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Albrecht, Heike [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44441#0222
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mäßigen Grundstücken beidseitig dieser Achse,
aber auch an den Straßenzügen Möhlendiek
und Pinnbarg. Mit der Verkopplung dehnte sich
die Bebauung vor allem in südöstlicher Rich-
tung aus, wo heute die Kreisstraßen 4 und 82
die Verbindungen zu den Nachbargemeinden
Oldendorf und Burweg herstellen.
Noch überwiegen im Ortsbild reetgedeckte
Zweiständerbauten des 19,Jh., bei denen Mo-
dernisierungen jedoch oftmals zu Verlusten hi-
storischer Bauteile geführt haben. So sind
meist nur die Wirtschaftsgiebel in ihrer ur-
sprünglichen Gestaltung überkommen, wie es
auch an der Hofanlage Möhlendiek 3 am nord-
östlichen Dorfausgang zu beobachten ist. Das
1827 erbaute Haupthaus mit gleichmäßigem
Fachwerkgefüge unter dem gewalmten Reet-
dach wird durch eine traufständig an die Straße
gestellte Scheune ergänzt.
Im Zentrum des Dorfes zeichnet sich der ehe-
malige Dorfplatz, der Brink, durch umfangrei-

chen dichten Baumbestand als wichtige, orts-
bildprägende Grünfläche aus. Er ist seit 1811
Standort der St. Michael Kapelle, die ursprüng-
lich zum Kirchspiel Hechthausen gehörte, je-
doch 1926 nach Oldendorf eingepfarrt wurde.
Die Wände, zunächst in Fachwerk errichtet,
mußten aber schon 1880 bzw. 1892 wegen
Baufälligkeit in Backstein erneuert werden. Auf
ihnen ruht das pfannengedeckte Satteldach mit
Dachreiter im Westen. Der rechteckige, ver-
putzte Innenraum mit je vier Fenstern in den
Längswänden ist von einer flachen Balken-
decke überspannt. Erwähnenswerte Ausstat-
tungsstücke sind der Kanzelaltar von 1811 und
eine hölzerne Tafel mit Votivgemälde, die 1598
auf dem Gut Brobergen zur Einweihung der
dortigen Burgkapelle gestiftet worden war und
später nach Kranenburg kam (Am Brink 2).

KRANENBURG - BROBERGEN

Der Name des südlich von Kranenburg gelege-
nen Dorfes Brobergen wird zuerst 1286 als
Brocberge (= Dünen im Urtal der Oste) er-
wähnt, womit wohl ursprünglich das gesamte
heutige Gemeindegebiet von Horst bis
Schönau bezeichnet worden ist. Dieser Flurna-
me wurde dann auf das erste Dorf dieses Land-
striches übertragen, was eine Gründung des
Ortes noch vor der Marschkolonisation um
1200 wahrscheinlich macht.
Die Geschichte des hier seit Mitte des 12.Jh.
ansässigen Adelsgeschlechts von Brobergen
verläuft, wenn auch früher, ähnlich wie die der
von Marschalck in Kranenburg. Sie sind seit
1230 mit Besitz- und Hoheitsrechten beider-
seits der Oste nachweisbar, errichteten um
1280 die Burg Brobergen auf dem linken
Osteufer, übten bis 1384 das Patronat über die
Kirche Hechthausen aus und verfügten darüber
hinaus über Zoll-, Fischerei- und Forstrechte.


Brobergen, Schulstraße 2, ehern. Schule


Die Flur des ehemaligen Burgstandortes am lin-
ken Osteufer wird später Holländerhöfe ge-
nannt und war der Stammhof von Gut Brober-
gen. An die im 18.Jh. aufgelöste Dammsied-
lung, dem zur Burg gehörenden Freibezirk, der
1581 aus 19 kleinen Höfen und drei Katen be-
stand, erinnert nur noch der geradlinig zur
Fährstelle führende Damm südlich des Dorfes,
die heutige Fährstraße.
Das Haufendorf Brobergen, welches seit 1648
zur Börde Oldendorf gehört, ist am Übergang
des hier etwa einen Kilometer breiten, südlichen
Ausläufers der Ostemarsch in die Geest ange-
siedelt. Noch heute wirkt das Ortsbild weitge-
hend geschlossen aufgrund einer Vielzahl von
landwirtschaftlichen Betrieben mit überwiegend
reetgedeckten Wohnwirtschaftsbauten und klei-
neren Nebengebäuden sowie der starken
Durchgrünung. Nachverdichtungen durch Neu-
bauten haben nur in geringem Maße stattgefun-
den. Während sich die Urhöfe auf unregelmäßi-
gen Parzellen verteilen, besitzen die Abbauer-
stellen an der östlichen Schulstraße schmale
und langgestreckte Grundstücke, auf denen die
Bauten giebelständig ausgerichtet sind.
Besonders eindrucksvoll ist die Staffelung der
Wohnwirtschaftsgebäude an den beiden
Straßenzügen Neern in Dörp und Boben in
Dörp, wo sämtliche Hallenhäuser traufständig
unmittelbar an der Straße angeordnet sind und
ihre Wirtschaftsgiebel einheitlich zur östlich lie-
genden Geest richten. Sie sind meistenteils mit
einem engmaschigen Fachwerknetz überzo-
gen, wie es auch in der südlichen Gemeinde
Estorf vielfach auftritt und mehrheitlich den Brü-
dern Carsten (CRM) und Jürgen (JRM) Rade-
maker aus Estorf bzw. Gräpel zuzuschreiben
ist.
Jedoch haben unsachgemäße Modernisierun-
gen bei den Gebäuden oftmals zu einer Beein-
trächtigung der Bausubstanz geführt, so daß
nur zwei Wohnwirtschaftsgebäude am östlichen
Dorfrand als denkmalwert eingestuft werden
können. Es sind die ehemalige Dorfschule
Schulstraße 2, ein reetgedeckter Zweiständer-
bau mit gemauertem Wohnteil (erb. 2 Hälfte
des 19.Jh.) und das 1850 erbaute Hallenhaus
Schulstraße 9 in einer für das Ortsbild bedeut-
samen Lage.

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