Frimmel, Theodor von [Hrsg.]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Seite: 190
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190

Nr. io.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Bild auf Quadals interessantem Gemälde:
„Der Aktsaal der Wiener Akademie im
St. Annagebäude“, das 1787 gemalt
wurde. (Nr. 100, Gemäldegalerie der k. k.
Akademie der bildenden Künste.) Als
Schüler wird nur bei Fueßli ein Ol-
mützer, Armand Andreides, erwähnt.
Besondere Wertschätzung scheint Sanv
bachs religiösen Gemälden zuteil ge*
worden zu sein, denn für zahlreiche
Kirchen Mährens und Ungarns schuf er
Altarblätter, einmal sogar über speziellen
Auftrag der Kaiserin Maria Theresia.
Das Gebiet seiner eigensten Meisterschaft
sind aber die gemalten Basreliefs, deren
zwei größere, das eine Holz', das andere
Marmorplastik nachahmend, im Kunst'
historischen Hofmuseum (Nr. 1662,1714)
hängen. Ein Bild von besonderem Inter'
esse findet sich in der Galerie zu Her'
mannstadt; es stellt eine Kreuzabnahme
dar, und zwar, wie man vermutet, nach
einem verloren gegangenen Original
Raphael Donners. Von seinem großen
Lehrer zeigt sich Sambach auch in den
Puttenreliefs stark abhängig. Allent-
halben die gleichen, gesunden, wohl'
genährten „Khindeln“, im wenig hüb'
sehen Gesicht zwischen Pausbacken ein
derbes Stumpfnäschen, und wie der
Bildhauer auf dem Bronzerelief mit
dem Parisurteil (Kunsthistorisches Hof'
museum, S. XXIV, Nr. 44), so charak'
terisiert auch der Maler auf dem Kinder'
bacchanal im Hofmuseum (Nr. 1714)
das Faunchen durch Bockfüße, tierische
Ohren, kmze Hörnchen und eine Schaf'
nase. Wie Donner, nützt auch sein Schü'
ler Laubwerk zum Füllsel figurenleerer
Stellen der Reliefs. Daß der Maler tat'
sächlich Donnersche Vorbilder verwer'
tete, beweist auch eine Stelle im. Ver'
zeichnis der Galerie patriotischer Kunst'
freunde in Prag von 1835 (s. Repertorium
f. Kunstwissenschaft, Bd. XIX, S. 117):
„Der Leichnam Christi auf dem Schoß
seiner Mutter liegend, am Stamme des
Kreuzes, um welches trauernde Engel

schweben; von Caspar Franz Sampach
nach Raphael Donner. 2‘ 7*/4" hoch,
1' breit, in der Wirkung eines Haut'
reliefs von gebrannter Erde.“*)

Literatur zu Kaspar Franz Sam'
bach: v. Frimmel, Geschichte der
Wiener Gemäldesammlungen, I, S. 629 ff.
— v. Frimmel, Kleine Galeriestudien,
Hermannstadt. — Fueßli, Großes
Künstlerlexikon. 3. Supplement. —
Hirschings Nachrichten, IV, S. 462. —-
Hormayrs Archiv (17. Dezember 1830),
S. 797 ff. — Katalog der historischen
Ausstellung in der Wiener Akademie
von 1877. — v. Lützow, Geschichte der
Wiener Akademie der bildenden Künste,
S. 34 ff. — Mayr, Prof. Anton, Georg
Raphael Donner (Wien und Leipzig,
E. Beyer 1907), S. 15. — Meusel J. G.,
Deutsches Künstlerlexikon, Band II
(Lempo, Meyer 1789). — Monatsblatt
des Wiener Altertumsvereins 1892, 93,
94. — Nikolai Fr., Beschreibung einer
Reise 1781, IV, S. 518. — Repertorium
für Kunstwissenschaft XIX, S. 117. —
Tschischka, Kunst und Altertum in
dem österreichischen Kaiserstaat (1836),
S. 53 fr. — Weinkopf Anton Benjamin,
Beschreibung der Wiener Akademie.
Wien, I (1783), II (1875).

NOCHMALS DIE IN'
SCHRIFT AUF DEM BAR'
TOLOMEO VIVARINI
IN DER KAISERLICHEN
GALERIE ZU WIEN.

Seit der Veröffentlichung im achten
Heft des vorliegenden Bandes S. 141 ff.
ist mir durch die Freundlichkeit des
Herrn Doktors Georg Gronau in
Florenz eine neue Deutung der mittleren

*) Zwei Abbildungen, die diesen Artikel
begleiten sollten, können erst im Herbst nach'
geliefert werden. Der Herausgeber.
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