Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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INNENDEKORATION

ttEIN-STOLZ

XIV. SHHRSflnS.

Dcirmlfcidf 1903.

SUIU-HeST.

moderne Erker«, Fenffer« und eck-Hrrcingemenfs.

Per Erker hat zur Blüte-Zeit der Renaissance
seine grösste Verbreitung unter allen Stil-
Arten gefunden, hier erfüllte er auch beinahe
ausnahmslos einen Nutz-Zweck; wir finden ihn an
Strassen-Kreuzungen, oder an Häusern die eine
Aussicht auf öffentliche Plätze bieten. Von jenen
Ungetümen, in allen erdenklichen Formen über
die Ecke des Gebäudes gesetzt, wusste man nichts,
und gerade diese Stellung über Eck führt zu jenen
hässlichen Gebilden, welche die Strassen - Züge
Unserer Städte so karakterlos machen. — Selbst die
leidige Bau-Polizei mit ihrem bekannten Kunst-
verständnis hat hier dem Erker nicht durch Vor-
schriften entgegentreten wollen. Und was finden
wir im Innern? Der ganze »Kasten« oft mehr einem
V°gel-Käfig ähnlich als einem Wohn-Platz, wird
u>it Brettern verkleistert. — Hier andere Wege zu
bahnen, war der Zweck des Preis-Ausschreibens,
- es wird sicherlich auch befruchtend wirken.
Wir haben zwei Grund-Typen der Erker-
lauten zu unterscheiden: den über die Haus-Flucht
vorgezogene Erker als Raum-Erweiterung, dem
ich nur in den seltensten Fällen das Wort reden
uiöchte und den mehr oder weniger eingebauten
Erker durch Abtrennung im Raum selbst. Beim
ausgebauten Erker ist wie an keiner anderen
Stelle des Hauses die Forderung berechtigt: den

inneren Ausbau eher zu projektieren, als das Äussere.
Bei der Projektierung von Aussen mit der Fest-
legung der Fassade, was leider beinahe allgemein
geschieht, haben wir stets die laternenartigen Durch-
brechungen der Wand-Fläche mit gleich hohen
Fenstern und Brüstungen, dazu Auflösungen in
Fenster und schmale Pfeiler und dazu noch die
unglückseligen Roll-Laden-Kasten, welche eine
künstlerische Durchbildung des Raumes meist un-
möglich machen. Daran sind auch sehr viele der
Konkurrenz-Teilnehmer, trotz sonst guten Leistungen
gestrauchelt. — Die in diesem Hefte abgebildeten
Entwürfe geben direkt Belege für diese Aus-
führungen. Bei allen Arbeiten, die ein tieferes
künstlerisches Empfinden zeigen, ist die Anordnung
derartiger Fenster-* )ffnungen vermieden und hier
zeigen sich unsere Innen-Künstler, dem Hochbau-
Architekten überlegen, sie sagen sich das: »wir
wollen innen wohnen, — also zuerst der Raum!
Dann für's Publikum die Fassade, die, ich sage es
nachdrücklich, immer zu lösen ist«. — Er schafft
nur eine Licht-Quelle, so Elsässer mit dem nischen-
artigen Ausbau eines Fensters und dem inneren
Einbau; dass der ungenannte Künstler mit diesen
Schwierigkeiten gekämpft hat, beweist sein Grund-
Riss: er legt die grössere Fläche nach Aussen dem
Fenster an und gewinnt so Seiten-Licht, oder auf

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