Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 4.

Stechern und Lithographen, von denen er
Gemälde aus seiner Sammlung nachbilden ließ.
Ich nenne nur Benedetti, K. Post, Fr. Stöber,
E. F. Leybold, Passini, F. Herr. Der letzte
Katalog von 1868 verzeichnet 1x1 Gemälde und
eine Zeichnung. Am 9. Dezember 1867 starb
Rudolf von Arthaber. Die Sammlung wurde
1868 durch Kaeser in Wien versteigert. Einige
Angaben hierüber zu finden im Repertorium
für Kunstwissenschaft XV, S. 185, in Lützows
Kunstchronik III, S. 48, 78, 109, 125 ff., 138,
in den Wiener Tagesblättern vom April 1868,
in Lausers Kunstchronik 1885, S. 31 f.

Als Beispiele von Bildern, die aus Art'
habers Galerie in öffentliche Sammlungen
übergegangen sind, nenne ich Ihnen K. Rott-
mann: Kopaissee im Leipziger Museum, eben-
dort August von Bayer: Trinitarierkloster,
Peter Heß: Entenjagd im Moor, C. F. Lessing:
Deutsche Gebirgsgegend (1847). Lessings Kloster-
brand war eine zeitlang im Besitz des regie-
renden Fürsten v. u. z. Liechtenstein und ge-
hört jetzt der Dresdener Galerie. In die Wiener
Kaiserliche Galerie gelangten zum Teil auf
dem Umwege über die Galerie Ölzelt: Dan-
hauser: Der Prasser, und desselben Kloster-
suppe, Gauermann: Die Schmiede, Führich:
Gang Mariens übers Gebirge, und Jakob und
Rahel, Kupelwieser: Das Gebet des Moses.

Bei der Versteigerung, deren Käuferliste
und Preise bekannt sind, kam manches an
Baron Springer, an Sarg, Cramolini, Baron
Todesco, Dumba, Bühlmeyer, Ahrens, Bösch,
Wasserburger, Klinkosch, vieles an Ölzelt
und noch mehr an Wiener und außerwiener-
ische Händler, auch an Lepke in Berlin. Schon
lange vor der Versteigerung war eine kleine
Anzahl guter Bilder an Franz Xav. Meyer in
Wien abgegeben worden, und zwar zwei
Waldmüller, ein Fendi und ein EybI. Das
Städelsche Institut in Frankfurt am Main be-
sitzt ein Frühwerk von Friedrich Gauermann,
das aus Arthabers Galerie stammt, nicht im
Versteigerungsverzeichnis vorkommt und wohl
schon vorher abgegeben worden ist.

Die ganze Galerie war 1866 im Öster-
reichischen Kunstverein ausgestellt oder sollte
dort ausgestellt werden, wo man schon 1850
und 1856 zahlreiche Bilder aus der Arthaber-
schen Sammlung hatte sehen können. Nach
Möglichkeit teile ich in der Beilage

alles ausführlich mit. Heute möge Ihnen
angedeutet sein, daß ich die biographischen
Angaben über Arthaber einer Broschüre von
Moritz König, den gesammelten Schriften von
R. v. Eitelberger und dem Werke vonFranzens-
huld entnehme. Das übrige stammt aus Kunst-
zeitschriften und aus den weiter obgenannten
Quellen. 1881 erfuhr ich einiges über die
Sammlung gesprächsweise durch Arthabers
Sohn. Auch wurden handschriftliche Eintra-
gungen von König benützt. In jüngster Zeit
schrieb Dr. Gustav v. Arthaber, ein Enkel
des Sammlers, in einer Zeitschrift über das
Leben R. v. Arthabers. Manches findet sich
in A. v. Perger: Kunstschätze Wiens. Auf
Arthabers Wirken für den Österreichischen
Kunstverein nimmt Bezug meine Geschichte
der Wiener Gemäldesammlungen.

BRIEFKASTEN.

-Die Zeichnung E. v. Steinles aus Stift

Neuburg am Neckar wird Ihnen anbei abgebildet,
da Ihnen die Literatur über diesen Künstler nur zum
Teil zugänglich ist. Die Nachbildung geschieht mit
Erlaubnis der Firma Friedrich Bruckmann. In
Bruckmanns Verlag ist sie vor Jahren in dem Album
veröffentlicht worden, das zahlreiche Meisterwerke
des Stifts Neuburg im Besitze des Freiherrn von
Bernus bekannt machte. — Bezüglich A. L. Richters
Zeichnung in der Sammlung H. erbitte ich Ihre Geduld.

— • — Trouillebert hieß mit dem Vornamen
Paul Desire. Ich habe diese Namen schon ins Register
des zweiten Bandes einschieben lassen.

Mme. R. . . Der Mann ist von einer geradewegs
leonidenhaften Unzuverlässigkeit. Bitte, versuchen Sie
es mit einer neuerlichen Frage.

Fr. P ... in W. Die Behauptung: „Die Farbe
in der Baukunst wieder in die ihrer Wichtigkeit ent-
sprechende Rolle eingesetzt zu haben, ist eines der
wertvollsten Ergebnisse der modernen Stilbewegung"
ist falsch, wenigstens zum Teil übertrieben. Sie werden
nur einer Erinnerung an Semper und Hansen bedürfen,
um sich an die Vorstufen der Bewegung zugunsten
der Farbigkeit zu erinnern. Die Vorzüge und Mängel
der neuen Bewegungen lassen sich nicht in ein Schlag-
wort zusammendrängen,

... Ein signiertes, mit 1882 datiertes Kinder-
bildnis, überlebensgroßer Oberkörper, halb von Wolken
verhüllt, eines der merkwürdigsten Werke von Len-
bach, befindet sich bei Exzellenz Klepsch-Rhoden in
Wien. Dort auch ein Lenbachsches Pastell, welches
dasselbe Kind darstellt, nach meiner Erinnerung in
ungefähr derselben Stellung, aber mit etwas anderem
Blick, Sie müssen diese Lenbachs selbst ansehen.

Frl. M . d .., in P. Darf ich Sie auf die gewiß
sehr interessante Darstellung eines Luftballons
aufmerksam machen, die Francesco Guar di gemalt
hat? Das Bild kam 1901 durch den Kaiser Friedrich-
Museum-Vercin nach Berlin (dort als Nr. 501 E aus-
gestellt).

Die Führungen durch einige Wiener Galerien beginnen am Donnerstag den
25. Oktober. Gewöhnlich sollen die Galeriebesuche an Mittwochen oder Donners-
tagen während der hellsten Tagesstunden stattfinden. Eintrittskarten in Kehlen-
- - - dorfers Zentralkartenbureau I., Krugerstraße 3. - - -

Druck von Friedrich Jasper in Wien. — Preis dieses Heftes i K 20 h = 1 M.

Klischees von der Graphischen Union. — Für unverlangte Beiträge wird keine Bürgschaft geleistet.
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