Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 69
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Nr. 4-

RLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

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Versammlung des Gesamtvereines der Ge-
schichts- und Altertumsvereine“ 1906).

Ein Artikel von Moriz Dreger über die
Spitzenausstellung im Österreichischen
Museum für Kunst und Industrie in Wien
(„Kunst und Kunsthandwerk“ 1906, S. 366 ff.)
bringt dankenswerte Erörterungen über die
Spitzen, die auf Gemälden dargestellt sind.

Zur Frage des punischen Wachses
neuerlich Keims „Technische Mitteilungen für
Malerei“ XXIII. Jahrg., Nr. 2 und 3.

RUNDSCHAU.

Amsterdam. Am 30. Oktober wird bei
Müller & Cie. das Atelier Rink versteigert,
das 55 Gemälde und 130 Aquarellstudien ent-
hält. Vornehm ausgestatteter Katalog. (Paul
Rink ist in jungen Jahren 1903 zu Amster-
dam verstorben. Er war ein vielversprechendes
großes Talent.)

Biberach. Anton Braith, der bekannte
Tiermaler, hat seiner Vaterstadt eine namhafte
Anzahl von Bildern vermacht, die jetzt in dem
neueröffneten Braith-Museum im alten
Spitalgebäude zu sehen sind. („Über Land und
Meer“ 1906, Nr. 51.)

Berlin. In Rudolph Lepkes Kunst-
auktionshaus wird am 16. Oktober eine Ver-
steigerung von Gemälden des 19. Jahrhunderts
abgehalten. Illustrierter Katalog.

Zu Cannes wird um die Jahreswende
die 5. Exposition internationale des beaux
arts abgehalten.

Colmar. Im Querschiff des Münsters
sind Reste von Wandmalereien aus dem
15. Jahrhundert vor kurzem aufgedeckt worden.
Soweit man unterscheiden kann, ist es eine
Passionsdarstellung mit vielen Figuren. Gegen
rechts ist das Tuch der Veronika ziemlich
deutlich zu sehen. Der Kunstmaler Heinrich
Ebel ist damit beschäftigt, Teile des Bildes zu
kopieren. Fr.

Cöln. Am 6. Oktober wurde im Licht-
hofe des Kunstgewerbemuseums die Aus-
stellung der Künstlervereinigung Stil
eröffnet. (Cölnische Zeitung, 9. Oktober 1906.)

Mantes-sur-Seine. Der Sammler M.
Duhamel hat der Stadt ein ganzes Museum
zum Geschenk gemacht und überdies eine
Jahresrente von 2000 Franken angewiesen zum
Ankauf von Bildern. (Chronique des arts et
de la curiosite, Nr. 28.)

München. Die Ausstellung der Sezes-
sion trägt internationalen Charakter. Neben
Münchener Malern, wie Alb. v. Keller, Fr. Stuck,
H. Zügel, Jul. Dietz, Schramm-Zittau, Hengeler,
L. Samberger, R. Riemerschmid u. a. haben

auch z. B. Bernard, Blanche, Cottet, A. de la
Gandera, Harrison aus Paris, Dill aus Karls-
ruhe, Kalkreuth aus Stuttgart, Hodler aus
Genf, Lavery aus London ausgestellt. — Die
große Jahresausstellung im Glaspalast
bietet im Verein mit den Münchener Bildern
der Sezession eine Art Übersicht über den
heutigen Stand der Malerei Bayerns. Im Glas-
palast kann der beobachtende Kunstfreund
die fruchtbare Tätigkeit der alten Garde von
der Künstlergenossenschaft ebenso beurteilen,
wie die Bestrebungen der stürmischen „Scholle“
und die einiger lebhafter Künstlernaturen aus
der „Luitpoldgruppe“. Neben den Münchenern
stellten unter anderen, auch einige Berliner,
Düsseldorfer, Karlsruher, aber nur wenige
außerdeutsche Künstlergenossenschaften aus.
In technischer Beziehung, wie in der Kunst-
richtung ist mannigfache Abwechslung zu be-
merken : Ölfarbe, verschiedene Tempera, Harz-
färben und allerlei Griffelkünste. Nur wenige
Feinmalerei; um so häufiger breite Pinsel-
führung. Bezüglich der Auffassung herrscht
im Glaspalast noch immer der Realismus, die
eindrucksgetreue Wiedergabe der Natur vor.
Immerhin nimmt auch stilvolle Vereinfachung
schon einen breiten Platz ein. Die große Histo-
rienschwarte ist so ziemlich abgetan. Das
kleine Sittenbild tritt zurück und lebt nur
noch in einigen guten Vertretern weiter. Viel
eigenartige Erfindung macht sich geltend.
Nicht selten ist ein gewisses Archaisieren, ein
Anknüpfen an alte Meister, z. B. an die Maler
der florentinischen Frührenaissance. Boecklins
Nachwirkung ist bemerkbar. Für die Kunst-
geschichte ist die rückblickende Abteilung
von Bedeutung, die manches versteckte Bild
aus Privatbesitz hervorgeholt hat. Edlinger,
Kellerhoven, Stieler, W. v. Kaulbach, M. v.
Schwind, die Hess, Adam, dann noch Wagen-
bauer, die Dorner, W. v. Kobeil, Bürkel, Spitz-
weg sind besonders berücksichtigt. In
jüngster Zeit, am 29. September hat auch der
Münchener Kunstverein eine rückblickende
Ausstellung eröffnet. Die Galerie Heine-
mann bietet augenblicklich viele Lenbach;
darunter ein Bismarck in Halbfigur und ein
Graf Lanckoroiisky in Brustbild, Werke von
Stuck, Defregger, L. v. Zumbusch,E. Liebiedzki,
H. Thoma (von diesem ist eine stilvolle Land-
schaft im Katalog abgebildet) und vielen
anderen. Unter den älteren Gemälden der
Galerie Heinemann fiel mir besonders ein
vorzügliches Gruppenbild von Raeburn auf.
Vom 1. bis 31. Oktober wird im Kunstsalon
Wimmer eine Hodlerausstellung statt-
finden. — Am 22. Oktober und an den folgen-
den Tagen wird in der Galerie Helbing die
Kupferstichsammlung A. W. Heymel ver-
steigert.
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