Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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Zubleiben, und sie werden daher zunächst den Gewerbe-
schulen und der Weltausstellung die größteAufmerksamkeit
zuwenden müssen. Wir bedürfen einer Jnstitution, die
uns mit dem Weltverkehre in Verbindung setzt, und eine
svlche ist die Weltausstellung. Die in Wien projek-
tirte Ausstellung wird ja ohnehin nicht eine Weltausstel-
lung sein, wie jene in Paris und London waren, denn
Oesterreich ist nur eine enropäische, keine Weltgroßmacht.
Dkan kann von hier wohl die ganze Welt zur Beschickung
auffordern, aber man kann gewiß sein, daß nur ein kleincr
Theil der transatlantischen Welt sich betheiligen wird.
Aber selbst im ungünstigsten Falle wird eine Menge des
Lehrreichsten und Sehenswürdigsten in Wien zusammen-
stießen, und vor Allem werden wir in der Lage sein, unsere
eigencn Leistungen vollständig auszustellen, was bisher
nicht der Fall war".

Nrltrologe.

—v. Der Architekt Ferencz Schulcz, einer unserer Mit
arbeiter, ist nach längeren Leiden am 25. Oktober erst 32
Jahre alt in Pest gestorben. Ein begabter Schüler von Fr.
Schmidt in Wien, benntzte er seine Stndienrcisen in Jtalien,
Frankreich, Spanien und seiner österreichischen Heimath mit
regem Eifer zur Erforscbung und Aufnahme mrttelalterlicher
Baudenkmale. Er bcabsichtigte, die wichtigsten der noch wenig
bekannten Kirchen und golhischen Profanbauten Spaniens,
von denen er ausgeführte Skizzen heimgebracht, in einer
Folge von Heften herauszugeben. Erschienen ist nnr das erste
Heft: Gerona, auf Grund dessen ihn die Akademie von Ma-
drid zu ihrem korrespondirenden Mitgliede ernannte. Außer-
dem hat Schulcz auch zu verschiedenen kunstwissenschaftlichen
Journalen, zu den „Mittheilungen der k. k. Central-Kom-
wision" und zu unserer Zeitschrift werthvolle literarische Bei-
träge geliefert, welche er mit streng und sorgfältig ausgcführten
Abbildungen baugeschichtlich interessanter Denkmäler illustrirte.
Die ungarische Regierung betraute den jungen Künstler mit
der Restauralion dcs Schlosses Bajda Hunpad in Sicben-
bürgen, zu welcher die Zeichnungen in Fr. Schmidt's Atelier
angefertigt wurden. Wenige Monate vor seinem Tode wurde
Schulcz zum Professor am Ofener Polytechnikum ernannt.

* Gcorg Saal, Prof. und großherzogl. badischer Hof-
Maler, ist am 3. Oktober zu Baden-Baden im Alter von
52 Jahren am Schlagfluß geslorben. Saal war in Koblenz
geboren, gehörte nach Bildung und erster Entwicklung der
Düsseldorfer Schule an, lebte aber in späteren Jahren ab-
wcchselnd in Paris und Baden-Baden. Sein hauptsächliches
Feld waren Darstellungen der nordischen Natur, deren Fjords,
Gebirgslandschaften und Phänomene er mit kräftigem Natura-
lismus in gewissenhafter, meisterlicher Ausführung wiederzu-
geben wußte.___

LniMtkralnr mid Kuiisthandll.

Rudolf Weigel's Kunstauktion. Die in Folge des Krie-
ges hinausgeschobene Versteigerung der noch übrigen Abthei-
lungen des R. Weigel'schen Nachlasses wird nunmehr in's
Werk gesetzt werden. Zunächst kommt am 28. November als
dritter Komplex der Hinterlassenschaft das Werk des D.
Ghodowiecki in 984 Nummern und die Privatbibliothek unter
ben Hammer. Letztere ist in drei Abtheilungen gruppirt: Maler-
radirungen in kompleten Folgen, Kupfer- und illustrirte
Werke und Bücher über Theorie und Geschichte der Kunst._

Luiistunterricht.

Oesterrcichisches Musenm. Das Programm der dies-
lährigen Donnerstags-Vorlesuugen, deren erste am 27. Oktober
klattfand, ist folgeudes: Dir. v. Eitelberger: „Die öster-
keichische Kunstindustrie und die Weltlage; Jahresbericht" (l
Aialj; Prof. Hlasiwetz: „Chemie der Thouwaaren" (2 Mal);
Prof. v. Lützow: „Die Tbouwaarenfabrikation der Athener"
s2 Mal); Prof. Exner: „Mechanik der Porzellan- und Thon-
Mdustrie (1 Mal); Prof. Conze: „Die Grabmäler der
Griechcn und RLmer" (l Mal); Custos Falke: „Ueber Aus-
aattung und Dekorirung vou Wohnungen" (4 Mal); Prof.

Schmidt: „Ueber den Ausbau der Stephanskirche" (1 Mal);
Prof. Schäffle: „Die volkswirthschaftlichen Voraussetzungen
der Hausindustrie" (2 Mal); Dr. Thausing: „Albrecht
Dürer" (5 Mal). Die Vorlesungen finden jeden Donnerstag
Abends von 6—7 Uhr im Museum statt. Cintritt gratis
gegen Karten, welche im Museumsgebäude zu haben sind.

