Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

Page: 161
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Kleine Nachrichten.

Meine (Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Schuten, -Äus-
Geltungen, MettöeiverKe <rc.

^ehr- und Versuchateliers für angewandte
^ und freie kirnst von f)erm. ©brift und
W. v. Debschitz. — Am 28. Februar sstOo
begann der Kursus für Anatomie, der bis
Ende Alai währt. Die Vorlesungen finden
jeden Samstag von 5—7 Uhr abends statt
und sind sowohl Schülern wie Nichtschülern
nach erfolgter Anmeldung zugänglich.

Den Hörern wird Gelegenheit gegeben,
selbstzeichnend die Konstruktion des menschlichen
Körpers zu entwickeln und so dein künstlerischen
Gedächtnis einzuprägen.

Bayer. Gewerbemufeum zu Nürnberg
wird vom 2. März bis April der
UI. kunst-gewerbliche Meisterkurs unter Leitung
von Richard Riemerschmid, München, ab-
gehalten. Der Zweck der Kurse ist die pflege
der neuzeitlichen Kunst in den Kreisen der
Nürnberger Kunsthandwerker.

$

^ pisstelluug „Die Pflanze in ihrer dckora-
civeu Verwertung" im Runstgewerbe-
Mufeuin in Leipzig. Nachdem mehrere Zahre
lang das Streben der kunstgewerblichen Be-
wegung mehr in die Breite gegangen ist, als in
die Tiefe, bricht sich endlich im laufenden Winter
die gesundere deutsche Volksnatur wieder Bahn in
einein bewußteren Streben nach Sammlung und
Klärung. Am Schluß der Winterkampagne 1901/02
konnte man ohne Übertreibung sagen, daß es schwer
halte, noch eine Mittelstadt in Deutschland ausfindig
zu machen, die von der Bewegung nicht berührt
worden sei. Und wer Gelegenheit hatte, die nette
kleine Gewerbeausstellung des vergangenen Sommers
in Mannheim zu besuchen, dürfte zu der Über-
zeugung gelangt fein, daß das Verständnis für eine
gesunde Weiterentwicklung des neuzeitlichen Stils oft
in kleinen ©rten —: z. B. in den Leistungen des
Gewerbevereins Schwetzingen — sicherer und ziel-
bewußter hervortritt, als an ©rten, die mit mehr
Aufwand von Worten als von stiller Ausdauer und
tatkräftiger Geduld zu vermeintlichen kunstgewerb-
lichen Kunstzentren gestempelt worden sind.

Zm Zeichen der besonnenen Sammlung und
der tatkräftigen Geduld steht auch die Ausstellung
des Leipziger Kunstgewerbemuseums „Die Pflanze in
ihrer dekorativen Verwertung". Wer immer eine

27q. Uhr; nach Lnt-
wurf von Margar.
Junge, Dresden.

275. Eckschrank;

nach Entwurf von Ernst Walther,
Dresden.

27<* u. 275 ausgeführt von Schmidt & Müller, Dresdener Werk-
stätten für Handwerkskunst. der wirkt. Gr.) Muster gesch.

Ahnung davon hat, was alles unter dieser Bezeich-
nung zusammengefaßt werden kann, wird mit Be-
wunderung und sicherlich ohne Neid an die Arbeit
denken, die sich die Leipziger Ausstellungsleitung mit
ihrem so weitgesteckten Therna auferlegte. Diese
Arbeitsleistung ist um so höher zu bewerten, als
man stets das Ziel im Auge behielt, die Grenzen
des kunstgewerblichen Gebietes nicht zu überschreiten
keine rein künstlerischen Größen heranzuziehen, deren
Schwergewicht die Aufmerksamkeit von den auf-
strebenden jüngeren Kräften ableiten würde. Gin
eingehendes Studium des Ganzen wurde außerdem
durch den klar durchdachten und einheitlich durch-
geführten plan der Gruppierung erleichtert. „Die
natürliche Pflanze in künstlerischen Darstellungen",
„Das naturalistische Pflanzenornament", „Das stili-
sierte moderne Pflanzenornament", „Pflanzenstudien
aus kunstgewerblichen Fachschulen und Zeichenkursen"
und „Studienmittel" lauten die Gruppenüberschriften,
denen ergänzend noch eine „Retrospektive Ausstellung"
an die Seite tritt.

Naturgemäß überwiegt in der Abteilung „Blumen-
malerei" die Frauenhand. Gerade da, wo die Ge-

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Aunst und Handwerk. 53. )ahrg. Heft 6.

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