Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

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Wettbewerb um einen tNonumentalbrnnneiTfür Kempten.

76. Südseite des St. tNangplatzes in Kempten; rechts der von <£. Pfeifer projektierte Brunnen (s. Abb. 89 u. 90).

Besondere Rücksicht mußte de»; Umstande zugewendet
werden, daß nur eine geringe lVassermenge zur
Speisung des Brunnens zur Verfügung steht.

Das Preisgericht erkannte den ersten Preis dem
Bildhauer Georg A) r b a für seinen Entwurf
„Schwaben" zu. hiermit ist diesenr Künstler die
Ausführung des Brunnens mit die Summe von
50000 M. übertragen. 3n öie Summe der beiden
anderen Preise P500 und j000 M.) teilen sich
gleichmäßig pubert Netzer mit seinem Modell
„Die Nornen" und Ignaz Taschner mit dem
Entwurf „Bischof voti Allgäu."

Das Urteil eines Preisgerichtes wird selten all-
gemeine Anerkennung finden, das liegt in der Natur
der Sache. Um so schwieriger aber gestaltet sich
dann das Aint der Jury, wie in dem vorliegenden
Falle, wenn die Zahl tüchtiger Arbeiten eine so
ansehnliche ist. Und dennoch wird der objektive

77. Umgebung des St. tNangplatzes in Kempten; Straßenzug
vom Rathaus nach Südosteu. Maßstab ; : 4000.)

Betrachter der Entscheidung in dieser letzten Kon-
kurrenz ohne erhebliches Kopfschültelit beistimmen
I können. Bei der künstlerischen Bedeutung der ein-
zelnen Mitglieder dieser Iuryp ist nicht anzunehmen,
daß in der Beurteilung wesentliche für die end-
gültige Ausführung und Aufstellung maßgebende
Momente unberücksichtigt geblieben wären.

U) r b a gibt uns ein reizendes Tempelchen, das
den eigentlichen doppelschaligen Brunnen, den die
Figur des hl. Magnus krönt, unrschließt. Die vier
Eckpunkts des Unterbaues betonen vier auf Ein-
hörnern, pirschen und ähnlichem Getier reitende
Meerweibchen, Einzelkompositionen von ganz enb
zückender Gestaltung, die unwillkürlich an des Künstlers
prächtige Bronzestatuetten Diana und Europa der
vorigjährigen „Ausstellung von Kunst im Handwerk"
eriititern. Auch hier ist an eine Ausführung in
Erz gedacht, ebenso wie bei der Figur des hl. Mag-
nus und dem Nixenkranz zwischen den beiden Becken.
Es steht außer allem Zweifel, daß der Brunnen
sich dem Platz sehr gut einfügen wird; ja er wird
ihm durch den reizvollen Aufbau erst eine aus-
gesprochene Physiognomie geben. Zweckmäßig frei-
lich dürfte es auch fein, durch einige gärtnerische An-
lagen, namentlich Sträucher, dem Brunnen selbst ein
passendes Milieu zu geben (Tafel 2 und Abb. 75.)

Mrbas zierlichem und detailliertem Aufbau
steht Taschners einfach massiger Entwurf gegen-
über. Auf einen: schweren Schaft, der sich aus

>) Das Preisgericht bestand aus folgenden tjerren: Mini-
sterialrat vr. v. Mehner als Vorsitzendem, den Akademie-
profefforeu (Lberle, v. Ruemann, v. Thierfch, Nngerer,
dem Bürgermeister der Stadt Kempten, tjochler, und dem
Architekten L e i ch t l e in Kempten.

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