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Albrecht, Heike [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44441#0265
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WISCHHAFEN - HAMELWÖRDENERMOOR,
NEULANDERMOOR,
WOLFSBRUCHERMOOR

Die Kultivierung des gut vier Kilometer landein-
wärts liegenden Kehdinger Moores erfolgte
zunächst vereinzelt von den angrenzenden
Marschhöfen Hamelwördens und Wolfbruchs
aus. In Neulandermoor, das nach der Wieder-
eindeichung von 1742 zum Königlichen Amt
Wischhafen gehörte, sind unter staatlicher Len-
kung zahlreiche Hofstellen am Moorrand (Bir-
kenstraße) eingerichtet worden und in einer
Karte von 1745 bereits dargestellt.
Diese Struktur mit einer fast ausschließlich
westlich der Birkenstraße aufgereihten Besied-
lung ist bis heute wenig verändert überkom-
men. Die Birkenstraße als Teil der am nördli-
chen Kajedeich beginnenden und sich bis an
die Stadtgrenze Stades hinunterziehenden
Moorerschließungsstraße liegt auf einem alten
Wegekörper, der in früheren Zeiten dem jeweils
höchsten und damit trockensten Landrücken
folgte. Einzig in Hamelwördenermoor, wo 1638
bereits 28 Kötnerhöfe bewirtschaftet wurden,
kommt es zu einer Verdichtung des überwie-
gend durch Einzelhöfe des 19.Jh. bestimmten
Straßenbildes, in dem nur in wenigen Fällen ei-
ne Neubebauung zu beobachten ist.
In dem westlichen Hochmoor erfolgte die Kulti-
vierung ebenfalls unter staatlicher Führung ge-
gen'Ende des 18.Jh., nachdem zunächst vier
parallel geführte Kanäle angelegt worden wa-
ren. An ihnen verteilen sich bis heute nur weni-
ge, zu Neulandermoor gehörende Kleinbetriebe
in Einzellage.
Erwähnenswerte Gebäude im nördlichen Orts-
teil Hamelwördenermoor sind das Hallenhaus
Birkenstraße 62 (erb. wohl Mitte des 19,Jh.)
und die auf einer Wurf plazierte Kate Nr. 69 aus
der 1. Hälfte des 19,Jh. Beide sind - wie die
Mehrzahl der kleineren Wohnwirtschaftsbauten
- inzwischen vollständig zu Wohnzwecken aus-
gebaut worden. Der weiter südlich gelegene,
vergleichsweise große Zweiständerbau Nr. 38
verfügt über einen aufwendig gestalteten Ein-
gangsbereich im straßenzuqewandten Wohnteil
(dat. 1843).
Entlang des südlich anschließenden, zu Neu-
landermoor gehörenden Teilstückes der Birken-
straße sind zwei relativ intakte Kehdinger Hof-
anlagen bemerkenswert. Mit einer Länge von
rund 25 Metern zählen ihre Haupthäuser zwar
zu den größten ihrer Art im Moor, besitzen aber
dennoch deutlich geringere Ausmaße als die
Marschhöfe. Das 1886 erbaute Gehöft Birken-
straße 41 fügt sich aus einer Zweigiebelfront
von Haupthaus und Viehscheune sowie einer
zur Straße vorgeschobenen und verbreiterten
Kornscheune zusammen. Auf der östlichen
Straßenseite liegt der Hof Birkenstraße 16,
dessen ehemals einheitliche Bauflucht von
Haupthaus (erb. 1828) und Viehscheune (erb.
1840) durch eine nachträgliche Verlängerung
des erstgenannten um zwei Fach aufgehoben
worden ist. Da auch bei den wenigen Höfen
dieser Straßenseite die regional typische Ost-
West-Ausrichtung beibehalten ist, zeigen hier
die Wirtschaftsgiebel nicht zur Straße, sondern
in die Feldmark.

Zwischen Birkenstraße und dem westlichen
Hochmoor hat sich eine kleine Ansammlung
von acht Häusern geschoben, von denen die
drei nördlichen Fachwerkgebäude mit Reet-
deckung zu einer erhaltenswerten Gebäude-
gruppe zusammengefaßt sind. Als das vermut-
lich älteste Bauwerk ist die Kate Am Fuß-
steig 11 (erb. wohl Anfang 19.Jh) mit einer
schlichten Giebelausbildung und einem tiefge-
zogenen Walm am Wohngiebel anzusehen. Die
beiden benachbarten Zweiständerbauten
Nr. 15 (dat. 1887) und 17 (dat. 1832) zeigen mit
einem gleichmäßigen Fachwerkgefüge, einge-
zogenem Wohnteil sowie verbreitertem Gie-
beldreieck typische Merkmale der Bauweise im
Moor.
Darüber hinaus verfügen die Bauten Erster Ka-
nal 15 (erb. 19.Jh.) und 27 (dessen Datierung
1885 den Aufbau an dieser Stelle angibt, nach-
dem das Gerüst vorher auf Krautsand gestan-
den haben soll) über einen verbreiterten Über-

hang am Wohnteil, wie er sonst nur an den
nördlichen Marschhöfen Kehdingens auftritt.
Das gleiche Phänomen ist auch an dem südlich
der Bundesstraße 495 gelegenen Zweiständer-
bau Ostener Straße 11 zu beobachten, der
1844 durch den Deichvogt Jungclaus errichtet
worden ist. Er formiert sich mit dem benachbar-
ten Gebäude Nr. 13, bei dem das Dielentor zu
einer Haustür verkleinert wurde, zu einer Grup-
pe baulicher Anlagen.
Im südlich anschließenden Ortsteil Wolfsbru-
chermoor ist die hier als Fasanenweg bezeich-
nete Moorstraße erst in den sechziger Jahren
des 20.Jh. angelegt worden und hält deutlichen
Abstand zu den wenigen Siedlerstellen. Denk-
malwert besitzt hier lediglich die Hofanlage Fa-
sanenweg 25. Sie besteht aus drei reetgedeck-
ten Fachwerkbauten, einem Haupthaus mit
Vollwalm, das inschriftlich auf 1842 datiert ist
und zwei Nebengebäuden aus der 2. Hälfte des
19.Jh.


Neulandermoor, Am Fußsteig 17, Kate, 1832

Wolfsbruchermoor, Fasanenweg 25, Hofanlage, 1842


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