Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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13* INNEN-DEKORATION.

Reformen im flusftellungs-Wefen und die Vertretung deuffcher Kunff

in St houis 1904.

Im März-Hefte der > Deutsche Kunst u. Dekoration «
veröffentlicht Alexander Koch abermals eine
prinzipielle Darlegung über Reformen im Aus-
stellungs - Wesen, welche gegenwärtig um so mehr
geeignet sein dürfte in kunstgewerblichen Kreisen
Beachtung zu finden, als die bevorstehende Welt-
Ausstellung von St. Louis diese Frage wieder in
ein akutes Stadium versetzt hat. Wir wollen daher
nicht versäumen, einige Kern-Sätze aus diesen
Ausführungen hier zu wiederholen:

»Als ich im Oktober iqoo in einem Schluss-
Aufsatz über die »Pariser Ausstellung« den Wunsch
und die Hoffnung aussprach, dass mit dieser Aus-
stellung überhaupt der Schluss für Welt-Ausstell-
ungen gemacht würde, da glaubte ich, dass ausser
den ausstellungsmüden Künstlern und Industriellen
auch die verschiedenen Kultur-Nationen dieses ein-
sehen und beherzigen würden. Ich bedaure daher
im allgemeinen, dass schon wieder eine internationale
Ausstellung nach üblichem System auf dem Plane
erscheint, an der sich auf speziellen Wunsch des
Kaisers auch Deutschland in hervorragender Weise
beteiligen soll, aber wir haben bereits viel zu viel Aus-
stellungen ! Zweck für Künstler und Publikum haben
meines Erachtens nur internationale Spezial-Aus-
stellungen. Hinzu kommt, dass der pekuniäre Erfolg
für den Einzelnen ausbleibt und man allgemein
ausstellungsmüde ist. Mit dem bisherigen Aus-
stellungs-System müsste auf alle Fälle gebrochen
werden! Die Ausstellung von Darmstadt war die
erste, die nach ganz neuen Prinzipien inszeniert
wurde, und zwar nach Reform-Vorschlägen, wie ich
sie seit der Chicagoer Ausstellung des Öfteren in
meinen Zeitschriften niedergelegt habe. Sie war
die erste Ausstellung, die der ganzen Welt zeigte,
wie man belehrend und anregend zugleich ausstellen
könne, sie zeigte Zweck und Programm der Aus-
stellung und war vorbildlich für Turin, wo man
dasselbe Programm — nur international — wieder-
gab, ohne dabei irgend etwas wirklich Neues gezeigt
zu haben. Und nun kommt 1904 St. Louis; im
selben Jahre Haag (II. Internationale dekorative Aus-
stellung), das rührige Dresden mit einer Jubiläums-
Ausstellung, — die Münchener ist allerdings in-
zwischen gescheitert — also nicht weniger als drei
Ausstellungen in einem Jahre, und überall möchte
man doch unsere zwei Dutzend deutsche Gewerbe-
Künstler würdig und erfolgreich vertreten sehen.

Jetzt aber die Kardinal-Frage: was soll Deutsch-
land in kunstgewerblicher Beziehung in St. Louis

ausstellen? Selbstverständlich soll es doch nur die
moderne Richtung sein. Dies könnte sich nur dann
rentabel gestalten, wenn nach einem ganz bestimmten
Programm verfahren würde. Dieses mein Programm
habe ich bereits in dem früheren Aufsatze im An-
schlüsse an die Pariser Welt-Ausstellung dargelegt.
Ich fasse es hier nur noch einmal kurz zusammen:
Jeder der beteiligten deutschen Staaten errichtet
seine eigenen modernen Gebäulichkeiten, und sorgt
für deren mustergiltige Ausstattung und Einrichtung
mit seinen eigenen Kunst-Werken und Industrie-
Objekten. — Sehr wünschenswert wäre es, wenn
die Leitung der St. Louiser Ausstellung noch eine
Finrichtung treffen könnte, dahingehend, dass die
Haupt-Industrie-Erzeugnisse sämtlicher Nationen,
nach Branchen geordnet, in hierzu eigens und zweck-
mässig ausgestatteten Räumen, nochmals kollektiv
vorgeführt würden. Durch diese Methode wäre es
somit ermöglicht, dass man die Erzeugnisse einer-
seits in künstlerisch und lebendig durchgebildeter
Umgebung in ihrer Anwendung sehen und gleich-
zeitig in anderen Räumen, zu Fachgruppen vereinigt,
eingehender in den technischen Details und den
verschiedensten Farbstellungen studieren, anderer-
seits auch daselbst seine Einkäufe abschliessen
könnte. Wie verlautet, soll dieser von mir früher
schon gegebenen Anregung in St. Louis Folge
gegeben werden. Unsere kunstgewerbliche In-
dustrie würde davon jedenfalls grosse Vorteile haben.
Es liegt ja auch auf der Hand, dass eine nach solchen
Prinzipien gegliederte Ausstellung allen Fachleuten
des Kunst-Gewerbes, der Bauthätigkeit etc. einen
ungleich grösseren Nutzen gewähren muss, als die
nach immerhin veralteten Grundsätzen arrangierten,
mit ablenkendem Beiwerk überladenen und obendrein
noch sehr unvollständigen Ausstellungen, die man
— Darmstadt ausgenommen — bisher inszeniert hat.

In den Abteilungen der einzelnen Länder wäre
trotzdem Gelegenheit geboten, in organischer Ver-
bindung mit den Ausstellungs-Bauten und -Objekten
auch für die Unterhaltung und Abwechslung zu
sorgen: hier lassen sich Theater und Spezialitäten-
Bühnen, Restaurants, Bade-, Turn-Anstalten etc.
errichten, selbstverständlich auch diese nach refof-
matorischen und modern-künstlerischen Gesichts-
Punkten. —■ Möge es also unserem Vaterlande,
möge es vornehmlich dem Reichs-Kommissar Ge-
heimerat Lewald vergönnt sein, in St. Louis die
langersehnte That folgen zu lassen: »Die Kunst-
und Kunstgewerbe - Ausstellung unserer Zeit! —
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