Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 7.

steht der Eyckschen Kunst das übel
zugerichtete Bild der ,Ecclesia“.“ Eine
reifere Kunst tritt uns in dem Bild des
Straßburger Museums entgegen, das
wohl eine eigenhändige Arbeit ist, wo'
gegen die Flügel des Baseler Altar-
werkes entweder Gehilfenarbeiten sind
oder viel früher fallen als das Straß-
burger Werk. Mir will scheinen, daß
Konrad Witz nur recht uneigentlich
der künstlerischen Nachkommenschaft
der Van Eycks beizuzählen sei, daß
man aber bei Hans, das ist beim älteren,
in seiner Kunst uns noch ganz unklaren
Witz einen Zusammenhang mit den
großen Hauptmeistern der altflandrischen
Malerei wird annehmen müssen.

Burckhardt erwähnt im Vorüber-
gehen auch ein Konrad Witzsches Bild
im Besitz des Grafen HansWilczekauf
Schloß Kreuzenstein in Niederöster-
reich. Dieses Bild wurde dann durch
R. Stiaßny im Jahrbuch der könig-
lich preußischen Kunstsammlungen
(Bd. XXVII, S. 285) beschrieben. Es
gehört ziemlich wahrscheinlich zu dem-
selben Altarwerk, von dem Bestand-
teile in Basel und auf Schloß Wilden-
stein (Baselland) erhalten sind. In ganz
altertümlicher Weise sind auf dem
Bilde die Königin von Saba und Salo-
mon dargestellt.

Noch einige Bemerkungen. Sie
beziehen sich nicht unmittelbar auf die
Maler Witz, sondern zielen im allge-
meinen auf Werke ihrer Zeit hin, die
mit den Konstanzer Konzilmalern Zu-
sammenhängen. In der Grazer Ga-
lerie befindet sich eine alte bedeutende
Kopie nach einem Bildnis des „Thomes
Reuß. D. 1414 Im Concilio“.*) Ferner
sieht man in derselben Sammlung das
Bildnis der Gertrud Reuß, das auf ein
Original von 1394 zurückgeht. Endlich

*) Erwähnt in meiner Geschichte der
Wiener Gemäldesammlungen, S. 18 ff., als
alter Lambergscher Besitz. Vgl. auch Blätter
für Gemäldekunde, Bd. III, Heft 1.

gesellt sich zu den genannten Bildnissen
noch das Schiltherporträt wieder aus
dem Jahre 1394 in der Sammlung der
Wiener Akademie. Wenngleich man
keines dieser Bilder im Original nach-
weisen kann, sind die alten Kopien
doch so interessant, daß man sie ge-
legentlich in die Arbeiten über die
Konstanzer Konzilmaler, namentlich
über die beiden Witz mit einbeziehen
sollte. Die Inschrift des einen dieser
Bilder weist doch ganz deutlich auf die
Kirchenversammlung zu Konstanz hin.

DER MONOGRAMMIERTE
ANDRIES BOTH IN DER
AUGSBURGER GALERIE.

Sogleich das erste Heft der Blätter
für Gemäldekunde hat sich mit Andries
Both beschäftigt. Unter anderem wurde
dort auch die Vermutung geäußert, daß
ein Bild in der Augsburger Galerie, das
als Benjamin Cuyp geführt wird, eine
Arbeit des Andries Both sei. Einige
Jahre sind seither verstrichen. Ich hatte
Gelegenheit, das Bild mehrmals wieder-
zusehen, und, was zur heutigen Ver-
öffentlichung Anlaß gibt, es ist vor
kurzem eine Photographie nach dem
fraglichen Bilde durch die Firma Hoefle
in Augsburg hergestellt worden. (Neben-
stehend die Abbildung.) Das echte Mo-
nogramm vorne an der Stufe, wieder-
holt genau geprüft, kann unmöglich
auf Benjamin Cuyp bezogen werden,
da es aus A und B zusammengesetzt
ist. Die Typen der Gestalten und Ge-
sichter weisen schnurstracks auf Andries
Both, dessen eigenartige Pinselführung
und Farbengebung gleichfalls auf dem
Gemälde wiederkehren. Die Färbung
ist viel wärmer als bei Benjamin Cuyp,
dessen fahle, weißlichgelbe Töne auf
der vorliegenden Leinwand gänzlich
mangeln. Die Fläche des Gemäldes möge
man sich roi X °'77 m vorstellen.
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