Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INNEN-DEKORATION

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ARCHITEKT PROFESSOR MAX LITTMANN SCHMUCKHOF IM KURHAUS BAD KISSINGEN

DAS NEUE KURHAUS IN BAD KISSINGEN

ERBAUT VON GEH. HOFRAT PROF. MAX LITTMANN-MÜNCHEN

In dem durch seine Heilquellen und Bäder geschätzten
königlichen Bad Kissingen hat innerhalb einer ge-
samten Bauperiode von etwa 10 Jahren Geheimrat Prof.
Max Littmann im Auftrag des Bayrischen Staates eine
Reihe bemerkenswerter Neubauten geschaffen, die Bad
Kissingen nunmehr auch im Hinblick auf bauliche Anlage
und neuzeitliche Kur-Einrichtungen den Wettkampf mit
den übrigen deutschenWeltbädern ermöglichen. Als letzte
dieser Neuanlagen, die ein Kurtheater, eine große Tennis-
anlage mit Garderobehäuschen, ein Brunnenhaus für den
"Maxbrunnen«, eine große Trink- und Wandelhalle usw.
umfassen, wurde das prächtige neue Kurhaus, der so-
genannte »Regentenbau«, vor kurzem fertiggestellt.
Auch diese neue Schöpfung Littmanns zeigt wieder die
glänzende Begabung des Architekten in der Bewältigung
solcher großzügiger Aufgaben: äußerste Klarheit und
Übersichtlichkeit in der Disposition des Grundrisses, eine
geniale Durchführung der Gesamtanlage wie aller Details
in technischer Hinsicht und eine ungekünstelte Art in der
formalen Behandlung, die jeden überflüssigen Prunk ver-
meidet und in der Innenraumgestaltung den Schwerpunkt
darauf legt, durch harmonische Raumverhältnisse und
wohlabgewogene Farben- und Materialwirkungen eine
vornehme und wohltuende Raumstimmung zu erzielen. —
Die Abbildungen dieses Heftes führen die Haupträume
des Regentenbaues vor. Das Hauptvestibül ist ganz

in Weiß gehalten, das von dem Gelb und Grau der
Marmor-Brüstungen und -Sockel, dem Dunkelbraun der
Eichentüren, einem Deckengemälde Jul. Mössels in der
über den Doppelsäulen der Galerie sich wölbenden Kuppel
und den dekorativen Stuckfüllungen über den Türen
unterbrochen und belebt wird. An das Vestibül schließt
sich der große, über 1000 Personen fassende, 16 m hohe
und 36,5 m lange Festsaal. In diesem Räume hat Litt-
mann einen Musik- Saal geschaffen, wie er in solcher
Vollendung zur Zeit wohl einzig dasteht. Auf Grund der
guten Erfahrungen, die Geheimrat Littmann mit der
durchgehenden Holzverkleidung sowohl im Münch-
ner Künstlertheater wie in der zweiten Bühne des Stutt-
garter Theaters im Hinblick auf Akustik wie auf vor-
treffliche Materialwirkung machte, wurden Wände
und Pfeiler des Festsaales ganz mit warmtonigem Kirsch-
baumholz mit schwarzen Einlagen vertäfelt. Auch die
mächtige Decke des Raumes, der durch die tiefe Kasset-
tierung nicht nur eine vortreffliche akustische Wirkung
gesichert, sondern zugleich auch jede Schwere genommen
ist, ist in Holz ausgeführt, das mattgrau gebeizt wurde.
Interessant gelöst ist das Problem der Lüftung des Saales
durch einen unter der Decke sich hinziehenden, schmalen
Fries mit einfachem Gitterwerk. Einen überaus ange-
nehmen Ruhepunkt für das Auge bietet die vornehm-
ruhige Vertäfelung der elliptischen Orchesternische; ein

1913. VIII. 2
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