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Albrecht, Heike [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44441#0211
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schon 1261 begegnet der Name Estebrügge,
was auf ihre Existenz schließen läßt. Die Bedeu-
tung des Ortes wird unterstrichen durch das
hier geschlossene Friedensbündnis zwischen
Erzbischof Giselbert und Rittern und Knappen
aus Holstein, Hamburg und Lübeck im Jahr
1285.
Auf die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes
hatte die Brücke maßgeblichen Einfluß, da sie
sich an dem Kreuzungspunkt von überregional
bedeutenden Handelswegen befand: zum ei-
nen der Straße von Hamburg nach Stade, zum
anderen dem Wasserlauf von der Hansestadt
Buxtehude zur Elbe. Hier entwickelte sich ein
bevorzugter Handelsplatz, an dem ab 1791 all-
jährlich Märkte abgehalten wurden. Eine rück-
läufige wirtschaftliche Entwicklung setzte mit
dem Ausbau des Obstmarschenweges ein, in
dessen Verlauf 1873 eine zweite Estebrücke
gegen den Widerstand der Estebrügger Bürger
in Königreich eröffnet wurde. So ist Estebrügge
besonders in den letzten Jahren zunehmend zu
einem Erholungs- und Wohnort für die beiden
Nachbarstädte Hamburg und Buxtehude ge-
worden, was sich in der Ausweisung umfang-
reicher Neubaugebiete niederschlägt.
In Estebrügge war - ähnlich wie in Jork und
Steinkirchen - eine breite Bürgerschicht ent-
standen, die aber bis ins 19.Jh. hinein keine
einheitliche Verwaltung besaß. Die sogenannte
Bürgerei, sie bestand im wesentlichen aus der
heutigen Estebrügger Straße, unterstand den
Hauptmannschaften Königreich und Moorende,
wobei die Grenze zwischen beiden in Höhe der
Brücke und dem zur Kirche führenden Stein-
weg verlief. Erst 1879 wurde die Bürgerei in der
Gemeinde Estebrügge zusammengefaßt, wel-
che seinerzeit 132 Feuerstellen und 679 Ein-
wohner zählte.
In der Bürgerei, die der Este folgend in einem
Bogen geführt wird, hatten sich seit dem Mittel-
alter vor allem Händler, Handwerker und Ge-
werbetreibende niedergelassen. Noch heute
herrscht hier aufgrund der homogenen Bau-
weise und der erhöhten Gebäudestellung auf
dem Deich ein bemerkenswert geschlossener
Straßenraum vor. In den denkmalwerten Be-
stand der Häuserzeile Estebrügger Straße
79-111 sind auch der Deichkörper einschließ-
lich des Baumbestandes und der typischen
Treppenanlagen sowie der Estefluß und die in
Höhe der Grundstücke 101-111 vorhandene
alte Uferbefestigung (Steilböschung) einbezo-
gen. Der vorherrschende Bautyp ist das fün-
fachsige, ein- bis zweigeschossige Giebelhaus
mit Satteldach, das oftmals straßenseitig einen
kleinen Laden bzw. eine Werkstatt enthielt; sel-
tener vertreten sind schmale, nur drei Fenster-
achsen breite Giebelhäuser und traufständige
Bauten, die dann meist über ein Zwerchhaus
verfügen. Ihre Erbauung fällt wohl überwiegend
in das 19.Jh., allerdings können sich hinter den
vielfach modernisierten Backstein- oder Putz-
fassaden vereinzelt auch ältere Gerüste verber-
gen. In manchen Fällen sind zudem bemer-
kenswerte Hauseingangstüren erhalten geblie-
ben.
Im Gegensatz zu der sehr engen Bebauung auf
dem Deich herrscht auf der westlichen Straßen-
seite eine offene Bauweise vor, aus der einzelne

Estebrügge, Königl. Preuß. Landesaufnahme, 1878 (Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen)


Estebrügge, Estebrügger Straße, von Nr. 97 nach Nordosten


Estebrügge, Estebrügger Straße 74 und 72, von Norden


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