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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0211

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oder stark veränderter Architektur aus der Zeit
der Jahrhundertwende besetzt.
Lehndorf lag innerhalb der Braunschweiger
Landwehr, wurde aber dennoch während der
häufigen Auseinandersetzungen zwischen den
Herzögen und der Stadt im 16. und frühen
17.Jh. mehrmals zerstört, 1605 sogar ein-
schließlich Kirche und Pfarre.
Die heutige Kirche Lehndorfs ist das Ergebnis
einer umfassenden Erweiterung der alten klei-
nen Dorfkirche, die 1245 gegründet und in den
folgenden Jahrhunderten mehrmals zerstört
und wieder aufgebaut worden war (Große
Straße 27). 1902 vergrößerte der Architekt
Pfeifer unter Einbeziehung des westlichen Teiles
der alten Kirche den Bau nach Osten und Sü-
den, fügte im Norden eine Apsis hinzu und er-
hielt somit einen kreuzförmigen Grundriß, des-
sen Ausrichtung um 90° gedreht ist und in dem
der Altbau als Querschiff fungiert. Der trotz der
Vergrößerung immer noch relativ kleine, ge-
drungene Baukörper ist ganz aus Elmkalkstein
aufgeführt und in neuromanischen Formen ge-
staltet. Mit einer frei entworfenen Säulen-/Pfei-
lerarchitektur ist das Südportal gerahmt, in des-
sen Tympanonrelief das Lamm Gottes darge-
stellt ist. Ausgeprägte Jugendstilformen zeigt
dagegen die zweiflügelige, hölzerne Eingangs-
türe. Als bemerkenswertestes Relikt des Vor-
gängerbaues hat sich auf der Westseite des al-
ten Flügels über einer rundbogigen Türöffnung
ein kleines Kreuzigungsrelief mit Maria und Jo-
hannes erhalten, das wohl in das beginnende
16.Jh. zu datieren ist. Von der Ausstattung im
Innern des Baues ist die gut erhaltene Ausma-
lung von A. Quensen erwähnenswert. Sie zeigt
in der Apsis Weinranken und eine Christushalb-
figur und auf der Flachdecke des alten Flügels
der Kirche eine Darstellung des himmlischen
Jerusalem mit den vier Evangelisten. Die zwi-
schenzeitlich überdeckt gewesenen Malereien
wurden 1989/90 wieder freigelegt und restau-
riert.
Die Kirche bildet zusammen mit dem gegen-
überliegenden Pfarrhof (Große Straße 13) eine
Denkmalgruppe. Das Wohngebäude des Pfarr-
hofes ist ein stattlicher, zweigeschossiger Fach-
werkbau, der allseitig teils mit Schiefer, teils mit
Eternitplatten verkleidet ist. Der Bauzeit 1817
entsprechend, zeigt das Haus klassizistische
Fassadenteilung mit Mittelrisalit und Zwerchgie-
bel, mittigem Eingang und symmetrischer Fen-
steranordnung. Weiter zurückgesetzt, am Ran-
de einer kleinen Hoffläche, steht firstparallel mit
dem Wohnhaus die Pfarrscheune. Ihr Fach-
werkgerüst mit Ziegelausfachungen scheint nur
wenig verändert zu sein und ist wohl gleichzei-
tig mit dem des Wohnhauses errichtet worden.
Besonderen Charakter hat das einzige Beispiel
denkmalwerter bäuerlicher Architektur in Lehn-
dorf: Die Hofanlage Hannoversche Straße 40
wurde in den Jahren 1891 und 1892 am östli-
chen, zur Stadt weisenden Ortseingang neu er-
richtet. Sie besteht aus einem repräsentativ ge-
stalteten Fachwerkwohnhaus in zwei Geschos-
sen, einem ebenfalls zweigeschossigen Stall-
und Wirtschaftsanbau auf der Rückseite und ei-
ner großen StalF/Scheune, ebenfalls in Fach-
werk, in der Tiefe des Hofes gelegen. Beson-
ders das mit Mittelrisalit, Zwerchgiebel und

Lehndorf, Große Str. 27, Kirche, 1902, Hauptapsis


Lehndorf, Große Str. 27, Kirche, 1902, Arch. Pfeifer, Südansicht


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