Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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INNEN-DEKORATION.

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Hans schlechta & otto wytrlik.

Küchen-Stühle. (Vergl. Seite ?6).

Zur künfflerifchen Geffcilfung des Gartens, Ii

Den Grundsatz, aus welchem wir folgern, lehrt
uns der Garten-Begriff: »Der Garten ist
Pflanzen-Zucht durch Menschen-Hand«, (im
Pegensatz zur Pflanzen-Zucht der Natur), [Ackerbau
*4 Pflanzen-Zucht durch Hilfskräfte, Tiere, Dampf,
Jektrizität; ursprünglich vom Gartenbau nicht ver-
schieden, vielmehr aus ihm hervorgehend.] — »Zwei
Natur- Wesen treten im Garten in Beziehungen:
pflanze und Mensch; beide nach unserer liebevollen
^atur- Anschauung mit gleichen Rechten. Die
pflanze hat bestimmte Lebens-Ansprüche, die sie in
lhrem Nährboden befriedigt findet«. — »Der Nähr-
boden ist bestimmendfür die Pflanzen-Arten, welche,
^ Grund gleichartiger Ansprüche an Nährstoffe,
ünia, Höhenlage, Feuchtigkeit, licht — sich auf
ansiedeln. Als »Pflanzen-Gesellschaften« helfen
^e die Eigenart der Landschaft bilden. — »Pflanzen-
Seilschaft und Landchaftsart stehen also in
echsel-Beziehungen. Die Landschaftsart ist für
1eden Garten gegeben durch die Landschaft, in
elcher er liegt.« (Die Landschaften lassen sich
2ur besseren Übersicht der Einzel-Erscheinungen
s°ndern in Ebene, Gebirge und Mittel-Landschaft;
2tere mag die Übergangsform beider erstgenannten
egensätze an ihrer Vereinigungsstelle bezeichnen.)

'»Die allgemeine Aufgabe der bildenden Kunst
•" das Natürliche in höchster Vollendung darzu-
s^Uen.« (Auch Phantasie-Gebilde müssen den
.atur"Gesetzen gehorchen, jedoch solchen, die aus
e"ier übernatürlich gedachten Welt entnommen
Xn&> welcher unserer Natur zum Vorbild dient.)
ih y>^eraus folgt für die Garten-Gestaltung die
^_ er Eigenart ensprechende, besondere Aufgabe:
e Art der Landschaft, in welcher der Garten liegt,

in ihm zur höchsten Vollendung und Mannigfaltig-
keit ihrer, ihr naturgemäßen Erscheinungen zu
bringen; jedoch innerhalb der natürlichen Gesetze
des Zusammenhanges aller Erscheinungen nach
Ursache und Wirkung und in natürlicher Grösse.«
(Eine unnatürliche Verkleinerung eines natürlichen
Vorbildes ist nicht Nachschaffung sondern Nach-
ahmung, und diese muss vermieden werden, weil
ja auch die Pflanzen sich nicht verkleinern lassen,
wie etwa im gemalten Bilde). In der Beschränkung
der vorbildlichen Natur auf die Landschaftsart, in
welcher der Garten liegt, im Gegensatz zur nur
»natürlichen« oder »idealisierten« Landschaft als
allgemeine Vorstellung, wie sie früher »aesthetische«
Garten-Lehren aufstellten, erblicke ich einen wesent-
lichen Fortschritt zu richtiger Garten-Gestaltung;
die Willkür ist beschränkt zu Gunsten vernünftiger
Erwägung, welche viele Fehler der heute geübten
»Landschafts-Gärtnerei« künftig vermeiden wird.

Während der aussermenschlich-natürliche Inhalt
des Gartens bestimmt wird durch seine Lage in
einer der drei genannten Haupt-Formen der Land-
schaft mit ihren jeweiligen geologischen Besonder-
heiten — »müssen die künstlerischen Formen der
Menschen- Werke der eigenartigen Volkheit ent-
nommen werden, in deren Gebiet der Garten liegt«.

Die »natürliche« Bauweise einer Heimat-
Genossenschaft spiegelt Sitten, Lebensweise, ge-
schichtliche Überlieferungen wieder, wird aber auch
durch die Landschaftsart bestimmt, z. B. je nach
dem Baustoff, der zur Verfügung steht oder je nach
den Zwecken, die unter verschiedenen Einflüssen
der Landschaft erfüllt werden müssen. Regel-
mäßig zu erwartende Stürme, Schneemassen, Über-
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