Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 63.1928-1929

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OTTO HITZBERGER—BERLIN

»GRABMAL IN MUSCHELKALK«

OTTO HITZBERGER. Eine neue Entwick-
lung scheint den Künstler, von dessen
Schaffen wir schon mehrfach Proben gegeben
haben, zu ausgeglicheneren Ergebnissen zu füh-
ren. Man kennt von ihm angewandte Plastik von
leichter, musikalischer Art; auch eine Periode
verkauzter, gedrückter und schwerer Formen hat
er durchlaufen. Neuerdings ist er zu Formen ge-
langt, die ihn von einer menschlich freieren Seite
zeigen, wenngleich die Spannung, die Schwere,
die Beladenheit als seelischer Grundstoff be-
stehen bleiben. So drückt auch das hier abge-
bildete Detail einer Grabmalfigur mit dem ge-

spannten Gesichtsausdruck, mit den schreckhaft
weitgeöffneten Augen, mit der schützend hoch-
gezogenen Schulter Angst, ja Entsetzen aus; aber
die Form spräche teilt wirklich mit, man sieht in
der weisen Abstufung der Oberflächenbehand-
lung, in den charaktervoll abgesetzten, echt
plastisch gefühlten Formen einen seiner Mit-
tel außerordentlich sicheren Künstlergeist am
Werk. Otto Hitzberger wirkt seit längerer Zeit
als Lehrer an den Vereinigten Staatsschulen
für freie und angewandte Kunst in Berlin; er
leitet dort die Fachklasse für Plastik. Letzthin
hat er sein fünfzigstes Lebensjahr vollendet. —
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