Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

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Nr. 3.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

von J. Reynolds aus der Sammlung Louis
Cahen d’Anvers (Text von Maurice Tourneux).
Weitere Artikel behandeln: „Un portrait
de Madame de Grignan“, „Un coin de la vieille
Alsace“, die „Exposition generale d’art pro-
vengal ä Marseille“ und zwei Bücherbespre-
chungen. Der erwähnten Lieferung ist auch eine
Originalradierung von Charles Cottet bei'
gegeben.

„Kunst und Künstler“ (Berlin, Bruno
Cassirer) hält beim Heft XI des VI. Jahrganges
und brachte jüngst eine Studie von Karl Scheff-
ler über Anselm Feuerbach, einen Artikel von
Ed. Kolloff: Rembrandts Kolorit und Farben'
technik, neben Aufsätzen über den Bildhauer
Aristide Maillol, über die dritte deutsche Kunst'
gewerbeausstellung in Dresden und einer reich'
haltigen Chronik.

Die „Rassegna d'arte“ (geleitet durch
Guido Cagnola und Francesco Malaguzzi-Va-
leri) enthält in Heft 8 des VI. Jahrganges
(Augustheft 1906) einen Artikel von G. Frizzoni
über Palma Vecchio, ferner von F. Mason:
Perkins Bemerkungen zu einigen Bildern des
„Museo Cristiano“ im Vatikan. Endlich Notizen
über Valtellinesische Kunst von Malaguzzi-
Valeri, über einen PseudO'Cimabue von Peleo
Bacci und (auf dem Umschlag) eine Biblio'
graphie.

Die jüngsten Hefte der Zeitschrift „Die
Kunst für Alle“ (München, Verlagsanstalt F.
Bruckmann A. G., Herausgeber F. Schwartz)
enthalten neben zahlreichen kleinen Mittei'
lungen eine reich illustrierte Studie über Gott'
hardt Kuehl von Max Morold, einen Artikel:
Popularisierung der Kunst von Anton Kisa,
weitere über die Ausstellung des Künstler'
bundes Scholle von Fritz v. Ostini, über An-
selm Feuerbach von Ed. Heyck, über „Die
Kunst auf der bayrischen Jubiläums-Landes-
ausstellung in Nürnberg“ von Th. Hampe und
über den neuen Cranach des Städelschen In-
stitutes.

In den Monatsheften der kunstwis-
senschaftlichen Literatur, unter Mitwir-
kung vieler Kunstgelehrten herausgegeben von
Dr. Ernst Jaffe und Dr. Curt Sachs, finden
sich Besprechungen von Werner Weisbach:
Der junge Dürer (durch Max Friedländer), von
R. Wustmann: Albrecht Dürer (durch Christ.
Rauch), Karl Voll: Die altniederländische Ma-
lerei von Jan van Eyck bis Memling (durch
Franz Dülberg) und von vielen anderen Bü-
chern. Reichliche bibliographische Notizen be-
gleiten jedes Heft. Das dankenswerte Unter-
nehmen ist beim 7. Heft des II. Jahrganges
angelangt.

ZU RAFFAELS MADONNA PIC-
COLA GONZAGA.

1887 war ohne Autornamen auf dem
Titelblatte ein kleines Buch erschienen „La
petite Sainte-Famille du Louvre et le tableau
original de la petite Sainte-Famille par Ra-
phael“ (Paris, Imprimerie D. Dumoulin et Cie.,
Rue des Grands-Augustins 5). Unter dem Wid-
mungsbriefe ist Felix Notte unterschrieben.
Das Büchlein ging auf die kleine heilige Fa-
milie im Louvre ein, die niemand für ein
vollständig eigenhändiges Werk des Raffael
hinnehmen kann, auf den Stich des Caraglio
nach derselben Komposition, auf eine alte
Kopie in Düsseldorf bei Schreiner und auf
ein vorzügliches Gemälde in der Sammlung
Roussel, damals im Chateau de L’Isle Adam
(Seine & Oise). Das letztgenannte Bild sollte
das Original sein. Auch die ältere Literatur
wurde berücksichtigt.

1892 und 1896 erschienen von X**** (ohne
Zweifel wieder von Notte) neue Bearbeitungen
desselben Themas, die es als ziemlich wahr-
scheinlich, oder wenigstens als möglich er-
gaben, daß die Madonna Roussel identisch sei
mit der Madonna piccola Gonzaga des Raffael,
die im Mantuaner Inventar von 1627 vor-
kommt und wie es scheint, schon 1515 und
1520 in Briefen andeutungsweise erwähnt
wird.*)

Eine Zeichnung in Windsor wurde her-
angezogen und ein Wappen in einem Siegel
auf der Kehrseite für die Herkunftsnachweise
benützt. Im Jahre 1900 wurde noch ein
weiteres Nachtragsheft veröffentlicht: „La pe-
tite Sainte-Famille de Raphael, Madonna pic-
cola d’Isabelle de Gonzague ... Collection deMa-
zarin, Collection de Colbert, Collection Roussel“
(Paris, Imprimerie de D. Dumoulin). In neue-
ster Zeit endlich hat ein anderer Autor, Emil
Jacobsen, mit Anlehnung an die Schriften von
1892 und 1896, die früher in der Fußnote ge-
nannt worden sind, die Madonna Roussel
neuerlich besprochen. („Die Madonna piccola
Gonzaga, Untersuchungen über ein verschol-
lenes und angeblich wiedergefundenes Ma-
donnenbild von Raphael“, Straßburg, J. H. Ed.
Heitz 1906, Gr. 8".)

Dem Besitzer nachfolgend, befindet sich
das Bild nicht mehr im Chateau d’Isle Adam,
sondern seit einigen Jahren in Nanterre (31,

*) Vergl.: „La petite Sainte-Famille de Raphael
Madonna piccola de la Marquise Isabelle d'Este de
Gonzague . .. le dessin, le tableau“, i892,und„La petite
Sainte-Famille de Raphael, Madonna piccola d'Isabella
de Gonzague. Son identification, etablie par le sceau“,
1896 (beide Bücher gedruckt bei Dumoulin & Cie.
in Paris).
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