Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

Page: 279
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Kleine Nachrichten.

(Kfetne Nachrichten.

(Vereine, Wuseen, Schuten, -Auostettungen,
Mettijeweröe <?c.

ine Vereinigung für angewandte Runst hat
sich Mitte April zu München gebildet in der
Absicht, gegenüber ähnlichen Unternehmungen wie
die gescheiterte Ausstellung (90^, die Anschauungen
und Wünsche kräftig zu vertreten, welche im Schoß
der auf dem Gebiet der angewandten Aunst
schöpferisch tätigen Aünstler gehegt werden. Es gilt
eine schärfere Scheidung zwischen „Aunstgewerbe"
und „Aunstindustrie" und die Einbeziehung des
ersteren in den Rahmen der „Aunst"; damit sollen
für das Aunstgewerbe die gleichen Rechte errungen
werden, wie sie die Aunst besitzt in Bezug auf Ge-
währung von Ausstellungsgelegenheiten, auf
Erteilung behördlicher Aufträge, auf Unter-
stützung g e w e r b l i ch e r S ch u l e n, die im Sinne an-
gewandter Aunst angelegt und geleitet sind, in der Voll-
ziehung von Ankäufen für Vorbildersammlungen,
Museen rc. (Ja, wenn München nur erst einmal
ein kunstgewerbliches Museum besäße! D. Schriftltg.)
Auch will die Vereinigung auf stärkeren Schutz des
geistigen Eigentums hinwirken. Die neue
Vereinigung, die auf ein friedliches Zusammengehen
mit dem Aunstgewerbeverein hofft, hat sich zum
Ziele gesetzt die Förderung der „angewandten Aunst"
in fortschrittlichem Sinne und solidarische Stel-
lung nähme zu einschlägigen öffentlichen An-
gelegenheiten, besonders Ausstellungen; als Mit-
glieder können der Vereinigung nur solche Personen
angehören, welche auf dem Gebiet der angewandten
Aunst schöpferisch tätig sind. — Dem Aus-
schuß gehören an als Vorsitzender: Aeramiker I. I.
Scharvogel, als weitere Mitglieder die Maler
Frz. £}od}, Fritz Erler und Bruno Paul, Glas-
maler Aarl Ale, die Bildhauer Th. v. Gosen
und Perm. Mbrist, die Architekten p. E. v. Ber-
lepsch und Pros. Mart. Dülfer.

-?>er Verein Deutsche Frauenkunst, Berlin SW.,
Leipzigers!:-. 9(, zählt zu jenen Unternehmungen,
die hauptsächlich den Dilettantinnen ein Absatzgebiet
auf dem kunstgewerblichen Markte zu erobern suchen.
Man wird naturgemäß an derartige Veranstaltungen
nicht denselben Maßstab legen dürfen, wie an kunst-
gewerbliche Ausstellungen und Werkstätten. Freilich
ist anderseits die Bezeichnung „Frauenkunst" reichlich
anspruchsvoll und in diesem Fall sehr geeignet, die
gegen Frauenarbeit herrschenden Vorurteile zu ver-
stärken. Immerhin kann durchaus nicht alles hier
Gebotene schlechthin als minderwertig bezeichnet

^87. Lederfchnitteinband, Bibel, für die Peterskirche in Nürn-
berg entworfen von Wilh. Behrens, Nürnberg, ausgeführt
von F. F. tV ei n z i e rl, Neu-Pasing bei München. Beschläge
von 2t einicken & Lohr, München. (Vs der wirkl. Gr.)

werden. Namentlich unter den Stickereien ist manches
Stück anzutreffen, das in Sicherheit des Proportions-
gefühls, in richtiger Abschätzung der Materialwerte
und in Sauberkeit der Ausführung höher steht als
die Sachen, die bisweilen auf kunstgewerblichen Aus-
stellungen zugelassen werden. Neben Stickereien sind
namentlich Lederarbeiten, die unvermeidlichen Brand-
malereien, Aerbschnitt und alle jene Techniken ver-
treten, die auf Wohltätigkeitsbazaren vorzukommen
pflegen. Auch Reformkleider sind in das Repertoir
ausgenommen. Da die Leitung des Unternehmens
in erfahrener pand ruht, so ist keiu Grund vor-
handen, weshalb nicht auch Auustgewerbekünstlerinnen
von Ruf einen Versuch mit dieser Verkaufsstelle
machen sollten. Man wird freilich nicht vergessen
dürfen, daß dem Ganzen etwas von den Zufällig-
keiten des Lotteriespiels anhaftet, daß also aus einen
flotten und regelmäßigen Absatz nicht gerechnet
werden darf.

O

ein Schweizerischen Landesnruseum in Zürich

hat sein Direktor, Dr. Angst, eine großartige
Schenkung gemacht. Nachdem er der Eidgenossen-

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