Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 94
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bl_gemaeldekunde1906_1907/0122
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
94

Nr. 6.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

schauer ausgebreitet haben und wie in
neuer Zeit etwa ein Claus Meyer seine
Geräte und Gefäße ins Bild setzt. Durch
diese augenscheinliche Gewissenhaftig'
keit in der Widergabe der Einzelheiten
gewinnt Manuels Lukasbild, wie mir
scheinen will, eine besondere Bedeutung
für die Gemäldekunde.

EIN MONOGRAMMIERTES
WERK DES ADRIAEN THO
MASZ KEY.

Unbekannte niederländische Bild'
nisse aus der zweiten Hälfte des 16. Jahr'
hunderts sind nichts Seltenes. Sogar
gute Proben schieben sich noch heute
in den Versteigerungen und im kleinen
versteckten Kunsthandel umher, Por'
träte, von denen niemand sagen kann,
wen sie darstellen, von denen niemand
weiß, wer sie gemalt hat. Die besseren
werden gewöhnlich in die Pourbus'
familie gewiesen, oder auf Anton Moor
getauft. Hie und da treten auch die
Namen Floris und Key auf. Leider
wenden dreiste Naturen diese bedeuten'
den Namen auch für geringwertiges Zeug
an, das man doch lieber unbenannt
lassen sollte. Signierte niederländische
Bildnisse aus der angegebenen Zeit sind
dagegen gesucht, geschätzt, hoch be'
wertet, weil ziemlich selten. Bilden sie
doch gewöhnlich eine willkommene
Beihilfe für die Beurteilung der hoch
entwickelten, kernigen Porträtmalerei
in den Niederlanden von etwa 1550 bis
gegen 1600. Ein derlei Bild, durchs
Künstlerzeichen beglaubigt, wird nun
in Abbildung vorgeführt und in weni'
gen Zeilen besprochen.

Freudig war ich vor einiger Zeit
überrascht, in dem erwähnten Gemälde
einen alten Bekannten wiederzufinden,
eine mir liebgewordene Gestalt aus der
Reihe der sicher benannten Werke von
Bildnismalern des späten 16. Jahr'

hunderts. Ich hatte das Bild im Frühling
1897 in Venedig gesehen, wo es mir
als Franz Pourbus vorgewiesen wurde.
Eine allgemeine Verwandtschaft ver'
bindet es wohl mit den Pourbus, aber
beim genaueren Anschauen fand ich das
Monogramm des AdriaenThomasz
Key darauf, eine Verbindung von
A, T und K, die in dem gegebenen Zu'
sammenhange keine andere Deutung
zuläßt. Denn das vorliegende Bildnis
paßt in jedem Zuge zu den Altarflügeln
der Antwerpener Galerie aus dem'
selben Jahre, zu den Bildern, die SO'
wohl das erwähnte Handzeichen,
als auch den vollen Namen des
Malers auf weisen. Das abgebildete
Porträt, das ich in Venedig kennen ge'
lernt habe, befand sich 1897 beim öster'
reichischen Konsul Baron Karl von
Krauß. In einer kurzen Notiz der
„Weltpost“ (1897, S. 88) machte ich den
Fund bekannt.*) Es freute mich, nach
Jahren das Bild wiederzusehen, das, in
der Familie vererbt, jetzt der Baronin
Hel ene von Krauß in Wien gehört.
Der genannten Dame verdanke ich die
Erlaubnis zur Abbildung des bedeut'
samen Stückes.

Der Netzdruck läßt erkennen,
daß der Firnis des Gemäldes gelitten

*) Spätere eigene Bemerkungen zu diesem
Bilde in meiner Geschichte der Wiener
Gemäldesammlungen I, S. 480; dort auch
weiteres über die Maler Key. Von Adriaen
Thomasz Key sind höchstwahrscheinlich auch
die Bildnisse Wilhelms I. von Nassau-Oranien
in Kassel (Nr. 22 des EisenmannschenKataloges.
Dort noch als Floris; später von Eisenmann
selbst dem A. T. Key gegeben) und im Haag
(dort schon als A. T. Key) ferner Nr. 661 der
Münchener Pinakothek (ein Bildnis, das Wil'
heim Schmidt als Werk dieses Key nachge^
wiesen hat). Das monogrammierte Bildnis der
Wiener Galerie hat Unglück gehabt und
ist mangelhaft erhalten. — Das Bildnis bei
Baronin Krauß mißt - 45-5 X 36'5 cm unc* *st
auf Eichenholz gemalt, die Kehrseite behobelt
und mit Rost versehen. — Im Ryksmuseum
zum Amsterdam dem A. T. Key mit Recht
zugeschrieben Nr. 1336.
loading ...