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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0239

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sich dem Gottesdienst, der Arbeit und der
Klausur in ihrem Sinne widmen zu können.
Demnach gliederte sich auch der ummauerte
Klosterbezirk in Riddagshausen in zwei vonein-
ander getrennte Bereiche, die Wirtschaftsanla-
gen im Westen und die zum Konvent gehören-
den Bauten im Osten. In seiner ursprünglichen
Form befanden sich angrenzend an das westli-
che Langhaus der Klosterkirche und den Kreuz-
gang die Konventsgebäude, das Laienrefektori-
um, die Vorratsräume und die Werkstätten. An
den östlichen Kreuzgangflügel gliederten sich
die Sakristei, der Kapitelsaal und die Studi-
ensäle der Mönche, am südlichen das Refekto-
rium mit der Wärmstube an der einen und der
Küche an der anderen Seite an. Der Kreuzgang
selbst umgab den nahezu quadratischen Klo-
sterhof und das Brunnenhaus. Der von diesen
Gebäuden geprägte klösterliche Charakter ist
heute leider nicht mehr erhalten, da sie zwi-
schen 1856 und 1883 infolge der Renovierun-
gen durch die Äbte Ahlburg und Wiehe wegen
Baufälligkeit abgerissen wurden.
In gutem Zustand hat sich dagegen die über
Jahrhunderte hinweg weitestgehend von Zer-
störung und Umbauten verschont gebliebene,
ehemalige Zisterzienserkirche St. Maria (Klo-
stergang 65) erhalten. Der Bau der Klosterkir-
che erstreckte sich fast über das gesamte
13.Jh. und ist damit, den Architekturformen
nach, der Periode des Übergangs vom romani-
schen zum gotischen Baustil zuzuschreiben.
Baubeginn der gewölbten, dreischiffigen Pfeiler-
basilika war um 1212, die Weihe der Kirche er-
folgte gut sechzig Jahre später (1275). Trotz ih-
rer stattlichen Länge von 83 Metern und einer
Breite des rechteckigen Chores nebst Umgang
und Kapellenkranz von fast 30 Metern, ist die
Klosterkirche ein von außen schlicht gestalteter
Bau. Diesen Eindruck unterstützt auch die
zunächst angewandte Quadertechnik, von der
man sich bald abwandte und den Bau als Hau-
steinmauerwerk vollendete. Den auf einem
kreuzförmigen Grundriß aufbauenden Kirchen-
bau schmückt allein die Westfassade mit dem
doppeltürigen Portal und der Marienstatue (um
1270) im Zwickel über den von einem Zacken-
bogen überfangenen Türöffnungen. Das darü-
berliegende große Maßwerkfenster von Paul
Francke, von dem auch der Dachreiter aus dem
17.Jh. stammt, wurde nach Zerstörungen ge-
gen ein neues ausgetauscht. Ausgehend von
der Westfassade entwickelt sich das Langhaus
aus dem gebundenen System mit vier Doppel-
jochen, an das sich im Osten das Querhaus
anschließt. Die Staffelung von vierzehn Kapel-
len, Umgang, Hochchor und Querhaus ist stark
geprägt von der Bautradition der Zisterzienser,
ausgehend von der Primärabtei Morimond.
Darüber hinaus wird das schlichte Äußere der
Querarme und des Langhauses von ungeglie-
derten Mauern, eingeschnittenen Öffnungen
und großen Sattel- und Pultdachflächen be-
stimmt. Strebepfeiler wurden nur an den Stirn-
seiten der Querarme, an der Westfront und un-
regelmäßig am nördlichen Seitenschiff von An-
fang an mit aufgeführt. Das gilt in gleicher
Weise für die zweijochige, kreuzgratgewölbte
Kapelle aus der Mitte des 13.Jh. und die sich
westlich anschließende aus dem Jahre 1312
auf der Nordseite. Schlichtere Formen als sie
das Westportal aufweist, besitzen die beiden
nördlichen Zugänge, die zu den Friedhöfen

Riddagshausen, Klosterbezirk v. S., Lithogr. W. Pätz, 1839, (Stadt. Mus. Braunschweig)


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Riddagshausen, Klostergang 65, Klosterkirche St. Maria, 1212-1275, Chorbereich


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