Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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Nachlasse noch vorfanden. Das Meiste unvollendet.
Viel gesanimeltes Material, die Manuskripte aber
durch vieles Hineinkorrigiren schwer zu lesen, besonders
die kunstgeschichtlichen Arbeiten.

So fanden sich:

1) Kurzgefaßte Geschichte der Kupferstecherkunst.

2) Die Kupferstecherkunst in ihrer Entwickelung und Aus-

breitung.

Drauiatisches:

1) Die Kaiserkroue.

Heinrich der Stolze. Volksschauspicl. Enthaltend
die Geschichte des Jahres 1138 in Deutschland
(zur Widmung dem Könige von Bayeru bcstinimt),
ist zum größten Theil in Reinschrift vorhanden.

2) Colombo. Eine Zauberkomödie (sollte unter dem

singirten Namen E. Bernard erscheinen).

3) Der Falke. Schauspiel in I Akt. Die Jdee ist einer

Novelle des Boccaccio entlehnt (vollständig in Rein-
schrift.) F- Metz.

ttrkrologr.

L. Karl Josef Litschauer, Maler in Düsseldorf, starb
nach längeren Leiden den 8. August 1871. Als Sohn eines
Beamten am 1. März 18.10 in Wien geboren, erhielt er seine
künstlerische Ausbildung auf der dortigen Akadeinic und ün
Atelier Waldmüller's uno kam 1850 nach Dnsseldorf, wo er
fich dauernd niederließ. 1864 wurde er zum Mitgliede der
königl. Akademie der bildenden Künste in Amsterdam ernannt
und erhielt von derselben die große goldene Medaille. Seine
vielen Bilder behandeln theils Scenen ans dem Leben der
Jäger und Wilddiebe, der Falschmünzer, Alchymisten, Wafsen-
schmiede, theils tragen sie einen mehr kriegerischen Charakter
und bringen fliehcnde Mönche, Soldaten im Hinterhalt und
ähnliche Gegenstände zur Anschaunng. Nicht gerade von
ungewöhnlicher Begabung zeugend, fanden ste doch durch
lebendige Auffassung bei guter Zeichnung und Farbe in wei-
testen Kreisen bcifätlige Ancrkennung und wcrden des Künst-
lers Namen in ehrenvollem Andenken erhalten.

— r Friedrich Jakob Gsell, der^bekannte Wiener Kunst-
freund und Galeriebesitzer, ist am 20. Sept. seinen langwierigen
qualvollen Leiden im 60. Lebensjahre erlegen. Seine Sammlung
auserlesener Gemälde steht unter deu privaten Kunstschätzen
der Hauptstadt in erster Reihe, wie ste denn auch Waagen
einer eingehenden Besprechung gewürdigt hat. Der Verstorbene,
der sich sein bedeutendes Bermögen im Wollhandel erworben,
den er jedoch bereits seit Jahren nicht mehr betrieb, erstand
nicht nur treffliche moderne Bilder (Danhauser, Waldmüller,
Pettenkofen, Schmitson, Couture, Troyon, Decamps rc.)
sondern auch höchst werthvolle ältere Originale (Rembrandt,
Hals, Ruysdael, Hobbema, Tizian rc.). Gsell war ein ge-
borener Straßburgcr und hatte in früheren Jahren oft die
Absicht geäußert, seine Vaterstadt zum Erben cinzusetzen. In
neuerer Zeit hieß es wieder, er habe nicht nur alle seine
Bilder, sondern auch sein gothisches Haus (Wien, Schmöllerl-
gasse 3) zu einer Stiftung vereint und der Gemeinde der
Hauptstadt geschenkt. Wir werden sonach wohl in den nächsten
Tagen erfahren, ob Wien ein nicht zu ersetzender Verlust oder
ein wirklich seltener Gewinnst bevorsteht.

LmiMrratur unö Luiisthandrl.

* Unter dcm Titel „Ansichten vom Kriegsschauplatze"

hat Fr. Bruckmann in München ein Album mit 93 Bl.
Photographien der Schlachtfelder, eroberten Festungen oder
von den deutschen Truppen besetzten Orte Frankreichs heraus-
gegeben, welche ein interessantes Gesammtbild der Bühne
darstellen, aus der sich die Weltereignisse des letzten Jahres ab-
gespielt haben. Die Reihenfolge beginnt mit Weißenburg und
endigt mit Versailles. Wir vcrmissen die Schauplätze der
Kämpfe an der Loire unb um Belfort. Vielleicht werdeu sie

später besonders erscheinen. Die Bilder zeichnen sich durch
geschickte Wahl des Standpunktes und Schärfe der Aufnahmc,
sowie durch ihre geschmackvolle Appretirung innerhalb eines
matt gedruckten, mit Kriegsemblemen verzierten Rahmens,
vortheiihaft aus.

