Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

Page: 107
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Unterschlagung der geistigen Autorschaft.

t82. Tapete; Entwurf von Thea wittmann, München.

eben geschilderte, sind un-
schwer zu vermeiden. Der
Bayer. Aunstgewerbeverein
hat es seit einem halben
Jahrhundert sich zur Regel
gemacht, bei den in seiner
fjaüe ausgestellten Werken
der Kleinkunst stets neben
den Namen des Verfertigers
auch den des Autors zu
setzen, wenn überhaupt eine
Arbeitsteilung stattgefunden
hat, und es kann allen
Musterzeichnern ic., die nicht
in fester 5tellung bei einem
Aunsthandwerker beschäftigt
sind, nicht genug empfohlen
werden, bei Ausstellung der
nach ihren Entwürfen aus-
geführten Dinge auf Nennung
ihres Namens zu dringen.

Daß es in dieser ksin-
sicht selbst die „Vereinigten
Werkstätten für Aunst im
Handwerk" zu München
etwas leicht nehmen, hat
die Türmer Ausstellung ge-
zeigt, wo Dutzende der köst-
lichsten 'Kleinarbeiten ein-
fach unter dem Sammel-
namen „Vereinigte Werk-
stätten" ausgestellt waren,
während man vergeblich
nach den Künstlernamen
suchte. And doch wurde
es bei dieser Vereinigung von Anfang an als
Grundsatz verkündet, den Aünstlern durch Nennung
ihres Namens die ihnen gebührende Ehre zukommen
zu lasten. — Anderseits hätte man bei manchem
komplizierten Möbelstück der „Ver. Werkst." wohl
das Bedürfnis, zu erfahren, welcher Handwerks-
meister über solch bedeutendes technisches Aönnen
und so viel Erfahrung verfügt, um die material-
widrig entworfenen Möbel dennoch solid auszuführen;
denn nicht selten ist hier die „Aunst" des Hand-
werkers achtunggebietender als die des „Aünstlers".

Es wäre sehr dankenswert, wenn die Aunst-
gewerbevereine unausgesetzt darauf hinwirkten, daß
bei Ausstellungen und Veröffentlichungen niemals
die Namen derer unterdrückt werden, denen ein
wesentlicher Anteil an der Entstehung eines Werkes
der Aleinkunst zukommt. Wie die Wirkung des
Ehrgefühls ein wichtiger Faktor bei der militärischen

Erziehung unseres Volkes ist, so wird auch — da
heutzutage doch das persönliche Moment ein bedeut-
sames Wort mitzusprechen hat — das Aunsthand-
werk nur Vorteil davon haben, wenn den damit
Beschäftigten die Ehre zuteil wird, die ihnen ge-
bührt. — Vielleicht gäbe das Thema Anlaß zu
einer Beratung auf einem Delegiertentag der deut-
schen Aunstgewerbevereine. 6.

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