Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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INNENDEKORATION

rtEIN-STOLZ

XIV. MHRGflllG.

Dcirmffcidt 1903.

DezemBeR-HEFT.

Gefellius, fcmdgren und Saarinen.

Die jungen Architekten, deren Werke hier zu-
nächst in einer etwas einseitigen Auswahl
dem Leser vorliegen, haben — in der Form
einer Künstler-Dreieinigkeit — während der letzten
fünf Jahre in schnellem Laufe eine seltene Aner-
kennung errungen, welche ihre Namen weit über
die Grenzen des entlegenen Haimatlandes geführt
hat. Indem der Verfasser dieser Zeilen die Auf-
gabe übernimmt, die Bilder mit Text zu begleiten,
so glaubt er sich derselben am Besten erledigen zu
können, wenn er den eng bemessenen Raum zu
einigen Bemerkungen benützt, welche das Ver-
ständnis dieser Kunst durch eine kurze Darlegung
ihrer Voraussetzungen und Ziele erleichtern wollen.

Im Anfang des XIX. Jahrhunderts existierte
die finnländische Kunst nicht einmal als geträumte
Möglichkeit bei den Wenigen, welche damals in
Finnland den idealen Wert der Kunst theoretisch
zu schätzen wussten. Zwar baute seit 1816 der
deutsche, in seinem Vaterlande wahrscheinlich —
und gewiss mit Unrecht — ganz vergessene Architekt
J. C. L. Engel, ein Studiengenosse Schinkels, in
einem klassischen Empire-Stil die offiziellen Ge-
bäude, welche bis auf den heutigen Tag der Haupt-
stadt Finnlands ihr Gepräge verliehen. Es dauerte
aber mehr als ein Vierteljahrhundert nach seinem

Von Profeilor 3. 3. Cikkcmen Bellingfors.

Tode (1840), ehe man von finnländischen Architekten

sprechen konnte. Die Stiftung des finnländischen
Kunst-Vereins im Jahre 1846 ist gleichbedeutend
mit der Geburt der finnländischen Malerei, auch
die Skulptur wurde erst ein Jahrzehnt später durch
den noch lebenden schwedischen Bildhauer C. E.
Tjöstrand bei uns eingeführt. Vom Anfang an
stark beeinflusst von dem hohen Patriotismus jener
Tage, welche so gewaltig aus den Dichtungen
eines Runeberg und Toftelius uns entgegenflammt,
stellte sich zwar die finnländische Kunst gleich in
den Dienst der vaterländischen Ideen. Abgesehen
von dem Inhalte kann aber trotzdem von etwas
spezifisch Finnischem darin kaum die Rede sein.
Die volle Kraft der paar folgenden Künstler-
Generationen wurde in Anspruch genommen, um
die junge Kunst zu einem europäischen Niveau zu
erheben. Die Erziehung derselben in ausländischen
Kunstschulen, erst hauptsächlich Kopenhagen, Rom
und Düsseldorf und seit den siebziger Jahren haupt-
sächlich Paris, war nicht geeignet die Selbständigkeit
der finnländischen Kunst zu verstärken. Auch darf
es nicht vergessen werden, dass die Künstler, wie
die eben genannten Dichter, vorläufig zumeist aus
der höheren, schwedisch sprechenden, skandinavisch
gebildeten Volksklasse hervorgingen. — Vertreter

1903. XII. 1.

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