Albrecht, Heike [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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OEDERQUART - HOHENLUCHT,
WETTERDEICH

Als westliche Verlängerung des früheren Holler-
deichs erfolgte im Zuge einer Neueindeichung
der Oste um 1700 der Bau des Wetterdeiches,
dessen etwa drei Meter hohen Überreste be-
deutende Zeugnisse der Siedlungsgeschichte
darstellen. Die Ortsteile Hohenlucht und Wetter-
deich bestehen aus wenigen Bauten, die sich
an der parallel zum Deich verlaufenden Kreis-
straße 10 aufreihen. Denkmalpflegerische Qua-
litäten besitzen das Haupthaus des früheren
Gutes, Hohenlucht 17, ein Zweiständerbau mit
regelmäßigem Fachwerkgefüge aus dem begin-
nenden 19.Jh. und die noch landwirtschaftlich
genutzte Kehdinger Hofanlage Wetterdeich 21.
Sie setzt sich aus einer Dreierfront von Haupt-
haus (erb. Anfang 19,Jh.), Viehscheune (erb.
Mitte 19.Jh.) und einem mittigen Stallgebäude
mit erneuertem Backsteingiebel (err. 2. Hälfte
des 19.Jh.) zusammen.

OEDERQUART - KAJEDEICH, BRUCHWEG
Mit der Kultivierung des Kehdinger Moores ist
entlang des Kajedeichs eine dichte Siedlungs-
reihe gewachsen, die durch den südlich der
Straße geführten Moorkanal ihr unverwechsel-
bares Gepräge erhält.
Beispielhaft für die mittelgroßen, überwiegend
im 19.Jh. gebauten Moorhöfe ist das kaum ver-
änderte, reetgedeckte Wohnwirtschaftsgebäu-
de Kajedeich 129 mit einem engmaschigen
Fachwerknetz und verbreiterter Giebelspitze.
In dem südlich anschließenden, von einer unre-
gelmäßigen Flurteilung gekennzeichneten Orts-
teil Bruchweg, ist die unmittelbar an der Kreis-
grenze gelegene Hofanlage Nr. 35 erwähnens-
wert. Das im Torbogen auf 1882 datierte
Haupthaus mit gemauertem Wohnteil ist eben-
so wie das kleine Fachwerkstallgebäude mo-
dernisiert worden.


In einer für Kehdingen ungewöhnlichen Bau-
weise ist im 19.Jh. die Kate Neuer Seeweg 1
errichtet worden. Der Breitbau wird traufseitig
durch die fast mittig unter einem Zwerchhaus
angeordnete Haustür und das an die Seite
gerückte Dielentor erschlossen.

OLDENDORF

Der Kirchort Oldendorf liegt 15 Kilometer west-
lich von Stade am Nordrand der Stader Geest
unweit der Ostemarsch. Hier waren am Ein-
schnitt eines feuchten Seitentals in den flach-
welligen bis 15 Meter hohen Geestrücken, der
zugleich Schutz vor dem ausgedehnten Ur-
stromtal der Oste bot, gute naturräumliche Be-
dingungen für die Anlage eines Dorfes gege-
ben.
Oldendorf, was soviel wie Altes Dorf bedeutet,
wird genauso wie Hammah, Gräpel (Gemeinde
Estorf) und Elm (Bremervörde) zu den ältesten
Siedlungen des Oste-Schwinge-Raumes ge-
rechnet, die von den Chauken in der ersten
Phase der Landnahme vor der Völkerwande-
rung gegründet wurden und als „Urdörfer“ be-
zeichnet werden. Das erstmals 1100 erwähnte
Oldendorf gehört darüber hinaus zu den älte-
sten Kirchorten auf der Geest, da das Patronat
des Heiligen Martin auf eine frühe, wohl karolin-
gische Kirchengründung hindeutet. Auch war
es Mittelpunkt einer Börde, die als die größte
des heutigen Landkreises mit 284 Feuerstellen
(1752) von der mittleren Oste bis an das Keh-
dinger Moor heranreichte. Auf ihrem Gebiet hat-
te sich Mitte des 13.Jh. das Kloster Himmel-
pforten gegründet, dessen Kirchspiel mit nur 57
Feuerstellen (1752) zwar verhältnismäßig klein
war, dessen Bedeutung aber stetig wuchs.
Hierzu trug nicht zuletzt die Zerstörung der Kra-
nenburg und ihrer Ziehbrücke über die Oste im
Jahr 1628 bei, denn nun verlagerte sich der
Landverkehr zum nördlichen Flußübergang bei
Hechthausen und begünstigte damit auch das
nahegelegene Himmelpforten gegenüber Ol-
dendorf.



Oldendorf, Hauptstraße 13, Kirche, Innenraum nach Osten

Oldendorf, Hauptstraße 13, Kirche, ehern. Nebenaltar

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