Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

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Kleine Nachrichten.

86. Modell von Georg Schreyögg; Architektur von Lchratz.

Aritik: Ja, aber der rohe Aerl da oben. Das
ist doch nicht die Art, wie inan den Vertreter unserer
heiligen Airche dein Volke darstellen soll.

Erklärung: Ich hätte wohl, wie das allgemein
geschehen ist, einen wohlbestallten Abt i»> Ornate
der Barockzeit hinstellen sollen? Nein, nicht beleibte
Abte brachten das Ehristentuni nach dem Allgäu,
sondern in grauer Vorzeit ein hagerer Mönch in
heiligeiii Eifer, ein wahrer Verkünder. Und einen
solchen sollte das Volk aus dem Marktplatz wieder
sehen. In diesem Sinne wollte ich volkstümliche
Runst machen. Ich denke, Sie sind so sehr für
Volkskunst?

Aritik: Ja, aber..

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(Meine Nachrichten.

(Vereine, Museen, Dchuken, Äue-
sielsungen, MekköewerKe gc.

ildhauer - Rünstler Verein zu
Hamburg. Unter dieseiii Namen
hat sich zu Anfang Oktober in Ham-
burg unter den daselbst lebenden Bild-
hauern ein Verein konstituiert, welcher
der Förderung und Wahrung künst-
lerischer Interessen dienen soll. Den
Vorsitz führt Otto Dobbertin
(„Aünstlerheim", Birkenau 2H); die
Ämter des Schrift- und Uasieführers
haben Herrn. Eornils, bezw. Leo
Leinweber übernommen.

R

ie Jubiläumsfeier des Hamburger
Museums für Runst und Ge
werbe am 30. September d. I. ist kein
Ereignis gewesen, das nur für Ham-
burg Bedeutung gehabt hätte, sie ist
auch kein Fest gewesen, das einem
Museum allein gegolten hat. Sie war
die Feier für das 25 jährige Bestehen
einer Anstalt, die, wie keine zweite
Deutschlands, für Begründung und
Weiterentwickelung der Wissenschaft
vom Aunsthandwerk gedient hat, sie
war die Ehrung für einen Mann, der
wie kein anderer hier für die Be-
gründung und Weiterentwickelung eines
lebendigen neuen Aunsthandwerks ge-
sorgt hat. Zu gleicher Zeit sind hier
I durch diese Anstalt und seinen zielbewußten Leiter
die zwei Bestrebungen erfüllt worden, die als die
hauptsächlichsten auf diesem Gebiete zu betrachten
sind: die Erhaltung des Alten, die Förderung des
Neuen, zwei Forderungen freilich, die so entgegen
gesetzt erscheinen, daß sie nicht allzu oft durch eine
und dieselbe Persönlichkeit Erfüllung gefunden haben.
Unzweifelhaft ist das Hamburger Museum für Aunst
und Gewerbe als wissenschaftliche Anstalt das beste
Deutschlands, weil es das systematischste ist. Wer
hier — und Schreiber dieses spricht aus persönlichster
Erfahrung —- seine kunstgewerblichen Studien be-
ginnt, braucht später sich nur noch wenig mit Lücken-
ausfüllung zu beschäftigen. Der Kunsthandwerker
aber hat hier immer gerade Vorbilder gefunden, die
er als neue brauchte, die durch die Weitsicht des
Direktors immer eher da waren, als der neue Stil

-zo
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