^oilkurrenM.

* Wicner Schillcrdcnkmal. Der Einsendungstermin

für die Konkurrenzentwürfe bleibt auf Ende November fest-
gcsetzt, was mit Rückstcht auf die verschicdenen an das Komitä
gelangten Anfragen hier bemerkt werden mag.__

ptrloilaliiachrichtril.

L. Düsseldorf. Von den hiesigen Künstlern, welche den
Feldzug mümachen, hat sich der junge Historiemnaler Max
Volkhard bei der Erstürmung der Höhen von Spicheren den
6. August so ausgezeichnet, daß ihm das eiserne Kreuz ver-
liehen worden ist. Er steht als einjäbrig Freiwilliger im
39. Jnfanterie-Regiment und war bis zu seinem Eintritt in
dasselbe Schüler unserer Akademie. Sein Vater ist der be-
kannte Historien- und Porträtmaler Wilhelm Volkhard. Auch
ein Sohn des verstorbencn Thiermalers Sigismund Lachen-
witz, der hier als Photograph lebte und jetzt beim 57. Re-
giment steht, hat sich vor Metz die gleiche ehrenvolle Auszeich-
nung erworben.

Hcrman Grimm hat sich an der Universität zu Berlin
habilitirt nnd wird über Aesthetik lesen.

L. Der Gcheimc Rcgierungsrath Altgelt hat den
Vorsitz des Direktoriums der Königl. Kunstakademie zu DLssel-
dorf niedcrgelegt, ohne bisher einen Nachfolger gefunden zu
haben. Er ist jetzt wieder Mitglied des Kuratoriums der-
selben geworden, aus welchem er seit Uebernahme jener Stelle
geschieden war.

Proseffor Wilhelm Bkumer wurde in Anerkennung
seiner langjährigen Wirksamkeü am Stuttgarter Polytechnikum,
sowie der Verdienste, welche er sich um die Kunstindnstrie
theils durch die Herausgabe der „Gewerbehalle", theils durch
die Einrichtung und Leitung der Stuttgarter Kunstgewerbc-
schule erworbcn, vom Könige von Württemberg durch Ver-
leihung des Friedrichsordens ausgezeichnet. Jn Berichtignng
unserer neulichen Notiz heben wir zugleich hervor, daß W.
Bäumer nicht den Bau des Franz-Josephs-Bahnhofes, sondern
den des Nord-West-Bahnhofes in Wien übernommen hat.

* Au Stellc Prof. Albert Zimmermann's, welcher um
seine Pensionirung eingekommen ist, wurde einer seiner talent-
vollsten Schüler, Robert Ruß, zum supplirenden Professor
der Landschaftsmalerei an der Wiener Akademie der bildenden
Künste ernannt.

Aunstvrreiile, Sammlungen nnd Äusstcllnngen.

L. Dnffeldorf. Unsere kleine aber fchöne städtische Gemälde-
galerie ist um ein vortreffliches Historienbild bereichert worden
durch den Ankauf des neuesten Büdes von Albert Baur
„Christliche Märtyrer werden aus dem römischen Cirkus ge-
tragen". Dasselbe hat bci seiner Ausstellung hier und aus-
wärts die allseitigste Anerkennung gefunden.

Nudolf Ält hat im Wiener Künstlerhause eiue Aus-
stellung von über 200 seiner Aquarelle veranstaltet, welche
die ganze Entwickeluug des Künstlers vom Jahre 1829 an bis
jetzt repräsentiren. Außer den im Besitze des Meisters befind-
lichen Studien bildet eine Folge von Blättern aus der be-
rühmten Sammlung des Herrn Gsell in Wien den Hauptstock
der Ausstellung. Wir kommen ausführlich anf dieselbe zurück.

Vrrmischte Lunstiiachrichteil.

* Franz L. Ruben hat von seinem jüngst beendcttn Stu-
dicnaufenlhalt in Rom außer einer Menge trefflicher L-tudien,
Entwürfe und Kopieu ein Bild heimgebracht, welcheS den
Rückzug Tilly's vom Schlachtfelde am Lech in zahlreichen, mit
minuliöscr Feinheü ausgeführten Gestalten schildert und wegen
seiner koloristischen Verdienste in den Wiener Kunstkreiseu freu-
diges Aufsehen erregt. Wir sehen den langen Heereszug von
rechtsher aus dem Hintergrunde des Bildes an dem Beschguer
vorüberschreiten: Offiziere, Trompeter, Arkebusiere, Pikeniere,
Konstabler mit Geschütz; inmitten des Zuges wird der auf
den Tod verwundete Feldherr, der Bezwinger Magdeburgs,
getragen; nebenher schreitet ein Mönch, Gebete murmelnd.
Ein sahler, grauer Ton durchzieht das von einer Fllll- meister-
haft ausgeführter Details belebte Ganze. Das Büd ist Eigen-
thum des Hrn. Hauschild in Prag.
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