Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 63.1928-1929

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Vadim Andrussow—Paris

mentale deutsche Niedlichkeit, wie, ach, als
Einzige, Niddy Impekoven sie wiedererweckt
hat. Etwas dem verwandt, fern mitklingend,
spielt um die Plastiken Andrussows.

Die Liebesfülle seiner Hände, die Zärtlich-
keit seines Herzens, die Konzentriertheit seiner
Sinne, der anmutige Geist, mit dem er die
souveräne Plastik seiner Fabulierlust dienstbar
macht, das alles trägt ganz persönlichen Stempel.
Nur ist die Persönlichkeit des Künstlers richtig
russisch. Und das heißt — mit einem Unter-
ton. Und dieser Unterton dünkt uns gleich
einem Unterbewußtsein — deutsch.

Seine üppige Sinnlichkeit, seine ungedämpfte
Wärme verausgabt sich noch in unmittelbarer
Empfindung. Aber langsam und sicher zähmt er
seinen Erzählerdurst, verarbeitet diesenDrang in
seinen Werken zu meisterlicher Einfachheit, p. b.

NEUER KANON. Unsere Zeit ist nicht mehr
allegorisch wie das klassische Altertum,
wo die Religion sich mit der Allegorie durch das
Leben verknüpfte, unsere Zeit ist nicht mehr
mystisch wie das Mittelalter, wo Glaube und
Alltag sich in mystischem Empfinden trafen, un-
sere Zeit ist nicht mehr rationalistisch wie das
Jahrhundert der Aufklärung, in dem alles —
auch die Kunst — mechanistisch erklärt werden
sollte. Unsere Zeit strebt nach durchaus Neuem,
indem reine Sachlichkeit Alles abwerfen soll, was
nicht dem Gebrauch an sich dient. Das Sachliche
bedingt zwar einen veränderten Schönheits-
kanon, doch immer ist es die Schönheit, die
das Vollendete bedingt, a. v. gleichen-russwurm.
*■

Erschaffen heißt nicht, als erster gedacht, son-
dern als erster erschaut zu haben, b. grasset.

VADIM ANDRUSSOW—PARIS. »DIE RUHE« TERRAKOTTA

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