Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

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Nr. 4-

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

stimmten Namen beziehen und auch
die Zeitgrenzen für die Entstehung nicht
allzu enge abstecken. Wie sehr auch
das Studium der Malerei des Trecento
und des frühen Quattrocento während
der jüngsten Jahrzehnte gefördert worden
ist, z. B. durch Thode und seine Schule,
C. Ricci, Rothes, Douglas, Siren, Toesca,
C. Chtedowski, Louise M. Richter,
L. Borghesi, L. Bianchi und noch an-
dere *), die den Gesichtskreis der Crowe
und Cavalcaselle wesentlich ausgedehnt
haben, so kann man sich doch in
manchen Fällen schwer zu einer be-
stimmten Benennung entschließen. So
auch beim Bischofsbilde der Sammlung
Figdor. Ich begnüge mich mit einer
allgemeinen Einreihung in die sienesi-
sche Malerei um 1400 und den Hinweis
auf die Nachfolge des Pietro Lorenzetti.

Den weiten Schritt zu dem archai-
sierenden Quattrocentisten Giovanni
di Paolo könnte man nur wagen,
wenn man Fälle wie etwa die Nach-
ahmung des Ambrogio Lorenzetti durch
Giovanni di Paolo in dem Bilde mit
der Darstellung im Tempel besonders
betonen wollte. Toesca hat vor einigen
Jahren im „L’arte“ über den Fall be-
richtet (VII, S. 303 ff.). Giovanni di
Paolos Zeit wäre allerdings die äußerste
Grenze, bis zu der man sich herauf-
wagen dürfte. Denn späterhin erhält die
sienesische Kunst einen ganz anderen
Charakter.

Nach den Lisenenstreifen an der
Seite zu schließen, ist das Bild ein
Bruchstück, und zwar das Fragment
eines größeren Gemäldes oder einer
Bilderreihe, welche zum mindesten etwa
dreimal so breit war, als das vorliegende
erhaltene Stück. Man ergänzt sich im
Geiste links und rechts entweder noch

*) In bezug auf eine eingehende Biblio-
graphie verweise ich auf Rothes: „Die Blüte-
zeit der Sieneser Malerei“ (1904; Anhang S. 135 ff.)
und auf die einleitenden Abschnitte bei Cas.
Chl?dowski „Siena“ (1905, I, S. VII bis XIV).

je eine Darstellung von derselben Größe,
oder einerseits eine, anderseits zwei
gleichgroße Stücke. Das Ganze mag
einmal die Predelle eines Altarwerkes
gewesen sein ungefähr von der Form,
wie die Staffel eines Altars im Museum
zu Matelica, den C. Ricci im „Emporium“
(Heft 134, S. 105) abgebildet hat. Die
Abmessungen des Bildchens in der
Sammlung Figdor betragen o*47Xo’37.
Danach wäre die Predelle etwa i'40 bis
i'8o breit und 0^37 hoch gewesen.

Bezüglich der Malweise läßt sich
nach dem Augenschein mit ziemlicher
Sicherheit behaupten, daß wir ein Werk
mittelalterlicher Tempera vor uns haben,
das ungefähr in derselben Weise her-
gestellt ist, wie sie von Cennino Cen-
nini geschildert wird. Als äußerliche
Merkmale wären noch zu erwähnen:
das leichte, weiche, dicke Brett mit
etwas echtem, altem Wurmstich. In
neuerer Zeit ist es auf der Kehrseite
braun überstrichen und mit einem Rost
versehen worden. Die Abmessungen be-
tragen o-47X°'37-

Als Vorbesitzer wird mir Th. Schiff
in Paris genannt. Fr.

BEMERKUNGEN ZU CORREGGIO.

Die bisherige Literatur über Antonio
Allegri, den kurzlebigen, aber heftig und rasch
hervorbringenden Liebling der Grazien, hat
sich zumeist mit der Lebensgeschichte des
Meisters, mit der Umgrenzung seines Schaffens,
mit der Ausschrotung ästhetischer Eindrücke
abgegeben. Nur selten finden sich Ausblicke
auf seine Technik, wie z. B. schon bei A. R.
Mengs in den gesammelten Schriften, bei
H. v. Tschudi in den Graphischen Künsten
(Bd. II) und hie und da in der besonderen
Literatur über Gemäldekunde, wie bei H. Lud-
wig, Horsin Deon und anderen.

Einige Worte über teilweise neue Beob-
achtungen technischer Natur an den Correggios
in der Königlichen Galerie zu Parma
mögen also manchem Bilderfreunde will-
kommen sein. Eine Abbildung der Madonna
della scodella begleite meine Erörterungen,
die sogleich an dieses Wunder reifer Ölmalerei
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