Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

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Nr. 4.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

1518 anläßlich des Reichstages zu Augs-
bürg sicher zusammenkam, da ja beide
für denselben Herrn arbeiteten.

Literatur.

Waagen, Geschichte der Malerei I„ S. 194.

— Lotz, Kunsttopographie Deutschlands (1863).

— Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei,
S. 400 Anm. — Jahrbücher für Kunstwissen-
schaft: Dr. A. v. Zahn, Bd. I, 1868, S. 21; Dr. A.
v. Zahn, ebenda: Thausing, S. 183; Dr. A.
v. Zahn, Bd. II, Thausing, S. 181. — Franz
v. Reber, Geschichte der Malerei, S. 249. —
Therey, Baidung Grün, Heitz, Straßburg. —
Pföttinger, Hans Weiditz, Heitz, Straßburg. —
Wernigke, Separatabdruck der Zeitschrift für
christliche Kunst. — Lange Fuße, Dürer. —
Koelitz, Hans Sueß v. Kulmbach, Leipzig,
Seemann.

ZUR FARBENDRUCKTAFEL
NACH DEM ALTITALIENL
SCHEN BILDE DER SAMM-
LUNG FIGDOR.

Das Gemälde mit dem Bischof in
seiner Schreibstube, das aus der Wiener
Sammlung Figdor als Beilage des vor-
liegenden Heftes abgebildet wird, ist
durch Photographien und durch eine
kleine Abbildung in meinen Galerie-
studien (Neue Folge, IV. Lieferung)
längst bekannt. Auch dürfte das inter-
essante Bildchen ohnedies den meisten
Besuchern der Sammlung schon lange
aufgefallen sein durch seinen Reichtum
an kulturgeschichtlich bemerkenswerten
Einzelheiten, nicht zuletzt durch die
verhältnismäßig alte Darstellung einer
Brille.*) Der Innenraum mit dem Bischof

*) Die Erfindung der eigentlichen Brille
wird auf Salvino d’Armato (gestorben 1317)
oder auf Alessandro della Spina (gestorben
1313) zurückgeführt. Vorstufen der Erfindung
sind schon viele Jahrhunderte früher zu ver-
zeichnen. Vgl. Emil Bock: Die Brille und ihre
Geschichte (1903). Zum Alter geschliffener Gläser
ist beachtenswert die Literatur, die bei F. G.
Cremer in den „Untersuchungen über den
Beginn der Ölmalerei“ (1899, S. i9iff.) zu-
sammengestellt ist.

inmitten seiner Bücher und Schreib-
sachen hat etwas Intimes, für viele An-
heimelndes. Aus welcher Zeit und Schule
stammt nun wohl das Bildchen? Den
Maler haben wir gewiß in Italien, ver-
mutlich in Siena um 1400 mit weiten
Grenzen zu suchen. Eine bestimmtere
Einreihung nach Zeit und Urheber fällt
nicht leicht. Die Kunst Duccios klingt
darin noch an; ein Nachklang ist das
freilich von stark veränderter Tönung.
Ein wenig dachte ich eine Zeitlang an
Pietro Lorenzetti, Ambruogios Bruder.
Die Stilverwandtschaft mit dem freilich
nicht beglaubigten, früher sogar dem
Buffalmacco zugeschriebenen Altar der
Seligen Humilitas brachte mich darauf.
Die Bestandteile dieses Altars werden
in der Accademia zu Florenz und im
Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin be-
wahrt. Etwas weniger deutlich sind aber
die Stilbeziehungen zu einigen sicheren
Werken des Meisters in Siena und zum
signierten Diptychon des Pietro Loren-
zetti in der Galerie zu Sächsisch-Alten-
burg (Nr. 47 und 48 des Katalogs von
Schmarsow), zu Bildern, die allerdings
in der Reihe der Arbeiten unseres Künst-
lers zumeist früher angesetzt werden
müssen, als der Humilitasaltar. Urkund-
liche Erwähnungen, die auf Pietro Loren-
zetti bezogen werden, reichen von 1309
bis 1355. Der Künstler sei 1379 gestorben.
Der lange Lebenslauf bedingte gewiß
mehrere Stilwandlungen. Pietro Loren-
zetti ist übrigens kaum der wirkliche
Urheber des Bischofsbildes, wie sehr
auch seine Weise darin anklingt, und
es wird von mehreren Seiten, unter
anderen vom Grafen Malaguzzi-Valeri
und von P. Toesca, sowie von Douglas
mündlich auf spätere sienesische Meister
hingewiesen. Douglas nannte den Gio-
vanni di Paolo (etwa 1403 bis 1482)
und auch Toesca anerkannte gewisse
Analogien mit diesem Nachzügler der
sienesischen Trecentokunst. Ich möchte
das Bildchen nicht gerade auf einen be-
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