Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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INNENDEKORATION

XIV. MHRSflnS. Dcirmlfcidf 1903. AUGUST »HSFT,

Uloderne Kinderspiel- und Hrbeifs*Zimmer, IL

(Ergebnis des Preis-fluskhreibens der „3nnen=Dekorcirion" uom 10. flpril 1903.)

Unseren führenden Künstlern muss man zwar
zugeben, dass sie sich, wo ihnen Gelegen-
heit geboten wurde, stets mit Vorliebe für
eine schöne Gestaltung der Kinder-Räume bemüht
haben. Aber wie selten wurde ihnen diese Gelegen-
heit! — Im Allgemeinen herrscht auch in den ge-
bildetsten Kreisen immer noch die Ansicht, dass
die Raum-Verhältnisse, die Ausbildung der Möbel
und Geräte im Kinder-Zimmer künstlerisch gleich-
giltig wären, wenn sie nur den praktischen An-
forderungen entsprächen. Man ist da immer noch
geneigt, den kunst-erzieherischen Einfluss allein von
der hohen Kunst zu erhoffen und meint daher, sich
darauf beschränken zu dürfen, das Kinder-Zimmer
mit guten Farben-Lithographieen, Holz-Schnitten,
Bilder-Büchern auszustatten. Und in dieser Be-
ziehung wird ja auch schon sehr Gediegenes und
Billiges geboten; wir nennen z. B. nur noch die
Serie »Hundert Meister der Gegenwart« (Verlag
von E. A. Seemann—Leipzig), in welcher Blätter
Wie Lenbach's »Bismarck«, Liebermann's »Schul-
mädchen«, Franz Hein's »Gefangene Prinzessin«,
Frieses »Eisbären«, Uhde's »Heilige Nacht«, Albert
v- Keller's »Kinder-Studie« etc. wie für das Kinder-
Zimmer geschaffen scheinen. So ein Blatt kostet
nur i Mark und ist dabei in der Farben-Ausführung

1903. VIII. 1.

meist so durchaus künstlerisch, dass man leicht in
Versuchung kommt zu glauben, mit solchem Wand-
Schmuck sei der Kunst im Kinder-Zimmer genug
gethan. Allein die hervorragende Qualität und
die anerkennenswerte Billigkeit all' dieser Wand-
Schmuck-Mittel darf uns nicht dazu verführen, in
ihnen die Hauptsache zu erblicken. Das Wichtigste
und Entscheidende bleibt die Kinder-Stube selbst mit
ihrem Mobiliar und wir zweifeln nicht, dass die
»Innen-Dekoration« mit ihrem Wettbewerbe das
Ihrige dazu beitragen wird, dieser Überzeugung
in immer weiteren Kreisen Bahn zu brechen.

Wenn man eine so von echt deutschem Gemüt
durchhauchte Anlage wie Heckenberger's «Märchen-
Winkel« (III. Preis) oder auch wie Otto Müller's
»Giebel-Stübchen« oder den Entwurf des erst acht-
zehnjährigen Rieh. Elsässer genau betrachtet, so wird
einem erst klar wie viele künstlerische Möglichkeiten
das Kinder-Zimmer gewährt, und dass es gilt, das
Ganze künstlerisch zu beleben! — Die mit »Lobender
Erwähnung« bedachten Projekte von Albrecht und
Weber geben wir wegen Raum-Mangels in einem
späteren Hefte. Auch sie dürfen umsomehr auf den
Dank der Eltern, der Architekten und Praktiker
rechnen, als sie nicht nur für reiche Verhältnisse,
sondern auch für einfache Einrichtung besorgt waren.
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