Albrecht, Heike [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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re, auch die Balkendecke, das Gestühl und die
Taufe. Ferner wurde die Kanzel unter Verwen-
dung von Teilen einer aus der Mitte des 17,Jh.
stammenden Vorgängerin erneuert. Ältere be-
merkenswerte Stücke sind ein schlichter roma-
nischer Taufstein, der außerhalb der Kirche auf-
gestellt ist, ein Kruzifix des 14.Jh. (neu gefaßt),
ein reich mit Knorpelwerk geschmücktes Altar-
retabel von 1652 sowie Epitaph und Wappen
derer von Ahrentschildt (um 1670), einem in Ol-
dendorf ansässigen Adelsgeschlecht. Der noch
vorhandene Orgelprospekt ist 1730 von Eras-
mus Bielfeldt geschaffen worden.
Da der historische Baubestand Oldendorfs vor
allem im südlichen Dorfteil auch aufgrund von
Ortsbränden in den Jahren 1812, 1942 und
1968 stark zurückgegangen ist, läßt sich der
Charakter des alten Bauerndorfes noch am
ehesten in der Straße „Auf der Kuhlen“ am
nördlichen Dorfrand erleben. Hier verteilen sich
eine Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben

auf baumbestandenen Grundstücken.
Zu den wenigen denkmalwerten Bauten des
Ortes gehören drei sehr ähnlich gestaltete
Zweiständerbauten. Sie weisen jeweils ein
kleinteiliges, quadratisches Fachwerk auf, das
sich auch oberhalb der Schwelle mit zwei bzw.
drei Reihen fortsetzt. Die darüberliegende Gie-
belspitze ist entweder verbreitert oder durch ei-
nen Walm geschützt, wie bei dem ehemaligen
Organistenhaus Lämmerhof 3 (erb. 1854), das
südlich der Kirche liegt und mit dieser eine
Gruppe baulicher Anlagen bildet.
Für die beiden anderen Objekte Sünder Stra-
ße 2 (dat.1779, Meister JWB), das seit 1995 zu
einer dörflichen Begegnungs- und Kulturstätte
ausgebaut wird, und Auf der Kuhlen 17 (dat.
1803, Meister JMB) lassen die frühen Torbal-
kendatierungen auf eine Zweitverwendung des-
selben oder eine Umgestaltung der Giebel
schließen, denn diese weisen in ihrer Gestal-
tung eher in die Mitte des 19.Jh.


Oldendorf, Auf der Kuhlen 17, Wohnhaus


Oldendorf, Sünder Straße 2, Wohnwirtschaftsgebäude

Die Hofstelle Auf der Kuhlen 17 wurde 1909
durch ein traufständiges Backsteinwohnhaus
mit Drempelgeschoß und mittigem Zwerchhaus
ergänzt, das mit Ziersteinsetzungen an Gesim-
sen und Stürzen sowie dem zurückliegenden
Eingang mit eingestellten Säulen weitere typi-
sche Gestaltungsmerkmale der Erbauungszeit
aufweist.
Das nördlich anschließende Grundstück ist mit
dem ehemaligen Altenteiler des Hofes besetzt,
einem Zweiständerbau mit gewalmtem Reet-
dach von 1859 (Auf der Kuhlen 19).

SAUENSIEK

In der Gemeinde Sauensiek, die sich auf der
südlichen zwischen 30 und 40 Meter hohen
Geest ausdehnt, befindet sich mit dem 65 Me-
ter hohen Litberg die höchste Erhebung des
Landkreises; ferner breitet sich das nach dem
Rüstjer Forst zweitgrößte zusammenhängende
Waldstück an der südlichen Gemeindegrenze
aus, die hier zugleich die Kreisgrenze bildet. Die
Gemarkung wird von zwei Landesstraßen
durchquert: die östliche L 130 von Horneburg
nach Sittensen tangiert Sauensiek, die nord-
westliche L 127 von Buxtehude nach Zeven
verläuft zwischen den Weilern Kammerbusch
und Revenahe.
Das am Fuße des Litberges gelegene, zuerst im
Jahr 1105 erwähnte Haufendorf Sauensiek bil-
dete mit den Weilern Löhe, Bredenhorn und
Bockhorst einen eigenen Gerichtsbezirk inner-
halb des Patrimonialgerichts auf dem Delm, der
im Jahr 1753 17 Feuerstellen umfaßte und dem
adeligen Gut Daudieck westlich von Horneburg
unterstand.
Für die Dorflage von Sauensiek ist eine ausein-
andergezogene Grundrißform kennzeichnend,
wobei zwischen den heutigen drei Siedlungs-
schwerpunkten weitläufige Grünflächen bestim-
mend sind. Die Keimzelle des Dorfes, für das
1762 insgesamt 14 Feuerstellen, darunter vier
Vollhöfe genannt wurden, entwickelte sich in ei-
ner kleinen Senke am südlichen Dorfrand ent-
lang der Straßenzüge „Im Dorfe“ und „Hinterm
Hollen“. Mit der Verkopplung wurde 1842 west-
lich hiervon die Hauptstraße als Teil der nord-
süd gerichteten Landstraße ausgebaut. Ihre
heute fast durchgängige Bebauung setzt sich
aus wenigen um 1900 errichteten Backstein-
bauten und vor allem modernen Wohnhäusern
zusammen. Abgesetzt von dieser gewachse-
nen Dorflage sind ein umfangreiches, gleich-
mäßig parzelliertes Neubaugebiet am nördli-
chen Ortsausgang sowie ein modernes Frei-
zeitzentrum mit Sportanlagen und Camping-
platz im Südwesten des Dorfes entstanden.
Von denkmalpflegerischem Interesse sind zwei
Hailenhäuser an der Hauptstraße sowie mehre-
re Backsteinbauten des frühen 20.Jh. Einer der
ältesten Zweiständerbauten ist die ehemalige
Kate Hauptstraße 12, welche in giebelständiger
Ausrichtung in deutlichem Abstand zur Straße
steht. Während der Straßengiebel unter dem
Halbwalm ein gleichmäßiges Fachwerkgefüge
zeigt, das sich oberhalb der schwach vorkra-
genden Schwelle mit zwei Reihen fortsetzt, ist
der ehemalige Wohnteil mit Vollwalm durch un-

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