Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

Seite: 37
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INNENDEKORATION

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XIV. MHRGHIIG,

Dcirmlfcicft 1903.

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Utax Bans Kühne als 3nnen*flrchifekt

Max Hans Kühne, von dem wir heute Innen-
Dekorationen zeigen, ist Architekt und
zwar einer von denen, die besonders für
Gestaltung von Räumen begabt sind und die den
Ehrgeiz haben die Hinrichtung bis in's Kleinste
selbst und einheitlich durchzugestalten. Kühne ist
am 4. Juni 1874 in Leipzig geboren, also heute
noch ein junger Mann. Die Reihe seiner selbst-
ständigen Schöpfungen ist dafür erstaunlich gross.
Sein Werdegang führte ihn über die Leipziger
Bau-Schule zur Dresdener Akademie, wo er Schüler
Wallot's war. Er arbeitete noch eine Zeit lang bei
Hof Architekt Jhne und erweiterte dann auf Reisen in
Deutschland und Österreich nach London, Paris und
Italien seinen Anschauungskreis. Seine erste selbst-
ständige grössere Leistung war die Villa Trummler
in Nieder-Sedlitz bei Dresden. Schon hier das Streben
nach dem konstruktiv Einfachen, aber noch sind
einige nicht voll verarbeiteten Einflüsse zu spüren,
noch fehlt der immer etwas kühle Hauch echter
kultureller Verfeinerung, das eigentümliche sym-
pathisch Weltmännische, das vielen der späteren
Schöpfungen den Reiz gibt. — Ein Warte-Raum der
!nternationalen Ausstellung 1901 vermittelte weiteren
Kreisen zum erstenmal einen deutlichen festen
Begriff dieser Art des Künstlers, der inzwischen
mancherlei Villen und Land-Häuser, Läden und

Geschäfts-Häuser gebaut und eingerichtet und auch
als kunstgewerblich Schaffender — eine Anzahl
eigenartiger Uhren sind von ihm entworfen — sich
bethätigt hatte. Die Neueinrichtung des grössten
Dresdener Cafe's, des Cafe Central, bei dem Prof.
Gross den plastischen Schmuck und Prof. Gussmann
die gemalten Ornamente entwarf, war dann das
zweite Werk, das dem grösseren Publikum bekannt
wurde. Mit sehr eingeschränkten Mitteln ist hier
mit sicherem Geschmack, allerdings ohne rechten
»Mut in der Farbe« etwas vornehm Behagliches
geschaffen, das ohne sich irgendwo aufzudrängen,
ja ich möchte geradezu sagen, durch diese diskrete
Zurückhaltung eine feine Stimmung gibt. Der
Raum für Material-Gruppen auf der Turiner Aus-
stellung war dann eine der nächsten Arbeiten Kühne's.
Der Entwurf ist hier freilich schöner als das, was
nachher in der Wirklichkeit dastand. Der Platz-
Mangel führte zur Überfüllung des Raumes und die
Überfüllung störte und erdrückte die architektonische
Wirkung. Dass man ihn aber so füllen konnte,
ohne dass er unerträglich überladen wirkte, war doch
mit ein Erfolg der ausgezeichneten Raum-Behand-
lung. — Bei den Ausschreiben für die Striesener
Kirche gewann Kühne dann jüngst einen Preis.
Die Schwierigkeiten des Bau-Terrains der Kirche,
die zum grössten Teil zwischen Häuser eingebaut

1908. II. l.
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