* Unter dem Titel: „Photographische Resultate dcr
archäologischen Expcdition nach Aegypten" veröffentlicht
I)r. Johannes Dümichen in Berlin (bei S. P. Christmann
vaselbst) eine Sammlung vou 73 photographischen Aufnahmen
altägyptischer Denkmäler, welche der von demselbeu Autor vo:
zwei Jahren publicirten Jnschrifiensammlung zur Ergänzung
dient. Ein ähnlichcs photographisches Album aus dem alten
Nillande habeu bereits Bicomte de Rouge und Vicomte de
Banneville als Resultat ihrer 1864 ausgefllhrten Expedition
herausgegeben. Die dort u. a. auch vertretenen Denkmäler-
stätten von Abydos, Edfu und Philae fehlen in der Dümichen-
schen Sammlung, welche dagegen die von Banneville nicht
berücksichtigten Grabkammern von Sakkarah und die Räume
des Tempels von Dendera, sowie überhaupt besonders schwie-
rige Aufuahmen von Jnnenwänden ganz oder halbgeschlossener
Räume vorzugsweise in Betracht zieht, so daß beide Werke
sich gegenseitig zu Hilfe kommen. Den mit Untcrstützung des
Kaisers Wilhelm ausgeführten trefflichen Anfnahmen giebt
Dümichen eincn kurzen erläuternden Text bei, welcher sich
nicht blos an die wenigen Vertreter altägyptischer Forschung,
sondern an die weiteren Kreise des gebitdelen Publikums wen-
det, denen Bereisung des Landcs oder historisches Studium ein
tieferes Jnteresse an den ältesten Zeugen menschlicher Kultur
eingeflößt hat.

Die Doubletteii der Kupferstichsammliing des kgl.
Museums zu Lerlin sollen in mehreren Bersteigerungen dem
öffentlichen Meistgebot ausgesetzt werden. Die erste Ver-
steigerung dieser Art findet vom 30. October bis 9. November
nnter Leitung des Kunsthändlers Rud. Lepke statt. Der
Katalog dieser ersten Abtheilung, welcher Rembrandt und seine
Schule und die von Bartsch in kelntre-gruv'eur beschriebeuen
Meister umfaßt, ist von I. E. Wessely tresslich redigirt und
deutet schon durch seine splendide und geschmackvolle typo-
graphische Ausslattung an, daß es sich hier um größtentheils
werthvolle Blätter in gesuchten Abdrucksgattiingen handelt. Die
Zahl dcr ausgebotenen Stiche, Nadiriiugeisi und Holzschnitte
bcläuft sich auf 1949. (Vergl. das Jnserat).

Lnnstvereim, Sammlungen »nd Äusstrllungen.

Der Kvliiischc Kunstvercin zählte uach dem jüngst vor-
gelegten Recheuschaftsbericht im Jabre 1870 2047 Aktionäre
uud 646 ausgestellte Kunstwerke. Verkauft wurden 134 der-
selben, welche einen Gesammtwerth von 24,486 Thalern re-
präsentirten. Die Bilanz pro 1870 stellt sich wie folgt: ein-
geuommen wurden 45,473 Thlr. 28 Sgr. 9 Pfg., ausgegebeu
34,177 Thlr. 8 Sgr. 3 Pfg. Es verbleibt mithin ein Üeber-
schuß von 11,296 Thlrn. 20 Sgr. 6 Pfg. — Jn diesem Jahre
wird „Rothkäppchen", nach dem Gemälde von Bosch, gestochen
^ von Fr. Dinger, im nächsten (1872) „Karl V. bei Fugger",
nach Karl Beck er'sBild gestochen von Fr. Zimmermann in
München, als Nietenblatt zur Bertheilung kommen.

Vennffchtc Lunstnachrichtcn.

K. Köln. Jn der jüngsten Zeit sind aus dem Atelier
des Professors Mohr außer einer Reihe von Heiligenfiguren
am Südportal des Domes noch hervorgegangen : eine Madouna
am Schäben'schen Hause, dem Dom gegenüber, die Stand-
bilder des Aristoteles und Albertus Magnus an der Haupt-
fgsüde des neuen Bibliothekgebüudes. Sämmtliche Skulpturen
bekunden die hohe Meisterschaft des Künstlers.

Zritschristkn.

Alitllitzilniitzeu «lar k. Ir. Oeiilial-Ooiiiiiiissi«-». 8ex-
tembor — October. ^

6es Llittelalters in IZötimeii. Von iZ. 0 rneder. (I?ort8St2un§). (iVlit
37 llol/.solinitten). — HVanäeruii«6n öuroli iieAsnZbuiK. (k'ortsstLunx).
(Llit 6 Hol28oIinitt6n). — L6iträ§6-ünr uiittolktltsrliolion Sxlira^istik.
Von Or. L. b-inci. (Llit 3 Ilol^solinittsn). — Ljn. llalssolnnuolc aus
l?oIens Vor26it. Von Lä. l?r6ili. v. Lirolron. (IVlit I Iloiirselinitt).
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