Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

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Kleine Nachrichten.

schlagewesens eine große Rolle. In allen Län-
dern, außer in Deutschland, stehen riesige Flächen
zur Verfügung, und man kann schon durch die
kolossale Größe des Plakats wirken. Dem deutschen
Plakat sind viel engere Grenzen gezogen. Die
Litfaßsäulen haben einen beschränkten Raum, und
die Rundung erschwert die Wirkung überdies. Um
so stärker wird die Forderung der Einfachheit und
Größe der Wirkung bei uns betont werden müssen,
damit überhaupt die Wirkung in die Ferne, auf die
vieles ankommt, eintritt. Aber selbst wenn das er-
reicht ist, ist damit noch nicht allen Forderungen
entsprochen. Denn ein Plakat soll nicht nur auf-
fallen, es soll sich auch einprägen, als Erscheinung
im Auge haften. Dieser Bedingung, glaube ich,
entsprechen Meyer Aassels Plakate. Es war hier
leider nicht möglich, eine Anzahl farbiger Proben
seiner Plakatkunst zu bieten, sie würden ineine Worte
sonst trefflich illustriert haben.

*

Die Mitglieder des „Bundes zeichnender Aünstler
in München" haben zu mir nie decidiert von ihrem
ästhetischen Programm gesprochen, ich habe jedoch
bei den Zwiesprachen in ihren Ateliers so mancher-
lei vernommen, was, wenn auch kein offiziell an
das Schild gemaltes Programm, doch eine innere
Überzeugung ist. Das, was ich beinr aufmerksamen
pinhorchen erlauschte, war ich bemüht, in den vor-
stehenden Sätzen, welche die Aünstler skizzenhaft zu
charakterisieren versuchen, wiederzugeben. Vielleicht
wird man mir zurufen: Dir erscheinen die Dinge
ihrer Aunst nur so durch den verführerischen Schleier,
den die Aünstler voller Raffinement darüber hüllten.
Es mag fein. Es kommt aber auch gar nicht dar-
auf an, daß die Dinge so sind, wie sie mir er-
scheinen; es kommt nur darauf an, daß sie so er-
scheinen. Man weiß es ja: Zn der Aunst gibt es
keine unbedingt gültige Wahrheit. Zn der Aunst
ist das Wahrheit, dessen Gegenteil auch wahr ist.


330. Zierleiste von ks. Bek-Gran, München.
(Original Eigentum des hauskunst-verlags von Btto Schulze-
.Köln, Darmstadt.)

(Meine Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Kchuken, Äuosieö'ungen,
MettkewerKe <rc.

er XIII. ordentliche Delegiertentag des Ver-
bandes Deutscher Runsrgewerbevereine hat

am März in Leipzig stattgefunden. Die Ver-
sammlung wurde begrüßt vom Vorstand des Leip-
ziger Aunstgewerbemuseums, Zustizrat Vr. Gensel,
— namens der sächsischen Staatsregierung von Ober-
regierungsrat Stadler, — seitens der Stadt durch
Oberbürgermeister Vr. Tröndlin — und vom Prä-
sidenten der Pandelskammer, Geh. Aommerzienrat
Zweininger. Nachdem Prof. v. Thiersch-
München als Verbandsvorstand den Dank ausge-
sprochen, wurde das Bureau gebildet mit Prof,
v. Thiersch und Zustizrat Geusel als Vorsitzenden,
Prof. Ginelin und Dir. Vr. Graul als Schrift-
führer. — Von den 33 Verbandsvereinen waren p
mit 25 Stimmen vertreten.

Der Vorsitzende Prof. v. Thiersch erstattete
kurzen Bericht über das letzte Verbandsjahr, indem
er für einzelnes auf die Verbandsmitteilungen verwies;
daraus gab Schatzmeister Merk Bericht über die
Aasse, die mit einem Aktivrest von H8s,8H M.
abschließt. Über die Betätigung des Verbandes bei
der Turiner Ausstellung berichtete p. E. v. Berlepsch,
wobei er die gelungene Durchführung der deutschen
Gruppe als einen Beweis für die Leistungsfähigkeit
des Verbandes hinstellte; er schloß mit dem Dank
an die Arbeitskoinmission und legte sein Mandat als
Vorsitzender des Arbeitsausschusses in die pände des
Delegiertentags zurück. Als Schatzmeister betont
Merk, daß das Mehrerfordernis von etwa 62000 M.
hauptsächlich durch die unerwartet rege Beteiligung
an der Ausstellung entstanden ist, die namentlich eine
bedeutende Erhöhung der Transportkosten nach sich
gezogen hat; er wandte sich schließlich an die Dele-
gierten mit der Bitte, bei den einzelnen Bundes-
regierungen auf Deckung des Defizits hinzuwirken. —
Nachdem der Vorsitzende v. Thiersch p. v. Berlepsch
und den übrigen Arbeitskommissären für ihre opfer-
volle Tätigkeit den Dank des Verbandes ausgesprochen
hatte, dankte Prof, pofsacker speziell dem Bayer.
Aunstgewerbeverein dafür, daß er seinen Aredit zur
Durchführung des Unternehmens zur Verfügung ge-
stellt hatte.

Über die Weltausstellung zu St. Louis sprach
der Reichskommissär, Geh.-Rat Lewald, indem er es
als sehr notwendig bezcichnete, die Anmeldungen
ohne Zögern zu vollziehen; er erwarte sich viel von
der Znitiative der Znteressenten. Eine Bemerkung,

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