Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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INNEN-DEKORATION.

Zur künftlerilchen Gestaltung des Gartens. III

(Schluss.)

Ist es nun ein Widerspruch, »Kunst-Wasser« im
Natur-Garten zu verwerfen und den doch auch
» künstlichen « Brunnen zu billigen ? Der Brunnen,
in einfach ländlichen Landschafts-Formen ist ein
natürliches Menschen-Werk, es dient einem der
früh befriedigten Urbedürfnisse. Das Kunst-Wasser
dagegen mit seiner architektonischen Fassung will
selbst Kunst-Werk sein, will herrschend die nächste
Umgebung sich unterthan machen. Während ein
Dorf-Brunnen der künstlerisch-natürlichen Um-
gebung des Gebäude-Kunst-Werkes harmlos sich
einfügt, will das Kunst-Wasser seine nächste Um-
gebung in architektonische Formen schlagen, also
^ie durch unsere Natur-Anschauung überwundene
künstliche Garten-Form zum Teil wieder aufleben
lassen. So löst sich der scheinbare Widerspruch
lm Sinne unseres grundlegenden Stil-Gesetzes.

Ähnliches gilt von anderen Naturdingen, die
^ir durch nur natürliche Menschen-Werke ersetzen
Füssen, wenn wir einen bestimmten Zweck erreichen
Sollen, für welchen die uns erwünschten Natur-
Werke nach Lage des Gartens unglaubhaft sein
würden. Fels-Bildungen im Garten der Ebene z. B.
können durch altes Gemäuer ersetzt werden, das
eben als Rest ursprünglicher und natürlicher
^enschen-Thätigkeit aufzufassen ist.

Für Gestaltung und Art der Felsen im Garten
lst in jedem Falle das in der Gegend natürlich
gewachsene Gestein vorbildlich. Boden-Gestaltung
und Fels-Bildung beruhen auf der erdgeschicht-
jichen Entwickelung der Landschaft, welche in ihren
lütlgsten Erlebnissen sorgfältig geprüft werden muss.
^icht immer ist es möglich, natürliches Gestein zu

verwerten; in diesem Falle sind künstlerisch natur-
wahre Nachbildungen berechtigt, wobei Schicht- und
Urgestein als unterschiedliche Vorbilder dienen.
Doch gibt es auch Gesteinsarten, die in Folge ihres
Baues, ihrer Entstehung und Farbe zwischen beiden
die Mitte halten, gleichsam neutral, als Fels schlecht-
hin wirkend, überall verwendet werden können, ohne
gegen die Natur-Wahrheit auffällig zu Verstössen. Es
sind die Lava-Gesteine und Tuffe der Eifel, welche
in Gärten weniger verbreitet sind, als sie es wegen
der genannten Eigenschaften und ihrer Leichtig-
keit verdienen. (Aus diesem Grunde gebe ich eine
Bezugsquelle an: Jacob Meurin, Andernach a. R.)

Grotten, Höhlen sind nur in Gebirgs-Gärten an
Berglehnen naturwahr. In der Ebene aufgemauert
sind sie widersinnig und Spielerei. Leider werden
sie sogar in öffentlichen Gärten, welche doch
vorbildlich richtig gestaltet sein sollten, auch jetzt
noch immer aufgebaut und sind neben anderen Ver-
stössen gegen echten Naturstil geeignet, urteillose
Beschauer in ihrem Selbstschaffen im eigenen
Garten zu verwirren, künstlerisch Empfindende
zum Spott und zur Verneinung der Garten-Gestalt-
ung als »Kunst« zu veranlassen. — Überall findet
man Sünden gegen die Natur und die Wahrheit,
die schwersten Sünden im Leben und in der Kunst;
so auch in der Wahl der Pflanzen. Dass eine Pflanze
noch so »schön« sei, ist nicht Grund genug dafür,
»dass sie in keinem Garten fehlen sollte«, wie es
immer in Anpreisungen heisst. Die erste Frage,
welche richtig beantwortet werden muss, ist die:
»Gehört eine uns erwünschte Pflanze in die Genossen-
schaft, welche der Landschaft des Gartens nach

1903. IV. 3.
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