Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0198

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Dibbesdorf, Alte Schulstr. 6, Hofanlage, 1866/67,


Broitzem, Steinbrink 8, Wohnhaus, 1880


Broitzem, Steinbrink 8, Scheune mit Schmiede, 1788


Zahl als Brinksitzer, Häuslinge und Kotsassen
der unterbäuerlichen Schicht angehörte,
während es zu dieser Zeit nur neun Ackerleute
im Dorf gab.
Broitzem lag vom 13. bis zum 18.Jh. dicht an,
aber außerhalb der Braunschweiger Landwehr,
die die Gemarkung des Ortes durchschnitt und
an die, direkt nördlich der Bahnlinie gelegen, ein
Gasthaus erinnert, das aus einem Wartturm
hervorgegangen ist der den Namen Rothen-
burg trug. Bereits in der zweiten Hälfte des
19.Jh. begann sich der bis dahin dörfliche Cha-
rakter des Ortes durch die Ansiedlung einer
Zuckerfabrik und einer großen Ziegelei zu än-
dern, eine Entwicklung, die sich durch die fort-
schreitende Industrialisierung und die Nähe
zum Stadtzentrum auch im 20.Jh. kontinuierlich
fortsetzte. Auf der dörflichen Bausubstanz la-
stete seit dem ausgehenden 19.Jh. ein starker
Veränderungsdruck. Er entstand zum einen
durch die vom Zuckerrübenanbau eingeleitete
wirtschaftliche Prosperität, die auf den Hofanla-
gen häufiger zum Bau neuer, komfortablerer
Wohnhäuser führte, zum anderen durch die zu-
nehmende Verstädterung, die zum Ersatz und
Umbau vieler älterer Wohn- und Wirtschaftsge-
bäude führte.
Der Kern der Siedlung liegt nördlich der Kirche
bis zur Oststraße und auf beiden Seiten des
Steinbrinkes zwischen Wiesenweg und Große
Grubenstraße. Hier hat sich, zusätzlich zur
Pfarrkirche, als Denkmalgruppe eine Hofanlage
erhalten, die als Dreiseitanlage für die Hofstruk-
tur der im Süden Braunschweigs liegenden
Dörfer typisch ist und die noch über ein hohes
Maß an historischer Substanz verfügt (Stein-
brink 8).
Der Steinbrink ist die den alten Ortskern von
Nord nach Süd durchlaufende Hauptstraße, an
deren Westseite die aus drei Gebäuden beste-
hende Hofanlage liegt. Der älteste Bau ist ein
zweigeschossiges, langgestrecktes Fachwerk-
gebäude, das die Hofstelle im Süden begrenzt
und in dessen teilweise massiv in Ziegel ge-
mauerten Erdgeschoß eine Schmiede unterge-
bracht ist. Das Gebäude hat zur Hofseite hin ei-
ne weit vorkragende Vorschauer und trägt auf
der Fußschwelle des Obergeschosses neben
einer Inschrift die Jahreszahl „1788“. Ein zwei-
geschossiges Wohnhaus, wohl aus der Mitte
des 19.Jh., begrenzt den Hofraum im Westen.
Das Ziegelgebäude mit Stichbogenfenstern ist
durch eine zum Hof offene Unterfahrt mit Ber-
geraum stumpfwinklig an den Fachwerkbau an-
gebunden. Um 1880 entstand auf der Nordsei-
te des Grundstückes, das hier mit dem Haus-
garten an die Brinkstraße angrenzt, ein neues
Wohnhaus, zweigeschossig, in Ziegelmauer-
werk, über quadratischem Grundriß und unter
einem allseitig abgewalmten Dach liegend. Das
an städtischen Wohnbauten der Zeit orientierte
Gebäude hat vor dem Eingang zur Hofseite hin
einen aufwendig verglasten und noch weitge-
hend original erhaltenen Windfang, dessen
Tragkonstruktion ebenso wie die gesamte Ein-
friedung des Grundstückes ein heute selten ge-
wordenes Beispiel kunsthandwerklicher
Schmiedearbeit darstellt. Die Hofanlage reprä-
sentiert in ihrer Gesamtheit und stellvertretend
für die anderen stärker veränderten Hofstellen
des Dorfes bäuerliche Architektur der Region

196
 
Annotationen