Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

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Kleine Nachrichten.

„Fachschriflsteller" versteigen, das hat kürzlich der
„Kunstwart" (Nr. (5, S. 1^8) enthüllt, indem er
einen längeren Briefwechsel zwischen einem solchen
Schriftsteller und einem Goldschmied abdruckt. Zu-
treffender könnte das Gebühren dieser Sorte von
Schriftstellern nicht geschildert werden: wie da erst
Kunsthandwerker oder Zeichner durch allerlei ver-
führerische Aussichten zur Ausfolgung von Photo-
graphien oder Zeichnungen angelockt und dann ganz
allmählich und behutsam unter irgend einem Vor-
wand zur Zahlung eines Geldbetrages genötigt
werden, das könnte kein Romanschreiber drastischer
erfinden. Rat anderen Morten: wenn der Kunst-
gewerbler zahlt, ist der Schriftsteller bereit, für ihn
zu schreiben; daß damit auch die ehrliche Fachpresse,
die sich nur von sachlichen Gründen leiten läßt, in
Verruf gebracht wird, ist jener Art von Schriftstellern
natürlich einerlei.

Zur Abwehr hat der durch Veröffentlichung
des Briefwechsels ziemlich bloßgestellte Schriftsteller,
eine Erklärung in „Die Merkstatt der Kunst" gesandt,
ist aber damit vom Regen in die Traufe geraten;
denn die Redaktion dieses Blattes bringt gleichzeitig
weiteres Material bei, welches das Gebühren jenes
Schriftstellers keineswegs in erfreulicheren: Lichte zeigt.
— Nun ist es, solange Redaktion und Inseraten-
anhang für eine Tasche arbeiten, allerdings schwer,
wenn nicht unmöglich, sich von jeder Beeinflussung
des „Geschäfts" auf die Redaktion frei zu halten;
es gibt da nur ein Peilmittel: völlige Unabhängig-
keit der beiden Tätigkeiten von einander. N.

(Vom (Kücßermarßk.

onumentclbrutmen aus dem IZ. bis 18. Jahr-
hundert in Deutschland, (Österreich und der
Schwei;. Von Alfred peubach. Verlag von
Ehr. Perm. Tauchnitz, Leipzig, sst02 ff.

Man wird den künstlerischen Bestrebungen der
Gegenwart, die aus eine selbständige neuzeitliche Auf-
fassung und Formgebung abzielen, alle Gerechtigkeit
widerfahren lassen können und doch zugestehcn
müssen, daß wir von den Alten noch recht viel zu
lernen haben. In besonderem Maße gilt dies für
die Gestaltung und Aufstellung öffentlicher Denkmäler
und Brunnen. Wieviel aufwändigem Wollen be-
gegnen wir heutzutage in dieser Richtung, wie selten
aber wirklichem Gelingen! Ein allerneuestes Beispiel
für diese bedauerliche Tatsache ist der Rolandbrunnen
in Berlin. Obwohl in der Formensprache eines
alten Monumentalstils gehalten mit Verwendung be-
währter Motive volkstünllicher Kunst, fehlt ihn: doch
gerade das am meisten, was weit schlichteren, an-

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444. Brunnen im Kloster Maulbronn; verkleinert ans:

A. Heubach, Monnmentalbrunnen (vgl. nebenstehenden Text).

spruchsloseren Schöpfungen früherer Jahrhunderte in
hohem Grade eigen ist: echte Monumentalität. Auch
mit Permann Obrists modernen Versuchen, seinen
„Vermählungen von Wasser und Stein", scheint
UNS trotz der kritiklosen Lobeshymnen anmaßender
Phrasenschreiber die alte Brunnenkunst noch nicht
ganz überwunden zu sein. Es ist darum gewiß als
ein glücklicher Gedanke freudig zu begrüßen, daß ein
zeichnerisch gewandter Architekt es unternommen hat,
die reizvollsten und charakteristischsten monumentalen
Zierbrunnen, die innerhalb der Grenzen des deutschen
Sprachgebietes aus der Zeit vom (3. bis zum
18. Jahrhundert uns erhalten geblieben sind, in:
Bilde zu sammeln und zu veröffentlichen. Alfred
peubachs Werk, von dem die drei ersten Lieferungen
uns vorliegen, verspricht die dankbare Aufgabe in
vorzüglicher Weise zu lösen. Auf jeder der 60 Klein-
foliotafeln wird in der Regel ein Brunnen in ge-
nügend großem Maßstab wiedergegeben, zumeist in
geometrischer Darstellung n:it leichter Schattierung in
Federinanier, fast immer unter Beifügung der zun:
Verständnis der Anordnung nötigen Grundrisse. Nur
in vereinzelten Fällen tritt an Stelle der nach genauen
Aufnahmen gefertigten, strengen Aufrißzeichnungen,
die das Abgreifen aller Maßverhältnisse gestatten,
die freie (perspektivische) pandskizze. Einige Brunnen,

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