Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

Page: 279
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1903/0309
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKORATION.

279

ALBIN MÜLLER (1903).

Schrank mit Wasch-Gelegenheit,
geschlossen. Kunst-Halle Dessau.

Das Bolz in der künfflerifchen Aus»
Haftung des Wohnhaufes.

Pas ernste Bestreben, welches das Kunst-
Gewerbe unserer Zeit beseelt und auch dem
Laien mehr und mehr zum Bevvusstsein
kommt, hat demselben allmählich mehr und mehr
Teilnahme in der gebildeten Bevölkerung erworben,
auch dort wo man den anfangs an Auswüchsen
reichen Versuchen früher teilnahmslos oder gar
spöttisch gegenüberstand. Inzwischen haben sich
die allzu stürmischen Draufgänger einigermaßen
ausgetobt, und wir sehen die jugendkecke Bewegung
in ruhigere Bahnen lenken, ohne darum von der
ursprünglichen Auffassung ihrer Bestrebungen ab-
zuweichen. Diese Tatsache erweist die Lebens-
Fähigkeit der modernen Bewegung überhaupt und
straft die Skeptiker Lügen, die ihr nach einem
kurzen, zügellosen Rausch gleich der geplatzten
Seifenblase ein spurloses Vergehen prophezeiten.
Heute ist es weiten und besonders den bemittelten
Kreisen unserer Bevölkerung zum Bewusstsein ge-
kommen, dass die moderne Bewegung in unserem
Kunst-Gewerbe tatsächlich einen eigenen Stil ge-
zeitigt hat, an dem man bei Neuanschaffungen, Neu-
bauten und Neuausstattungen nicht mehr schlecht-
hin vorübergehen kann, ohne dereinst dem Urteil
zu verfallen, seine Zeit nicht verstanden zu haben.
Ganz besonders bei der Innen-Ausstattung des
Hauses verlangt die neuzeitliche Bewegung ihre

besondere Berücksichtigung und hat Dank
der Darmstädter Ausstellung und ähn-
licher Veranstaltungen, sowie dem ziel-
bewussten Vorgehen bei der Ausstattung
öffentlicher Lokale grösserer Städte sich
mehr und mehr Freunde erworben.

Keine der modernen kunstgewerb-
lichen Absichten ist den weitesten Inte-
ressenten-Kreisen so in Fleisch und Blut
übergegangen als die Erstrebung der
Echtheit. Keine Täuschung soll unser
Auge verletzen, echt soll alles sein was
in Form und Farbe zu uns spricht, echt
vor allen Dingen das Material, echt und
gediegen. Dieses Verlangen hat besonders
bei der Innen-Ausstattung wieder eine
reichere Bekleidung der Wände mit Holz
in Form von Paneelen und ganzer Täfelung
gezeitigt, die aber wegen der Nachteile
und Kostspieligkeit dieses Materials dem
bürgerlichen Wohnhause von heute doch
noch wesentlich vorenthalten blieb.

Es dürfte an dieser Stelle ein Rück-
blick auf die historische Entwickelung der
Verwendung des Holzes zur Wand-Bekleidung nicht
ohne Interesse sein. Die romanische Zeit kennt
Wand-Bekleidungen aus Holz überhaupt noch nicht,
die Frühgotik nur in beschränktem Maße. Die
Zerkleinerung des Holzes geschah nur durch Spalten,

ALB IN MÜLLER.

Damen-Arbeitstisch, Rückseite.
Vorder-Ansicht obenstehe?id. *
loading ...