Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 83
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Nr. 5.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

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und hat danach die erschaute Szene auf
dieLeinwand gebracht. Im großenKatalog
der Schweriner Galerie von Fr. Schlie
steht das Bild noch als Werk eines
holländischen Meisters um 1662 be-
schrieben (Nr. 491). Eine Zeitlang galt
es als Werk des W. Koolen, bis end-
lieh das Zeichen des Beelt zutage kam.

Bilder des K. Beelt werden auch
bei Lafenestre „La Hollande“ erwähnt,
unter anderen eines im Besitze des
Direktors Bredius.

ZU JOHANN WILHELM BAUR.

Der tüchtige Miniaturmaler Johann Wil-
heim Baur wäre ein Künstler, dem junge
Forscher ihr Augenmerk zuwenden sollten.
Er verbindet westdeutsche Kunst mit Italien,
mit Österreich, ist nicht allzu schwer zu er'
kennen und steht mit seinen Werken auf
einer Stufe, die eingehendes Studium wohl
lohnte. In diesem Sinne äußerte ich mich
schon in der „Geschichte der Wiener Gemälde-
Sammlungen“ (I, S. 19 f.), wo auch die wich-
tigste Literatur genannt und des zusammen-
fassenden Artikels in Jul. Meyers Künstler-
lexikon gedacht ist. Zwei Bildchen in der
Wiener Akademie fanden in demselben Werke
noch später Erwähnung (IV. Kapitel, S. 130).
Was ich damals noch nicht kannte, soll mit
wenigen Worten in den Blättern für Gemälde-
kunde nachgetragen werden: einige lose Zeich-
nungen und ein ganzes Skizzenbuch imKupfer-
stichkabinett des Straßburger Museums
und eine Gouachemalerei im Palais des Prinzen
Philipp von Coburg in Wien. Die Deck-
farbenmalerei im Palais Coburg ist ein kleines
Breitbild mit vielen Figuren, das ziemlich
sicher die Findung des Schleiers durch
Leopold den Heiligen darstellt. Das hängt
offenbar mit Baurs Aufenthalt in Wien zu-
sammen, wo er doch die Schleiergeschichte
von der Gründung des nahen Klosterneuburg
erfahren haben muß. Das Bildchen ist, wie
ich rasch notiert habe, signiert und datiert:
„Wilh Baur pinxitt 1638“.

Auf das Skizzenbuch Baurs, das sich
erst seit einigen Jahren im Besitz des Straß-
burger Museums befindet und das noch nicht
ausgestellt ist, machte mich Herr Direktor
Dr. Ad. Seyboth gütigst aufmerksam. Der
Band enthält eingeklebte Zeichnungen ver-
schiedener Art, manche von nicht geringem
Interesse. Die erste stellt Orpheus in einer

Landschaft dar. Dieses Blatt ist datiert:
„Rom: 1637 den 23 Augustus“ und hilft uns
durch diesen Vermerk, den Aufenthalt des
Künstlers in Rom genauer abzugrenzen, als
es bisher möglich war. Aus der römischen
Zeit stammt auch eines der ausgelegten Blätter,
das, vom Rande ein klein wenig überschnitten,
die Signatur und Datierung aufweist:

„Johan Wilhelm
baur Von strassbu
fecit in roma 1633“

Schließlich noch die Bemerkung, daß der
Johann Wilhelm Baur, der im Katalog
Birckenstock (1811) mehrmals vorkommt, ein
anderer Künstler gleichen Namens ist, der um
1800 tätig war. Wenigstens bei einer Nummer,
bei 237, ist ein Zusammenhang mit Mengs
gegeben, wodurch also unser alter Straß-
burger Baur für diese Nummer ausgeschlossen
wird. Wahrscheinlich sind dann die anderen
Nummern des Kataloges Birckenstock eben-
falls von diesem späten Maler J. W. Baur,
und ich berichtige danach den Hinweis in
meiner Geschichte der Wiener Gemäldesamm-
lungen (I, S. 20, Anmerkung).

ZU JAN GOEDAERT.

(Statt einer Antwort im Briefkasten.)

Die fürstlich Liechtensteinsche Galerie
zu Wien enthält neben den unschätzbaren,
viel gerühmten Perlen von der Hand großer
Italiener, Vlaamen und Holländer auch eine
Reihe von Werken, bei denen das kunst-
geschichtliche Interesse über die ästhetische
Bedeutung vielleicht das Übergewicht hat. Sie
sind ja auch von der Literatur beachtet,
wenngleich nicht immer in genügendem Grade.
Einige Landschaften um 1600 gehören zu den
wichtigen Materialien der Geschichte der Malerei.
Wer wollte z. B. die beiden G. van Coninx-
loo in der Kunstgeschichte missen, das ältere
Bild von 1598 und das jüngere von 1604! Das
sind zwei Werke, zwischen die das Bild in
Graz von 1600 so glatt hineinpaßt, wie ein
Stein aus einem wohl zugeschnittenen Zu-
sammenlegspiel. Keirincx, R. Savery sind dort
zu studieren, die Meister, die mit Coninxloo
und Vinckboons südniederländische Weise in
die holländische Landschaftsmalerei verpflanzt
haben. Nur David Vinckboons fehlt dort. Das
Bild, das im Falkeschen Katalog von 1885
(Nr. 752) als Vinckboons mit berechtigtem
Fragezeichen verzeichnet steht, nähert sich
vielmehr dem späten Stil des Paul Bril. Die
Figuren sind wohl um 1700 erst beigefügt
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