Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

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Dom Büchermarkt.

tnufeum verdankt ihm seine gegenwärtige Einrichtung;
von seinem über diese Sammlungen bearbeiteten
Aatalog ist leider bisher nur ein Band erschienen.
Garnier hat sich übrigens durch weitere Studien auf
dem Gebiet der Aeramik verdient gemacht: eine Ge-
schichte der Aeramik, ein Lexikon der Fayence, Werke
über das Porzellan von Sevres und voi: Mennecy
u. a. Außerdem hinterläßt Garnier Borstudien zu
anderen keramischen Publikationen.

Professor Rrüger, der Leiter der kunstgewerblichen
Lehr- und Versuchswerkstätte in Stuttgart, wird
am s. Oktober seine Lehrtätigkeit in Stuttgart auf-
geben und wieder nach München zurückkehren, wo
er bekanntlich die Leitung der „Bereinigten Werk-
stätten für Aunst im Handwerk" in fänden hat.
Professor Artiger, der allwöchentlich mit Urlaub zwei
bis drei Tage nach München kam, soll von der
württembergischen Regierung vor die Entscheidung
gestellt worden sein, sich entweder für Stuttgart
oder für München zu erklären, da die geteilte Tätig-
keit auf die Dauer nicht angehe; darauf entschied
sich der Aünstler für München.

(Vom (KücherrnarßL.

arl Eyrich. Aaufmännische Organisation im
pandwerk; ein Lehr- und pilfsbuch für die
gesaniten Aontorarbeiten des Handwerkers. Leipzig,
Berlag von L. E. poeschel. Preis (geb.) 2,^0 M.

Es ist leider eine bekannte Tatsache, daß in den
Areisen der Aunsthandwerker und Aleingewerbe-
treibenden immer noch die irrtümliche Anschauung
stark verbreitet ist, eine Buchführung sei überflüssig
und verteuere nur den Betrieb, da es bisher ohne
ein Hauptbuch, Aasfenbuch u. s. w. auch gegangen
wäre, wobei die Aufzeichnungen in einem Notizbuch
oder dergleichen vollkommen genügt hätten. Dem ist
aber nicht so. In jedem einigermaßen geordneten
Betriebe, und wenn er auch noch so klein ist, sollte
mindestens die einfache Buchführung eingeführt fein;
denn nur durch eine ordnungsgemäße Buchführung
wird es möglich fein, sich zu jeder Zeit ein Bild
über seinen Bermögensstand zu machen und zu kon-
statieren, ob nicht mit Berlust gearbeitet wird. Wer
daher auf Ordnung in seinem Geschäfte sieht, wird
nicht zögern, eine Buchführung einzurichten, zu deren
Anlage er in dem oben genannten Buche die nötige
Anleitung erhält.

Dieses Buch ist leicht verständlich geschrieben,
enthält einfache Schemen aus der Praxis und be-
handelt das Rechnungswesen, die Aalkulation, das

Lohnwesen mit Stundenlohntabelle, die einfache
Buchführung, das Wechselrecht, die Aorrespondenz
sowie das Mahn- und Alageverfahren in kurzer,
übersichtlicher Weife; es kann daher dessen Anschaffung
jedem Aunsthandwerker bestens empfohlen werden,
da auch der Preis dafür ein mäßiger genannt wer-
den muß. 8.

einrich pudor, Laokoon, Runsthiftorische

Essays. Leipzig, Permann Seemann Nach-
folger. \902.

Für fein neuestes Buch hat peinrich pudor
einen etwas anspruchsvollen Titel gewählt, ein Trik,
der nicht iinmer sehr empfehlenswert ist; denn nur zu
leicht wird die Aritik dadurch veranlaßt, auch ihrer-
seits von vornherein an das betreffende Buch höhere
Anforderungen zu stellen.

Der moderne „Laokoon" zerfällt in drei nach
Form und Inhalt sehr ungleichwertige Teile: Lao-

koon oder Gedanken zu einer Lehre vom Aunst-
schaffen (S. f—53), 2. Laokoon und die Aunst der
Renaissance (S. 53—f39), 3. Laokoon und die moderne
Aunst (S. f 39—253).

Der erste, kürzeste Teil bringt wenig Neues;
aus einer Reihe ästhetischer Systeme wird durch
einige persönliche Nüancen, Umstellungen und Ver-
schiebungen eine neue „Lehre vom Aunstschaffen"
zusammengezimmert, die in vielen ihrer Resultate
wenig Anspruch auf Originalität, noch weniger je-
doch auf allgemeine Gültigkeit hat. Die Art und
Weise aber, wie die einzelnen Gedanken vorgebracht
und aneinander gereiht werden, hat sicher den Vor-
zug der Alarheit und Verständlichkeit auch für einen
größeren, nicht speziell vorgebildeten Leserkreis. Über-
raschend wirkt dabei allerdings gar manches herbe
Urteil, das mit einer staunenerregenden Plötzlichkeit
und Sicherheit auftritt; als Pröbchen nur das Urteil
über Dürers Apokalypse auf S. 52: „Die
meisten Darstellungen sind als Aunstwerke völlig ge-
schmacklos, sind keine Aunstwerke" u. s. w.

Der zweite Teil von pudors Ausführungen be-
schäftigt sich mit der „Aunst der Renaissance", und
zwar mit Beschränkung auf Italien. Auch hier ist
es trotz mancher originellen — und mancher sonder-
baren — Idee im Grunde genommen wenig Neues,
was wir erfahren, nichts Überwältigendes, Bleibendes.
Am besten ist vielleicht noch der Abschnitt über „das
Leonardosche (!) Abendmahl" ausgefallen, wenn sich
auch hier wieder manches findet, was zum Wider-
spruch herausfordert. Ein Vergleich gerade dieses
Aapitels mit dem einschlägigen Abschnitt von peinrich
Wölfflins Alassischer Aunst ist äußerst lehrreich, be-
sonders da, wo pudor seine eigensten Theorien zum

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