Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 14.1903

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INNEN-DEKORATION.

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RICHARD MULLER—WIEN.

Entwurf eines bewohnbaren Vorplatzes. II. Preis So Mark.

BEWOHNBARE VORPLÄTZE waren das
Thema des von uns zum 1 o. Mai ausgeschriebenen
Wettbewerbes, dessen Ergebnis im gegenwärtigen
Hefte vorliegt. Wie bei allen unseren Konkur-
renzen , so hatten wir uns auch in diesem Falle
bemüht die Aufgabe im engsten Anschlüsse an die
Praxis zu stellen. Die enorm steigenden Mieten
zwingen auch die besser situierten bürgerlichen
Kreise mehr und mehr den bewohnbaren Raum zu
vergrössern und also auch den Vorplatz heranzu-
ziehen. Hierzu Mittel und Wege zu zeigen, war
der Zweck unseres Preis-Ausschreibens, der in einigen
der dabei mit Auszeichnungen bedachten Arbeiten
als erreicht gelten dürfte, mitunter sogar in sehr
hübscher Weise. Die Schwierigkeit lag darin, den
Vorplatz seines eigentlichen Karakters nicht zu ent-

kleiden, ihn aber doch zur gelegentlichen Entlastung
des Familien-Wohn-Zimmers oder auch als Warte-
Zimmer geeignet zu machen. Mit Recht haben
daher die Urheber der besten Entwürfe das Haupt-
Gewicht auf eine klug ausgedachte Grundriss-
Disposition gelegt und teilweise auch das Kamin
zur Erhöhung der wohnlichen Stimmung heran-
gezogen. Viele sind aber daran gescheitert, dass
sie die Funktionen des Vorplatzes mit dem eines,
wenn auch nur gelegentlich benutzten Wohn-Raumes
nicht künstlerisch in Einklang zu setzen wussten.
Meist war der Vorplatz-Karakter so sehr verwischt,
dass, wie z. B. bei den sonst gut gelungenen Ent-
würfen von Steiner, Bolz, Klattig u. a. die Haupt-
Funktion des Raumes übersehen und statt dessen
allzusehr der Zimmer-Karakter betont wurde.
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