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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0148

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serne wurde 1895 von der Stadtverordneten-
versammlung beschlossen. Schwere Kriegsbe-
schädigungen hinterließen den Portikus als Rui-
ne mit nur noch drei der ehern, sechs kannelier-
ten Säulen. Erst 1989 sind die Reste gesichert,
Teile erneuert und verschüttete Säulentrommeln
wieder freilgelegt worden.
Auch die Anlage des letzten, südlichen und
größten Parkabschnittes war in seinen wesentli-
chen Gestaltungsmerkmalen um 1900 abge-
schlossen. Hier liegt mit einer Fläche von 4,5
Hektar der größte Teich des Bürgerparkes mit
zwei künstlichen Inseln, von denen die östliche
einst über zwei filigrane Eisenbrücken mit dem
Ufer verbunden war. Erst 1974 wurde diese In-
sel durch Aufschüttung eines Dammes zur Halb-
insel - die beiden verrotteten Brücken wurden

abgebrochen. Nördlich des großen Südteiches
ließ Fr. Kreiß mitten in das Parkgelände einen
Festplatz in hippodromförmiger Gestalt anle-
gen, der jedoch schon bald - 1906 - durch den
Einbau von Tennisplätzen wieder verschwand.
Gleichzeitig wurde südlich der Tennisplätze ein
an der Goslarschen Straße abgebautes Fach-
werkhaus des 18.Jh. zur Weiternutzung als
Tennis-Clubhaus wiedererrichtet. Während die-
ses
Gebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde,
sind die beiden zusammen mit dem Fachwerk-
haus hierher versetzten Pavillons noch erhalten
(Friedrich-Kreiß-Weg 4). Die beiden kleinen,
auf einer Grundfläche von nur drei mal drei Me-
tern errichteten Bauten, liegen sich im Ein-
gangsbereich des um 1960 neu errichteten


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Charlottenhöhe 44, 1884/85, Arch. Pennigton & Bridgen


Charlottenhöhe 44, Kamin, 1884/85, Arch. Pennigton & Bridgen

Clubhauses gegenüber. Sie sind verputzt, zei-
gen dicht an die Gebäudekanten gesetzte Lise-
nen und haben jeweils einen rundbogigen Ein-
gang mit zweiflügeliger Tür und barock unter-
teiltem Oberlicht. Die Pyramidendächer sind
pfannengedeckt. Zu diesem in anspruchsvoller
Formenvielfalt gestalteten Eingangsbereich des
Clubareals gehört auch das schmiedeeiserne
Tor zwischen vasenbekrönten Sandsteinpfeilern
sowie die geschwungene, von Putten flankierte
Freitreppe, die ihre Funktion als repräsentatives
Entree zwar heute verloren hat, zusammen mit
den Pavillons aber immer noch einen Eindruck
von der Großzügigkeit der einstigen Anlage ver-
mittelt.
Der im äußersten Süden des Bürgerparkes von
Fr. Kreiß geplante Bau eines großen Gesell-
schaftshauses, umgeben von geometrisch or-
ganisierten Gartenanlagen, kam nicht zur Aus-
führung. Auf dem dafür vorgesehenen Gelände
befindet sich heute die Bezirkssportanlage
Jahnplatz. Der im Westen in einem Okerknie
aufgeschüttete „Scherbelberg“, heute Kreiß-
berg genannt, sollte nach Kreiß' Planungen ei-
nen künstlichen, aus der Oker gespeisten Was-
serfall erhalten. Auch dieses Projekt konnte
nicht realisiert werden. Die Steinquader, die
heute auf der Höhe des Kreißberges stehen,
sind erst 1927 dort aufgestellt worden. Viele
der in früheren Jahren regelmäßig ausgelichte-
ten Blickachsen, die besonders von den ver-
schiedenen Aussichtspunkten des Parkes im-
mer wieder reizvolle Aspekte gewährten, sind
heute zugewachsen. Die einst zusammenhän-
genden und aufeinander abgestimmten Struk-
turen der einzelnen Parkzonen sind auch aus
diesem Grunde heute nur noch partiell zu erle-
ben.
Bis über die Mitte des 19.Jh. hinaus war das
südlich der Bahntrasse gelegene Gelände bei-
derseits der Wolfenbütteler Straße von großzü-
gigen Parkanlagen bestimmt, die sich im Besitz
des Herzogshauses befanden. Zu den auch
heute noch existierenden Parks von Richmond
und Neu Richmond westlich der Straße gehörte
östlich, auf einer leichten Erhebung, die Char-
lottenhöhe, ein Landschaftspark von dessen
hochgelegenen Punkten sich Ausblicke auf die
im Norden liegende, vieltürmige Stadtsilhouette
ergaben. Nachdem unmittelbar nördlich davon
Anfang der siebziger Jahre des 19.Jh. die
Bahnlinie in Richtung Helmstedt vorbeigeführt
worden war, verlor das weiträumige Parkgelän-
de der Charlottenhöhe rasch an Attraktivität,
wurde parzelliert und Stück für Stück an Privat-
leute verkauft, die sich z.T. sehr großzügige Vil-
len auf diesem gestalteten Terrain errichten
ließen. Der Kaufmann Oskar Schneider erwarb
den weitaus größten Teil des um 1840 angeleg-
ten Landschaftsparkes und ließ sich, unter
weitgehender Beibehaltung der Gartenstruktur
und des Wegenetzes, 1884/85 auf dessen
höchstem Punkt eine Villa errichten (Charlot-
tenhöhe 44). Den Entwurf ließ der Bauherr von
den beiden englischen Architekten Pennigton &
Bridgen (Manchester & London) erstellen. Sie
entwickelten eine zweigeschossige Ziegelarchi-
tektur mit barock bewegten Fassaden, von de-
nen die westliche mit übergiebelter, Säulen- und
pilasterflankierter Mittelachse als repräsentative
Hauptfront herausgestellt ist. Das Grundriß-
schema ist dreiteilig: die beiden parallel ange-

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