Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 63.1928-1929

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WALTER HELBIG —ASCONA

Der Maler Walter Heibig gehört gegen-
wärtig einer Künstlervereinigung an, die,
bekannt unter dem Namen „Der große Bär",
vor einiger Zeit in Berlin eine bemerkenswerte
Ausstellung veranstaltete. In den Arbeiten der
in Ascona lebenden Maler dieser Vereinigung
war besonders eine natürliche Bemühung um
malerische Qualität beachtenswert, ohne in-
dessen Seelisches und Geistiges zugunsten des
rein Artistischen hintenan zu setzen. Helbigs
neuere Gemälde, von denen eine „Frau mit
Papagei" von 1926 und ein „Schloß am See"
von 1927 vornehmlich genannt sein mögen, sind
außerdem noch dadurch gekennzeichnet, daß in
ihnen eine Bemühung um Kompositionswerte
im Einklang mit der Farbe als vertiefendem
Element vollgültig zum Ausdruck gebracht wird.

Die künstlerische Entwicklung Helbigs, die
auch heute noch nicht abgeschlossen ist, darf
dabei nicht außer acht gelassen werden. Als
eine im Grunde beschaulich und lyrisch ge-
stimmte Natur hat der ehemalige Schüler von

Bantzer und Gußmann in Dresden an allen jenen
Neugrupoierungen aktiven Anteil genommen,
die die Kunst der Gegenwart maßgeblich be-
stimmt haben. Er hat in der Schweiz den
„Modernen Bund" mitbegründet, stand in enger
Fühlung mit den Mitgliedern der „Brücke" und
des „Blauen Reiter" und beteiligte sich an fast
allen Ausstellungen dieser neuen Bildinhalten zu-
strebenden Künstler. Seit er 1911 nach Ascona
übergesiedelt ist, hat er in gewisser Zurückge-
zogenheit diese ihm damals eigene Anschauungs-
art folgerichtig vertieft. Nach einer Zeit, in der
Gemälde entstanden, die religiös-visionär den
Vorwurf in eine farbig intensive Verschleierung
verwandelten und durch eine Reihe von Holz-
schnitten ergänzt wurden, hat er nach und
nach die ihm vorschwebende Abstraktion der-
art überwunden, daß sie befruchtend auch
seinen gegenwärtigen Darstellungen Hilfsmittel
ist. Vermeidung jeder Überbetonung in Farb-
wahl und Form scheint die beste Formel für
seine künstlerische Eigenart. . . o. brattskoven.
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