Albrecht, Heike [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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DER LANDKREIS STADE

Geschichtliche Entwicklung und politische Gliederung
Spuren einer vorgeschichtlichen Besiedlung sind im Kreisgebiet vor allem auf der Geest
nachgewiesen und reichen bis in die Altsteinzeit etwa um 15 000 v. Chr. (Campe bei
Stade) zurück. Die ehemals große Anzahl von Großsteingräbern der jüngeren Steinzeit
ist durch vielfache Zerstörungen im 19.Jh. stark dezimiert worden. Für die Marschen ist
die Frage der vorgeschichtlichen Besiedlung und Siedlungskontinuität noch nicht ab-
schließend geklärt, doch es häufen sich mittlerweile die Anzeichen dafür, daß sie späte-
stens seit Christi Geburt relativ dicht besiedelt sind.
Im 2.Jh. n. Chr. setzten von Holstein die Sachsen über die Elbe und besiedelten
zunächst die flußnahen Marschen, später auch die Geest. Sie traten an die Stelle der im
nördlichen Kreisgebiet lebenden Chauken bzw. der im südlichen Kreisgebiet herrschen-
den Langobarden, von denen ein bedeutender Urnenfriedhof in Harsefeld ergraben wer-
den konnte.
Mit der fränkischen Eroberung kam der - auch als Wigmodien bezeichnete - Stader
Raum unter die Herrschaft der Karolinger. Karl der Große ließ die dort ansässigen Sach-
sen größtenteils umsiedeln und besetzte das Land mit bereits christianisierten Gefolgs-
leuten, worunter vor allem wohl Franken, aber auch Holländer gewesen sein dürften. Als
Ausgangspunkt dieser an eine Missionierung geknüpften Siedlungspolitik diente der von
ihm 788 in Bremen errichtete Bischofssitz, welcher die Landeshoheit für große Teile des
Gebietes zwischen Elbe und Weser besaß. In seinen Herrschaftsbereich gehörte auch
die Region südöstlich der Wasserläufe Aue (bzw. Lühe) und Steinbeck, also die zweite
und dritte Meile des Alten Landes und die östliche Geest. Kirchlich waren diese Gebiete
allerdings dem Bistum Verden zugeordnet.
Etwa um 944 übernahmen die Udonen die Grafschaft Stade als erbliches Lehen. Ihr Sitz
war in Harsefeld, dem politischen und kulturellen Mittelpunkt der Geest, wo sie bereits
1007 ein Kanonikerstift gründeten. Noch vor 1016 verlegten die Grafen ihren Sitz nach
Stade und nannten sich fortan Grafen von Stade. Die erstmals 994 genannte Stadt hat-
te sich in günstiger Lage an der Mündung der Schwinge in die Elbe auf einem Geests-
porn entwickelt.
Mit dem Aussterben der Stader Grafen 1144 trat der letzte seiner Familie, Graf Hartwig,
die Grafschaft an das Bremer Erzbistum ab; er selber war 1148 zum Bremer Erzbischof
gewählt worden. Da aber auch Heinrich der Löwe als Herzog von Sachsen Ansprüche
auf die Grafschaft erhob - u.a. hatte er 1167 die erzbischöfliche Festung Freiburg zer-
stört - blieb sie lange umkämpft. Schließlich beendete 1236 ein Vergleich die Zwistigkei-
ten und die Grafschaft fiel endgültig an das Bremer Erzbistum, dessen Herrschaft bis
zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) andauerte.
Im 12.Jh. setzte mit der Marschenkolonisation ein intensiver Landausbau ein, der wohl
anfangs vor allem von den Stader Grafen initiiert worden war, deren Werk Heinrich der
Löwe und schließlich die Bremer Erzbischöfe fortsetzten. Zwar unterstanden die
Marschländer in der Folge der erzbischöflichen Macht, hatten aber eine weitgehende Ei-
genständigkeit und Selbstverwaltung durchsetzen können. Ebenfalls spielte der Adel ei-
ne nur untergeordnete Rolle in der Verfassung. Marschenbauern waren meist freie Ei-
gentümer ihres Landes.
Erzbischof Giselbert (1274-1306) ließ zur Sicherung seiner Macht vor allem am Geest-
rand gegen das Alte Land Burgen errichten. So entstand an der Lühe 1255 die Horne-
burg und an der Este um 1285 die Stadt Buxtehude in Nachbarschaft zu einem bereits
1197 gegründeten Kloster (Altkloster). Ein zweites Kloster war 1270 in Neuenkirchen
(Altes Land) gestiftet worden, das aber schon 1286 an den Geestrand in das heutige
Neukloster verlegt wurde. Weitere Burgen waren an der Oste in Brobergen und Kranen-
burg entstanden. Von der einzigen Kehdinger Befestigung „Kiek in de Elv“, die nach ih-
rer Errichtung um 1330 von der einheimischen Bevölkerung zerstört worden war, ist
heute nicht einmal mehr der Standort bekannt.
In beiden Elbmarschen hatten sich durch den Zusammenschluß der Kirchspiele im
13.Jh. Landesgemeinden gebildet, deren wichtigstes verbindendes Interesse sicherlich
der gemeinsame Deichschutz und die Erhaltung der mit der Kolonisation gewährten po-

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