Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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INNEN-DEKORATION.

wie viel an Gewicht und Material bei geringerem
Volumen gegenüber qualitativ entsprechendem
Natur-Holz erspart wird. Harrass bezeichnet sein
Fabrikat mit dem unglücklichen Namen Koptoxyl,
unter dem freilich kein Mensch mehr echtes Holz,
sondern weit eher ein Surrogat für solches vermutet.
Das Verfahren, das der Bereitung des Koptoxyls zu
Grunde liegt, ermöglicht übrigens gleich bei der
Herstellung der Platten eine Verzierung derselben
mit Intarsien und Flach-Reliefs. Da die Koptoxyl-
Platten eines Paneels auf einem Latten-Gerüst an
die Wand befestigt werden, welches jeder Tischler
leicht anbringen kann, so gestattet diese Konstruktion
dem Besitzer, seine Vertäfelung beim Umzüge von
einer in die andere Wohnung mitzunehmen, wobei
etwa fehlende Teile ohne grosse Schwierigkeiten
nachträglich zu beschaffen sind.

Zum Schlüsse sei noch, abgesehen von seiner
kunstgewerblichen Bewertung, der Bedeutung des
Koptoxyls für die hohe Kunst gedacht. Der Wunsch
eines jeden Kunst-Malers geht dahin, auf Holz zu
malen. Trotzdem sind die einst so bevorzugten Holz-

Gemälde mehr und mehr ausser Gebrauch ge-
kommen infolge der traurigen Erfahrungen, die man
mit alten Werken dieser Art gemacht hat. Das
Arbeiten des Holzes wird niemandem gefährlicher
als dem Gemälde. Die Unmöglichkeit, Holz-Tafeln
in der gewünschten Grösse aus einem Stück
herzustellen, nötigte zum Zusammenfügen einzelner
Bretter, zwischen denen mit der Zeit als Folge des
Arbeitens sich klaffende Fugen mitten im Bilde
zeigten. Diese Mißstände fallen bei der Verwendung
von Koptoxyl - Tafeln, die ja auch echte Holz-
Tafeln nur anderer Herstellung sind, fort.

Das Holz und seine gleichwertigen Ersatz-
Mittel sind jedoch vor allem das bei der künstlerischen
Ausgestaltung des Wohnhauses, ganz besonders des
bürgerlichen Wohnhauses, entscheidende Material.
Es ist deshalb auch die Grundlage für den Stil dieser
Ausgestaltung, welcher sowohl von der Material-
Wirkung wie von der Bearbeitungs-Technik der
Hölzer in stärkstem Maße beeinflusst wird. Deshalb
ist es für uns eine sehr wichtige Aufgabe, in die
substanzielle und technische Wesenheit der Hölzer uns
möglichst klaren Einblick zu verschaffen,
weil ohne diesen die moderne Entwickel-
ung unserer modernen Innen-Architektur
leicht auf den »Holzweg« geraten könnte.

Fritz Brüggemann—Aachen.

ENGLISCHE MÖBEL. Die hervor-
ragenden Darlegungen, welche im
Juli-Hefte Hermann Muthesius über »Eng-
lisches Mobiliar« gegeben hat, sowie unsere
kleinen voraufgehenden Hinweise auf S. 164
des Juni-Heftes entheben uns einer längeren
Abhandlung über die hier reproduzierten
Erzeugnisse von Wm. Bartlett & Sott in
High Wycombe und von James Cox <är" Son,
Limited, in London. — Beider Arbeiten
sind so recht kennzeichnend für den konser-
vativen Sinn im englischen Wohnungs- und
Möbelbau. — »Chippendale« und »Queen
Anne« ist und bleibt vorläufig die domi-
nierende Note, nur dass die führenden
Fabriken bezw. deren Künstler nicht bei
sklavischer Imitation stehen bleiben, son-
dern meist mit Erfolg bemüht sind, einen
Einklang mit den durch die modernen Ver-
hältnisse geänderten Ansprüchen herzu-
stellen. Nicht immer. Es gibt eben alte
Sachen, die so gut und abgeschlossen sind,
dass es wirklich gar nicht mehr möglich
ist, darüber hinauszugehen. Und wo man
nicht besser machen kann, da ändert man
klugerweise lieber überhaupt nicht. Bei
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