Frimmel, Theodor von [Hrsg.]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Seite: 24
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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. i.

de celle de Marseille.“ Dann noch „Tableau,
tire du Cabinet de M. Watelet.“ Das Watelet -
sehe Kunstkabinett wurde 1780 und 1786 ver-
steigert.*) 1835 gelangte Pierres Raub der
Europa als Geschenk der Frau Justina von
Hannenheim ans Hermannstädter Museum, wo
das Bild seither verblieben ist.

In Hermannstadt wird als Gegenstück
des erwähnten und anbei abgebildeten Raubes
der Europa ein Bild des Pierre beschrieben
(Nr. 877 in Csakis Katalog), das Venus bei
Vulkan darstellt. Wie es scheint, sind beide
Bilder tatsächlich Pendants. Sie haben gleiche
Flächenausdehnung, ungefähr die gleiche
Figurengröße und sind beide zu gleicher Zeit,
1835, durch dieselbe Spenderin Frau von
Hannenheim ans Hermannstädter Museum ge-
kommen. Soweit war die Angelegenheit bisher
bekannt. Ich füge noch hinzu, daß auch das
Gemälde mit Venus bei Vulkan alt ge-
stochen ist und zwar wie der Raub der
Europa von L. Lempereur. Auch wird der
Maler auf dem Stiche genannt. „Peint par
J. B. M. Pierre“ heißt es, doch fehlt die Angabe
des Besitzers. Dieses Werk, als „Forges de
Vulcain“ bezeichnet, mag gleich dem Raub der
Europa in Wat eiet s Kabinett gewesen sein.
Übrigens ist der Stich nicht Watelet gewidmet,
sondern dem Marquis de Marigny. Eine
kleine Photographie nach dem Stiche mit
Venus bei Vulkan kommt in der Reihe vor,
die vor vielen Jahren im Verlage von H. Hirsch
in Berlin N. erschienen ist.

Die beiden, durch alte Stiche beglaubigten
Bilder Pierres in Hermannstadt sind auf
Eichenholz gemalt und messen 63X85 cm.

RUNDSCHAU.

Baden bei Wien. Vor kurzem wurde dort
eine Kunstausstellung eröffnet. (Wiener
Tagesblätter.)

Berlin. Die Nationalgalerie hat ein
Jugendwerk von Menzel erworben: Bauplatz
mit Weiden. (K. B.) — Die deutsche Jahr-
hundert-Ausstellung wird in den meisten
Kunstzeitschriften gewürdigt. Beachtenswerte
Aufsätze standen auch in der „Deutschen
Rundschau“ und in „Westermanns illustrierten
Monatsheften“.

— Große Berliner Kunstausstellung
und Ausstellung der Sezession.

Darmstadt. Der Kunstverein für das
Großherzogtum Hessen hat eine Ausstellung
von Werken des Malers August Noack er-

*) Vgl. Duplessis: Les ventes de tableaux dessins,
estampes et objets d’art (1611--1800), Paris 1874,
S. 59 und 79. Die Kataloge jener Versteigerungen
waren mir bisher nicht zugänglich.

öffnet (160 Ölgemälde und 120 Zeichnungen).
J. J. Webers Illustrierte Zeitung, 19. April 1906.

Düsseldorf. Am 3. Juni will der Kunst'
verein für die Rheinlande und Westfalen ln
der städtischen Kunsthalle seine Jahresaus'
Stellung eröffnen, die zugleich das fünfund'
zwanzigjährige Bestehen des Vereines feiert.
Illustrierte Zeitung Nr. 3276.

Graz. Frühjahrsausstellung des
steiermärkischenKunstvereines(K.Chr.).

Hannover. Das Provinzialmuseum
hat vor einiger Zeit E. v. Gebhardts Bild:
Das letzte Abendmahl Christi, angekauft.

Karlsruhe. Als neuer Zuwachs zur groß'
herzoglichen Kunsthalle sind zu nennen
Bilder von Albert Haueisen, Karl Biese
und Otto Scholderer (D. K. f. A. S. 254).

Köln. Für den Sommer wird eine große
Kunstausstellung vorbereitet, die inner-
halb der Parkanlagen der Aktiengesellschaft
Flora in eigenen Baulichkeiten eingerichtet
wird. Die Ausstellung wird auch rückblickende
Abteilungen enthalten, u. a. eine für Empire-
kunst und eine für Kölner Bildnisse. (B. T.)

London. Der Nationalgalerie wurde
von der Witwe des Malers Watts ein Bild
dieses Künstlers aus dem Jahre 1847 geschenkt,
das „Echo“ (K. Chr.).

Monte Carlo. Die große Kunstaus-
stellung ist eröffnet und enthält eine ganze
Reihe vorzüglicher Gemälde. Man versteht die
gute Auswahl und Anordnung, wenn man
erfährt, daß L. Bonnat als Vorsitzender des
leitenden Ausschusses wirkt, daß der General-
sekretär Marius Pacquier sich um die Sache
lebhaft annimmt und daß eine Menge Künstler
von Rang dem „Comite de patronage“ ange-
hören, wie z. B. Laurent Alma-Tadema,
Carolus Duran, Ed. Detaille, Leempoels, P.
Michetti, Fritz Thaulow, um nur einige zu
nennen. (L. J. d. a. 4. April 1906.)

München. Die alte Pinakothek hat
vor einiger Zeit jenes männliche Bildnis des
Frans Hals erworben, das einige Jahre lang
im Mauritshuis des Haag leihweise ausge-
stellt war.

— Ausstellung der Sezession im Aus-
stellungsgebäude am Königsplatze. Der Kata-
log, schon in zweiter Auflage erschienen, ver-
zeichnet neben vielen plastischen Arbeiten
255 Nummern, die ins Gebiet der Malerei ge-
hören.

— Eine Reihe von Artikeln in den
Münchener Neuesten Nachrichten be-
schäftigt sich mit den Münchener Museums-
verhältnissen, bespricht das National-
Museum, die alte und neue Pinakothek und
verweilt besonders bei den Gemäldesamm-
lungen, an denen man vieles zu tadeln findet:
die Art der Ankäufe, der Aufstellung, den
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