Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

Page: 273
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Etwas über Bronzetechnik; ein Wort zur Abwehr.

473. Einband von Hübel & Denk, Leipzig. (*/8 b. ro. (Sr.)
Marmorleder mit Handvergoldung, grüner Stoffvorsatz. (Goethe,
Gedichte.)

Stwae über KronzeiechniK; ein
"Wort zur (AKweßr. (Von Lriiz
v. (Mkber.

-rst etwas spät wurde ich aufmerksam
gemacht auf einen Artikel in der Deut-
schen Goldschmiedezeitung vom \. Mai
d. 3., der sich mit dem „Niedergang
der Bronzetechnik" beschäftigt.

Die Aufschrift, welche Vr. peinr. pudor für
seine Betrachtung gewählt hat, wäre geeignet, jeden
freund unseres Runstgewerbes und speziell jeden,
der sich für eine so wichtige, mit der hohen Aunst in
engstem Zusammenhang stehende Bparte desselben
interessiert, mit ernstlichster Besorgnis zu erfüllen.
Glücklicherweise sind die von dein Herrn Verfasser
ausgesprochenen Befürchtungen nicht gerechtfertigt
und erfreut sich im Gegenteil heute die Bronze-
technik, besonders in Deutschland, einer so gesunden
Entwicklung, wie sie beruhigender kaum gedacht
werden könnte.

Bo begrüßenswert jede sachliche Aritik ist, könnte
es doch zu einer falschen Auffassung führen, wenn
die in dem vorliegenden Artikel aufgestellte Behaup-
tung von einem Rückgang der Bronzetechnik ganz
unwidersprochen bliebe.

<£s gibt wohl kaum eine künstlerische Technik,
über die so viel und so viel Ungereimtes schon ge-

schrieben worden ist wie über die Bronzetechnik —
mir will es scheinen, als ob der Zauber, mit dem
die frühere geheimnisvolle Aunst des Alchimisten
umgeben war, einen letzten Ausläufer in so manchen
Besprechungen der Vorgänge gefunden hätte, die sich
an die Arbeiten des Bronzegießers knüpfen. Die
merkwürdigen Erklärungen der einfachsten und jedem
Gießer bekannten Vorgänge und so manche Vor-
schläge zur Beseitigung dieses oder jenes Übelstandes
mußten dem wirklichen Fachmann wohl schon manch-
mal ein Lächeln abzwingen; greift doch der Bronze-
guß stark hinüber auf ein Gebiet künstlerischer Tätig-
keit, das abseits liegt von dem Wege, den die Themie
mit strenger Folgerichtigkeit festgelegt hat für andere
und weite Gebiete der Industrie, für Techniken, die
von allem Anfang an aufgebaut sind auf einer rein
wissenschaftlichen Grundlage. Der Gießer seinerseits
lebt zu sehr in der Werkstatt, als daß man von ihm
Geschick und Interesse erwarten könnte für Wider-
legung von Aufstellungen, die ihm, weil augenfällig
falsch, eines Widerspruches kaum wert erscheinen. —
Allen Ernstes fand ich wiederholt — sogar in Fach-
zeitschriften — Formmethoden als neue Erfindungen
angepriesen, die jeder Lehrling, jeder der nur einmal
flüssiges Erz in eine Form gegossen hat, für geradezu
kindlich halten mußte; Vorschläge, die nicht die
Ahnung verrieten von dem, was jeder Gießer wissen
muß über die Wechselwirkung zwischen der Form,
der von ihr verlangten Anschmiegsamkeit an das
Modell, den Bedingungen von Porosität und Festig-

474. Einband von Hübel & Denk, Leipzig. (>/8 d. w. Gr.)
Dunkelgrünes Marmorleder mit Handvergoldung. („Die Insel.")

Kunst und Handwerk. 55. Iahrg. Heft JO.

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