten
auf Einzelnes eingehen zu wollen, sei daran
erinnert, daß die Städelsche Sammlung durch
Vermächtnis für Frankfurt festgehalten wurde
und seit dem Tode des Besitzers in einer ge-
radezu glänzenden Weise ausgebaut worden
ist. Hierüber gibt die Einleitung zu Weiz-
säckers Katalog der Städelschen Galerie Aus-
kunft. Im Vorübergehen sei auch derPrehn-

mittleren Ranges, doch kommen auch gute Namen:
Dürer, Tizian, Palma, Teniers, Rembrandt, Rubens
u. a. m. im Verzeichnis vor, das sich nun freilich nicht
kritisch überprüfen läßt. Viele Namen sind verball-
hornt.

*) Voyages III, S. 160 ff.

**) Vgl. Neickel: Museographia (1727)1 S. 148 ff.

***) Hüsgen, S. 310 ff. Vgl. auch Gwinner: Kunst
und Künstler in Frankfurt (1862), S. 531 ff.

t) Hisching, Nachrichten (1789), III, S. 531 ff.

ff) Hiezu vor allem Goethes „Dichtung und
Wahrheit“ und „Kunstschätze am Rhein, Main und
Neckar 1814 und 1815“, Eitelberger: Gesammelte kunst-
historische Schriften, III, 223, Vollbehr: „Goethe und
die bildende Kunst“, F. Ewart: „Goethes Vater“,
J. Jung: „Goethes Briefwechsel mit Antonio Brentano“
(S. 53 zu Grambs).

+++) Martin Schubart: „Francois de Theas
Comte de Thoranc, Goethes Königsleutnant“ (1896).
In jüngster Zeit O. Heuer „Das Gemäldezimmer des
Königsleutnants“, ein Artikel in der Frankfurter
Zeitung vom 23. März 1907. Dort wird auch auf eine
Arbeit von Prof. Otto Donner-Richter hingewiesen,
die 1904 im Jahrbuch des Frankfurter Hochstiftes er-
schienen ist.

$) Vgl, Küttner: „Reisen“ (1799), IV, 524. Zur
Städelschen Stiftung vgl. hauptsächlich „Zeitschrift
für bildende Kunst“, XII (1877), S. 22 f„ und Wilhelm
Füßli: „Die wichtigsten Städte am Mittel- und Nieder-
rhein“ (1843), S. 128,
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