Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 63.1928-1929

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EINE ERFAHRUNG. Auf Reisen zeigt sich
beim Besuch von Kunstausstellungen ein
Umstand, auf den bisher noch wenig Nachdruck
gelegt worden ist. Nämlich unser Verhältnis
zur heimischen Kunst ändert sich von Grund
aus, wenn man ihre Erzeugnisse in der Fremde
antrifft. Die eigene Einstellung wird revidiert.
Geht man zu Hause an manchen Erscheinungen
mit abgeschwächten, durch den Alltag ermüde-
ten Eindrücken vorüber, so fallen in der neuen
Umgebung die künstlerischen Merkmale, die
wertvolle Eigenart der Werke besonders auf.

Sie sprechen uns in vertrauter Sprache an,
beinahe im heimischen Dialekt. Erstaunt schaut
man plötzlich tief in ihre innere Wahrheit. Das
Echte, Kraftvolle, Wurzelhafte tritt dann zu
Tage, wenn das Werk die Probe der Fremde
besteht, denn das Halbe, Unzulängliche, nur
lokal Gewertete versinkt vollkommen in nichts.
Es verhält sich damit ähnlich wie mit einer
schlechten Zeitung, die man zu Hause wohl hin-
nimmt, deren Unwert man aber desto deutlicher
erkennt, wenn sie einem auf Reisen nachge-
schickt wird. . ALEXANDER VON GLEICHEN-RUSSWÜRM.

MICHAEL POWOLNY. »JUNGES PFERDc FARBIG GLASIERT
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