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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0262

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entstanden hauptsächlich Mietwohnungen.
Volkswohnungen wurden nicht mehr gebaut,
da sie als zu klein angesehen wurden.
Neben dem ausgeführten Gemeinschaftshaus
am Marktplatz waren auch ein Kino, ein Arzt-
haus mit Apotheke, ein Gesundheitshaus mit
Kindergarten und ein Gasthaus geplant, deren
Realisierung aber nicht erfolgte.
Für die gärtnerische Gestaltung der Siedlung
war Gartenarchitekt A. Petri verantwortlich. Er
beriet die Bewohner auch bei der Gestaltung
ihrer Hausgärten. Als im April 1942 ein endgülti-
ger Baustopp in Kraft trat, gab es vor allem im
nördlichen, aber auch im östlichen Bereich
noch etliche Baulücken, die erst nach 1945 ge-
schlossen werden konnten. 1953 wurde zwi-
schen dem nördlichen Siedlungsbereich und
der Kernsiedlung der Hermann-Löns-Park als
Erholungsgebiet für die Siedlungsbewohner an-
gelegt.
Die Lehrsiedlung „Mascheroder Holz“ wurde so
geplant, daß sie über „alle notwendigen Einrich-
tungen, die ein selbständiges Gemeinwesen für
seine Verwaltung benötigt“ verfügte. Das Zen-
trum der Anlage bildet ein nahezu quadrati-
scher Marktplatz, der heutige Weifenplatz, der
gleichzeitig als Aufmarschplatz dienen sollte. Er

wird im Westen von einer Zeile zweigeschossi-
ger Häuser mit Ladengeschäften im Erdge-
schoß, im Norden von einer Zeile Wohnhäuser
und im Süden von dem Gemeinschaftshaus
begrenzt, das nach Norden einen eingeschossi-
gen langgestreckten Anbau hat, durch den der
Platz im Osten seine Einfassung erhält. Drei
Hauptstraßen, die zugleich Sammelstraßen bei
Aufmärschen sein sollten, münden in den
Marktplatz: im Nordosten die Engelsstraße, im
Südwesten die auf die Giebelfront des Gemein-
schaftshauses zuführende Griegstraße und die
von Süden kommende Retemeyer Straße.
Entlang dieser Straßen bilden ein- bzw. zweige-
schossige Reihenhäuser mit Volks- und Miet-
wohnungen die sog. „Front der Türen“. Beson-
ders deutlich zeigt sich dies in der Griegstraße:
die Gebäude rücken in Marktplatznähe immer
weiter an die Straße heran, so daß durch die
perspektivische Verengung die Öffnung des
Platzes vorbereitet wird. Die Hauptstraßen
durchschneiden die Siedlung in Ost-West-Rich-
tung, bzw. in Nord-Süd-Richtung. Die übrigen
Wohnstraßen laufen zu diesen Hauptachsen
parallel, so daß ein nahezu rechtwinkliges Gitter
mit meist geradlinig verlaufenden Straßen ent-
steht. Von diesem Schema wird nur an wenigen
Stellen, vor allem am Siedlungsrand abgewi-
chen. Die ursprüngliche Gestaltung der Neben-

Südstadt, Welfenplatz 10, Wohnhaus, 1936-38, Arch. Harms u. Neddermeier


Straßen ohne Gehweg und höchstens fünf Me-
ter breit, ist heute nur noch im westlichen Sied-
lungsteil vorhanden. Auch in der Höhenstaffe-
lung ist die Siedlung auf das Zentrum d.h. das
Gemeinschaftshaus ausgerichtet. An den Sied-
lungsrändern liegen die eingeschossigen Einzel-
häuser und Volkswohnungen, während die
zweigeschossigen Reihenhäuser den Weg zum
Marktplatz säumen, wo auf dem höchsten
Geländepunkt das hohe Feierheim liegt. Die für
die Siedlung Mascheroder Holz entwickelten
Haustypen lassen sich grob in vier Gruppen
einteilen: Kleinsiedlerstellen für Arbeiter, Volks-
wohnungen für Arbeiter, Mietwohnungen für
Angestellte und Eigenheime für Angestellte. Die
Kleinsiedlerstellen für Arbeiter sind noch einmal
in ungefähr zehn verschiedene Haustypen un-
terteilt, deren Gestaltung jedoch ähnlich ist.
Meist sind es eingeschossige Putzbauten mit
kleinen Fenstern und Satteldach. Der Stall ist
entweder angebaut oder Bestandteil des
Baukörpers. Es gibt vorwiegend Einzelhäuser,
aber auch Doppelhäuser, Reihen mit jeweils vier
Bauten und einen Kettenhaustyp. Einzelne Ty-
pen wurden auch in Fachwerk ausgeführt. Alle
Siedlerstellen erhielten 600 bis 1000 qm Land-
zugabe zur Bewirtschaftung. Die Häuser waren
meist teilunterkellert und hatten eine
Wohnküche. Die Wohnfläche betrug 36 bis 40
qm, bei ausgebautem Dachgeschoß 53 bis 60
qm, dazu kam ein Wirtschaftsteil mit Kleintier-
stall, Wirtschaftsraum und einem Geräteschup-
pen. Die Volkswohnungen für Arbeiter wurden
in traufständigen ein- bis eineinhalbgeschossi-
gen Reihenhäusern untergebracht, häufig mit
Schleppgauben ausgestattet und meist entlang
der Hauptstraßen errichtet. Spezielle Typen mit
Fachwerkgiebel wurden für kinderarme und kin-
derreiche Familien entwickelt. Die Hermann-
Göring-Werke errichteten an der Retemeyer
Straße Werkswohnungen. Die Mietwohnungen
für Angestellte waren schlichte zweigeschossi-
ge Putzbauten mit Satteldach. Sie waren
größer und besser ausgestattet als die Volks-
wohnungen. Es gab verschiedene Bauherren,
u.a. auch die Vereinigten Eisenbahnsignalwerke
in Braunschweig. Die Eigenheime für Angestell-
te waren ähnlich wie die Siedlerhäuser gestalte-
te, eingeschossige Putzbauten, z.T. als Doppel-
häuser gruppiert. Hier betrug die Wohnfläche
bis zu 150 qm und die Gartenflächen vielen
entsprechend kleiner aus. Die Entwürfe lieferten
zahlreiche Braunschweiger Architekten und die
Dietrich Klagges Gartenstadt AG.
Die Denkmalgruppe Welfenplatz setzt sich aus
der Zeile von Wohn-/Geschäftshäusern am
westlichen Platzrand) (Welfenplatz 1,2,3, 4, 5,
6, 7), dem Reihenhausriegel im Norden (Wel-
fenplatz 8,9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16) sowie
dem Gemeinschaftshaus im Süden mit seinem
eingeschossigen Nordflügel (Welfenplatz 17)
zusammen.
Die zweigeschossigen Zeilenbauten im Westen
und Norden (Nummern 1-16) wurden zwischen
1936 und 1938 von den Architekten Harms
und Neddermeier mit massiven, verputzten
Erdgeschossen und Obergeschossen in einfa-
cher Fachwerkonstruktion errichtet. Die leichte
Vorkragung des Fachwerkstockes auf unver-
zierten Balkenköpfen, die relativ steilen Sat-
teldächer mit Aufschieblingen sowie die zahlrei-
chen kleinen Schleppgauben vermitteln ein
konservativ altertümliches Bild und sind als hei-

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