Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 63.1928-1929

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Zwei Wiener Plastiker

gefärbtem Zement
beschäftigt Dobner.
Es sind durchwegs
gute und fruchtbare
Ideen, nur ist die
Zeit ihrer Durchfüh-
rung nicht sonderlich
entgegenkommend.
Wenn Aufträge des
Tages — wie etwa
die so oft gestellte,
aber leider nicht im-
mer an Künstler er-
gangene Aufgabe
der Schaffung eines
Krieger- Gedächtnis-
altares — in selb-
ständiger Form erle-
digt werden, ist es
ein besonderes Zei-
chen für die Fähig-
keiten eines Künst-
lers. — Auch Jakob
Low ist solchen Auf-
gaben voll gewach-
sen. Er hat eine
Medaille geschaffen,
die der österreich-
ische Staat zur Ver-
leihung an Industri-
elle und Handwer-
ker für Qualitäts-
leistungen auf Aus-
stellungen zu verge-
ben gedenkt. Sie ist
das Ergebnis eines
Wettbewerbes und
wurde durch einen
Preis ausgezeichnet.
Das nächste Stadium
sind seine Porträts,
Köpfe, die von der
Wirklichkeit des Ob-
jektes nichts verges-
sen und doch durch
die plas tische Gest al-
tungskraf t der Wirk-
lichkeit entrückt sind.

jakob low—wien. »hirte« terrakotta

Am freiesten und

stärksten wirkt Jakob Low in seinen Kompo-
sitionen. Sein unermüdliches Suchen nach Form
und Ausdruck ließ Figuren und Gruppen ent-
stehen, die in Idee und Schönheitsgebung hohe
Vollendung zeigen. Wien, das zwar viele male-
rische Persönlichkeiten hat, aber an plastischen
Schöpfern ziemlich arm ist, besitzt in Jakob Low
einen im Stillen emsig schaffenden Künstler, der
besonderer Förderung wert ist. l. rochowanski.

BILDERSAMMLER
UND BILDER-
FÄLSCHER

uplizität der Er-
eignisse: es flie-
gen gleich drei große
Kunst - Fälschungs-
Affären auf, zwei
darunter von inter-
nationalem Ausmaß
(Van Gogh u. italie-
nische Plastik), eine
von mehr lokaler,
auf Frankfurt be-
schränkter Bedeu-
tung. — Die Regung,
die sich zuerst ein-
stellt, ist die Reg-
ung leicht veredelter
Schadenfreude: Den
Hereingefallenen ge-
schieht Recht. Wa-
rum haben sie sich
an Namen geklam-
mert statt an Wer-
ke? Wird der Kunst-
markt bedrängt von
der Nachfrage nach
bestimmten Marken:
was ist natürlicher,
als daß der Markt
die Nachfrage zu
befriedigen sucht?
Und daß moralisch
schwachelndividuen
diese Befriedigung
auf illegale Art her-
beizuführen suchen?
— Man kann nun
gewiß zugeben, daß
der Bildersammler,
der nur auf gang-
bare Meisternamen
erpicht ist, keines-
wegs den Idealfall
des Privatsammlers
darstellt. Das Richtige wäre, daß der Sammler
aufgrund persönlicher Passion und Kennerschaft
vorgeht, daß er mit seinen Erwerbungen nicht
blindlings in der Spur der meistgenannten Na-
men geht, sondern das künstlerische Gesamt-
bild seiner Zeit schöpferisch gestalten hilft
(wie es die Sammlung Mesdag, die Sammlung
Nemetz getan hat).

Aber über dem Ideal, über dem Wünschens-
werten darf man das breitere, das allgemeinere
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